OpenAI dreht SpaceX Zugang zu KI-Modellen ab. Musk: „Couldn’t Care Less“
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OpenAI beendet die Zusammenarbeit mit dem KI-Coding-Startup Cursor. Das Unternehmen hat SpaceX soeben mitgeteilt, dass es den Vertrag über die Bereitstellung seiner Modelle auslaufen lässt. Als Abschalttermin nennt OpenAI den 12. November 2026, also die längstmögliche Frist, die der bestehende Vertrag zulässt. Anlass ist die Übernahme des Cursor-Entwicklers Anysphere durch Elon Musks Raumfahrt- und KI-Konzern SpaceX. Musk kommentierte die Angelegenheit mit „I couldn’t care less.“
Die Begründung fällt ungewöhnlich direkt aus. OpenAI schreibt in einem Blogpost, man könne nicht darauf vertrauen, dass SpaceX die eigene Technologie im Rahmen der Nutzungsbedingungen einsetze. Grundlage dafür seien die Erfahrungen mit Musks Unternehmen und deren Umgang mit Verträgen. Für große Partner arbeite OpenAI üblicherweise mit maßgeschneiderten Verträgen, die die Einhaltung der Terms of Service und die Sicherheit im großen Maßstab absichern sollen. Die Vereinbarung mit Cursor enthält demnach ein befristetes Kündigungsrecht für den Fall eines Eigentümerwechsels, ein sogenanntes Change-of-Control-Fenster. Dieses Fenster nutzt OpenAI nun.
Zwei Vorfälle führt OpenAI konkret an. Erstens habe Twitter, das inzwischen zum SpaceX-Konzern gehört, nach der Übernahme durch Musk die Bedingungen eines Vertrags mit OpenAI gebrochen. Zweitens habe Musk selbst unter Eid eingeräumt, dass xAI gegen die Nutzungsbedingungen von OpenAI verstoßen habe. Parallel dazu kündigt OpenAI an, Cursor keine künftigen Modelle mehr zur Verfügung zu stellen, ausdrücklich auch nicht das kommende Modell mit dem Namen Astra. Begründet wird das mit einer gestiegenen Verantwortung für den Einsatz leistungsfähigerer Systeme.
Was Musk vor Gericht sagte
Die Aussage, auf die sich OpenAI beruft, fiel im Kreuzverhör während des Prozesses in Oakland. OpenAI-Anwalt William Savitt fragte Musk, ob xAI Modelle von OpenAI destilliert habe. Musk antwortete zunächst allgemein, KI-Unternehmen würden einander üblicherweise destillieren, und bestätigte dann auf Nachfrage mit „partly“, wie unter anderem TechCrunch berichtete. Ergänzend erklärte er, es sei gängige Praxis, andere KI-Systeme zur Validierung der eigenen heranzuziehen.
Bei der Destillation wird ein kleineres Modell darauf trainiert, das Verhalten eines größeren nachzuahmen, was Rechenaufwand und Kosten senkt. Die Nutzungsbedingungen von OpenAI untersagen es, Outputs der eigenen Modelle für das Training konkurrierender Systeme zu verwenden. Vergleichbare Klauseln finden sich auch in den Bedingungen von xAI. Die Aussage sorgte im Gerichtssaal für Aufsehen, weil sie mitten in einem Verfahren fiel, das Musk selbst angestrengt hatte.
Cursor verweist auf Gespräche
Cursor-Mitgründer Michael Truell, mittlerweile Manager bei SpaceX, reagierte auf X zurückhaltend. Man spreche mit dem Team von OpenAI, um die Sache zu klären. Cursor sei einer der ersten Kunden von OpenAI gewesen und habe die Plattform über Jahre als neutrale Infrastruktur für das eigene Geschäft betrachtet. Ihm zufolge würden OpenAI-Modelle nur etwa 5% der Cursor-Nutzung betreffen.
