Pulse: Wiener Startup will Paare per Gesundheitsdaten besser verbinden
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Wenn die Apple Watch am Handgelenk registriert, dass jemand schlecht geschlafen hat, bleibt diese Information normalerweise in einer Gesundheits-App liegen. Das Wiener Startup Knightify FlexCo will daraus etwas anderes machen: einen kleinen Hinweis an die Partnerin oder den Partner, formuliert in Alltagssprache statt in Messwerten. „Pulse“ heißt die App, die dahintersteht und die kürzlich in den Fokus des jungen Unternehmens gerückt ist.
Signale statt Zahlen
Pulse liest Daten aus Apple Health aus, also etwa Schlaf, Ruhepuls, Herzfrequenzvariabilität, Bewegung und Erholung. Aus diesen Werten entsteht ein knapper, menschlich formulierter Hinweis, den Nutzer:innen selbst freigeben können. Wer kein Wearable trägt, kann stattdessen ein manuelles Stimmungs-Check-in machen. Optional lässt sich auch Zyklus-Awareness aktivieren, und neben der Apple Watch ist eine WHOOP-Anbindung möglich.
Rund um diesen Kern hat das Team weitere gemeinsame Bereiche gebaut: einen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Chat, kleine Gesten wie digitale Umarmungen, eine gemeinsame Wunschliste, tägliche Paarfragen und ein geteiltes Fotoalbum. Auf der Apple Watch gibt es acht kompakte Ansichten und eine Komplikation fürs Zifferblatt.
Wozu die Gesundheitsdaten in einer Beziehungs-App gut sein sollen, beschreibt Gründer Amirali Khoshneviszadeh gegenüber Trending Topics so: „Sie helfen Pulse dabei, den richtigen Moment für einen kleinen persönlichen Impuls zu erkennen. Nicht als Zahlen, nicht als Diagnose und nicht als Überwachung, sondern als kleine Hilfe, um füreinander da zu sein.“
Datenschutz als Architekturentscheidung
Der Datenschutz ist laut dem Gründerteam zentral in die Architektur eingebaut. „Die Rohdaten aus Apple Health, wie Herzfrequenz, HRV, Schlaf oder Schritte, verlassen das iPhone nicht. Die Interpretation passiert direkt auf dem Gerät“, sagt Khoshneviszadeh. „Erst daraus entsteht ein kleiner, verständlicher Hinweis, den der Nutzer selbst mit seinem Partner teilen kann.“
Auch Chat-Nachrichten und gemeinsame Erinnerungen laufen verschlüsselt über die private iCloud-Infrastruktur. „Wir können diese Inhalte nicht lesen“, so der Gründer. „Auf unseren eigenen Servern speichern wir keine Gesundheitsdaten und keine persönlichen Chat-Inhalte. Für technische Funktionen wie Push-Benachrichtigungen und bestimmte Echtzeit-Signale gibt es nur wenige notwendige technische Daten.“
Diese Linie soll sich auch im Geschäftsmodell wiederfinden. Pulse ist derzeit kostenlos, langfristig ist ein Freemium- beziehungsweise Subscription-Modell mit Premium-Funktionen geplant. „Dabei ist uns wichtig, dass wir keine Werbung einbauen und keine persönlichen Daten unserer Nutzer verkaufen“, sagt Khoshneviszadeh. „Pulse soll von den Menschen bezahlt werden, die es nutzen, und nicht von Werbetreibenden.“
Zielgruppe Paare, erster Fokus Europa
Adressiert werden Paare, „die sich im Alltag näher sein und gegenseitig unterstützen möchten, ohne dass daraus Überwachung oder Kontrolle entsteht“, wie es der Gründer formuliert. Auf der Produktseite werden speziell Fernbeziehungen genannt. Die App läuft auf dem iPhone ab iOS 17 und auf der Apple Watch ab Series 6 und ist auf Englisch, Deutsch, Russisch, Persisch und Arabisch verfügbar. „Unser erster Fokus liegt auf Europa, langfristig möchten wir Pulse international weiterentwickeln“, so Khoshneviszadeh.
Entwickelt wird Pulse von einem kleinen Gründerteam in Wien innerhalb der Knightify FlexCo. „Wir sind aktuell ein kleines, hands-on Team und kümmern uns selbst um Produkt, Technologie und die Weiterentwicklung“, beschreibt der Founder den Status quo. Professionelle Founder-Fotos gibt es nach eigenen Angaben noch keine.
Als nächste Schritte nennt das Startup User Feedback, den Ausbau des Produkts und zusätzliche Wearable-Unterstützung. „Neben der Apple Watch schauen wir uns auch weitere Wearables und Plattformen an. Oura ist dabei zum Beispiel eine der Möglichkeiten, die wir uns für die Zukunft ansehen.“
„Ein Ort, an dem eine Beziehung ihren eigenen Raum bekommt“
Die längerfristige Ambition geht über eine Wellness-App hinaus. „Wir möchten Pulse langfristig zu einem eigenen, privaten Raum für eine Beziehung entwickeln“, sagt Khoshneviszadeh. Seine Begründung: „Smartphones, Social Media und Messenger haben Kommunikation unglaublich einfach gemacht. Gleichzeitig gibt es heute sehr viele Dinge, die ständig um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren. Wir möchten einen Ort schaffen, an dem eine Beziehung ihren eigenen Raum und ihre eigene Aufmerksamkeit bekommt.“
Konkret sollen Date-Pläne, gemeinsame Wishlists, Erinnerungen, kleine Gesten, tägliche Fragen und weitere gemeinsame Bereiche an einem Ort zusammenlaufen. „Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach: Alles, was für eine Beziehung wichtig ist, soll seinen eigenen Platz bekommen, ohne Werbung, Social-Media-Feeds oder andere digitale Ablenkungen“, so der Gründer. Die Health- und Wearable-Daten seien in diesem Bild nur ein Teil des Ganzen.
Pulse ist nicht die einzige Wette
Zum Gesamtbild gehört, dass Knightify neben dem eigenen Produkt auch als Entwicklungsdienstleister auftritt. Auf der Website des Unternehmens positioniert man sich als „pre-traction software studio“, das fokussierte MVPs baut. Das Angebot reicht von einem Rapid-MVP-Paket, das in sechs bis acht Wochen zum Launch führen soll, über maßgeschneiderte Web- und Mobile-Anwendungen für etablierte Unternehmen bis zu Business-Automatisierung mit internen Tools, Integrationen und AI-Workflows sowie laufender Betreuung im Retainer-Modell.
Entsprechend breit ist das Portfolio: Dort finden sich unter anderem Continuum (AI-generierte Briefings für Arztbesuche), ClosOn (AI-Styling für den Kleiderschrank), Envera (Software für Endodontie-Praxen), Fuchsia (Dating-Community mit verifizierten Identitäten), TaxDesk (Workflow-Tool für Steuerberatungen), Cleanify (White-Label-CRM für Reinigungsfirmen), Tradify (Trading-Signale) und Knightify Guard (DSGVO-konforme Analytics). Auch die Kooperationsmodelle sind unterschiedlich angelegt, von Co-Founder-Partnerschaften über White-Label-Builds bis zu Equity-for-Build-Vereinbarungen und Design-Partnerschaften mit Pilotrabatten.
Pulse ist damit das derzeit sichtbarste, aber eben nur eines von mehreren Projekten, an denen in Wien gearbeitet wird.