Betroffen sind vor allem Entwickler:innen, die in Cursor gezielt auf OpenAI-Modelle setzen. Cursor bietet in seinem Editor Modelle mehrerer Anbieter an, darunter Anthropic, Google und SpaceXAI, und hat mit Composer auch ein eigenes Modell im Programm. Welche Nutzergruppen und Modellvarianten die Abschaltung im Detail trifft, ist offen. OpenAI erhebt in seinem Beitrag keine Vorwürfe gegen Cursor selbst und kündigt an, den Übergang für die betroffenen Entwickler:innen begleiten zu wollen.
SpaceX und OpenAI konkurrieren auf mehreren Ebenen
Die Kündigung fällt in eine Phase, in der beide Konzerne im selben Markt antreten. SpaceX hatte xAI im Februar in den eigenen Konzern integriert und führt die KI-Sparte seither als SpaceXAI. Kurz nach dem Börsengang, bei dem SpaceX rund 85,7 Milliarden Dollar einnahm, folgte die Übernahme von Anysphere für 60 Milliarden Dollar in Aktien, der bislang größte Zukauf eines Startups. Zuvor hatte sich der Konzern eine Option auf die Übernahme gesichert. Abgeschlossen wurde der Deal kürzlich.
Damit überschneiden sich die Geschäftsfelder an mehreren Punkten. Bei den Modellen stehen Grok und GPT einander gegenüber. Bei den Entwicklerwerkzeugen konkurriert Cursor mit den Coding-Produkten von OpenAI, wobei Cursor zuletzt mit Origin auch in das Code-Hosting eingestiegen ist. Bei der Infrastruktur vermietet SpaceX Rechenleistung aus dem Colossus-Cluster in Memphis und hat dafür laut Branchenberichten Abnahmeverträge mit Anthropic und Google geschlossen. Dazu kommt das Vorhaben, unter dem Namen Starmind Rechenzentren in die Erdumlaufbahn zu bringen: Bis zu eine Million Satelliten sollen laut einer FCC-Eingabe Rechenleistung mit Solarstrom bereitstellen, die ersten Einheiten der Baureihe AI1 sind für 2027 angekündigt. OpenAI wiederum baut mit Partnern eigene Rechenzentrumskapazitäten auf und bereitet einen Börsengang vor.
Ein Präzedenzfall existiert bereits: Anthropic hatte dem Konkurrenzprodukt Windsurf den Zugang zu Claude entzogen, nachdem dessen Übernahme durch OpenAI im Raum stand. Damals lautete die Begründung offen wettbewerblich. OpenAI stützt sich im Fall Cursor dagegen auf Compliance und Vertrauen.
Hintergrund: der verlorene Prozess
Musk hatte OpenAI, Sam Altman und Greg Brockman 2024 geklagt. Der Vorwurf: Die Führung habe die ursprünglich gemeinnützige Organisation in Richtung Gewinnorientierung umgebaut und sich dabei bereichert. Musk, der in den Anfangsjahren rund 38 Millionen Dollar beigesteuert und den Verwaltungsrat 2018 verlassen hatte, forderte Schadenersatz in Milliardenhöhe, die Absetzung von Altman und Brockman sowie eine Rückabwicklung der Struktur.
Der Prozess vor dem US-Bezirksgericht in Oakland dauerte drei Wochen. Ausgesagt haben unter anderem Musk, Altman, Brockman und Microsoft-Chef Satya Nadella. Am Ende entschied eine Detailfrage: Die neunköpfige Jury kam einstimmig zu dem Schluss, dass Musk zu spät geklagt habe und seine Ansprüche verjährt seien. Zum inhaltlichen Kern der Vorwürfe äußerten sich die Geschworenen deshalb nicht. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers übernahm den Spruch und wies die Klage ab. Musk sprach anschließend von einer „calendar technicality“ und kündigte Berufung an, wie Trending Topics berichtete.

