QuantWare sichert sich 178 Millionen Dollar: CIA-naher Investor unter den Geldgebern
Quanten-Computing in Europa ist heiß: Nach einigen IPO-Ankündigungen und größeren Investments kommt nun die nächste Nachricht daher. Das niederländische Unternehmen QuantWare hat in einer Series-B-Finanzierungsrunde 178 Millionen US-Dollar (rund 152 Millionen Euro) eingesammelt. Die Runde gilt als die bislang größte private Finanzierung eines dedizierten Quantenprozessor-Unternehmens weltweit. Besondere Aufmerksamkeit erregt die Beteiligung von In-Q-Tel, dem Risikokapitalarm des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA.
Was ist QuantWare und was wird finanziert?
QuantWare wurde 2021 von Matt Rijlaarsdam und Alessandro Bruno als Ausgründung des Forschungsinstituts QuTech an der Technischen Universität Delft gegründet. Das Unternehmen entwickelt, fertigt und integriert supraleitende Quantenprozessoren auf industriellem Niveau. Nach eigenen Angaben hat QuantWare bereits mehr als 50 Kunden in 20 Ländern beliefert und bezeichnet sich selbst als weltweit größten kommerziellen Lieferanten von Quantenprozessoren gemessen am Volumen.
Die frischen Mittel sollen zwei zentrale Projekte vorantreiben: erstens die Weiterentwicklung der firmeneigenen Prozessorarchitektur namens VIO, und zweitens den Aufbau einer neuen Fertigungsanlage mit dem Namen KiloFab, die die Produktionskapazität des Unternehmens um das Zwanzigfache steigern soll.
Wie soll die Technologie funktionieren?
Im Zentrum steht die sogenannte VIO-Architektur, ein modulares System für Quantenprozessoren auf Basis supraleitender Qubits. Qubits sind die Grundrecheneinheiten eines Quantencomputers. Anders als klassische Bits, die entweder den Wert 0 oder 1 annehmen, können Qubits dank quantenmechanischer Effekte wie Superposition gleichzeitig in mehreren Zuständen existieren. Dies ermöglicht theoretisch eine enorme Steigerung der Rechenleistung für bestimmte Problemklassen.
Supraleitende Qubits, wie sie QuantWare verwendet, funktionieren bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt. Elektrische Schaltkreise verlieren dabei ihren elektrischen Widerstand vollständig, was stabile Quantenzustände ermöglicht. Die Herausforderung besteht darin, viele solcher Qubits zuverlässig zu verbinden und zu steuern, ohne dass Fehler entstehen oder die empfindlichen Quantenzustände kollabieren.
QuantWares VIO-Architektur setzt auf ein modulares Chiplet-Konzept: Einzelne Prozessorbausteine werden miteinander verbunden, ähnlich wie Lego-Steine. Dies soll die Skalierung erleichtern und die Fehlerquellen beim Packaging und bei der Verdrahtung reduzieren, die laut Fachleuten derzeit zu den größten Engpässen bei der Skalierung supraleitender Systeme gehören. Das neueste Modell, VIO-40K, ist auf 10.000 Qubits ausgelegt, was einem hundertfachen Anstieg gegenüber dem aktuellen Stand der Technik entsprechen würde.
„Im supraleitenden Quantencomputing wird die Skalierung zunehmend durch Verdrahtung, Packaging und Fertigbarkeit eingeschränkt, nicht nur durch das Qubit-Design. QuantWare hat das früh erkannt und VIO entwickelt, um genau das zu adressieren.“ (Kike Miralles, Intel Capital)
Die Investoren: Von Risikokapital bis zum CIA-Arm
An der Finanzierungsrunde beteiligen sich sowohl neue als auch bestehende Investoren. Besonders bemerkenswert ist die Zusammensetzung des Konsortiums:
- In-Q-Tel (IQT): Der wohl prominenteste neue Investor ist In-Q-Tel, eine gemeinnützige Risikokapitalgesellschaft, die 1999 von der CIA gegründet wurde. IQT investiert im Auftrag der US-amerikanischen Nachrichtendienstgemeinschaft in Technologien, die als strategisch relevant für die nationale Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten eingestuft werden. Die Beteiligung an QuantWare signalisiert das sicherheitspolitische Interesse der USA an der Kontrolle über kritische Quantenhardware-Lieferketten.
- Intel Capital: Der Investitionsarm des Halbleiterkonzerns Intel beteiligt sich ebenfalls neu an der Runde. Intel Capital hat nach eigenen Angaben in drei Jahrzehnten mehr als 20 Milliarden US-Dollar in Technologieunternehmen investiert.
- ETF Partners: Der europäische Nachhaltigkeits-Venture-Capital-Fonds steigt neu ein.
- FORWARD.one, Invest-NL Deep Tech Fund, InnovationQuarter Capital, Ground State Ventures, Graduate Ventures: Diese bestehenden Investoren beteiligen sich erneut an der Runde.
Die Beteiligung von In-Q-Tel ist kein Einzelfall in der Quantenbranche. Der CIA-nahe Fonds hat in der Vergangenheit in zahlreiche Technologieunternehmen investiert, darunter frühe Beteiligungen an Google und Palantir. Im Bereich Quantencomputing unterstreicht das Engagement die strategische Bedeutung, die westliche Geheimdienste der Technologie beimessen, insbesondere im Hinblick auf mögliche Anwendungen in der Kryptografie und Signalaufklärung.
„Quantencomputing steht vor einem Wendepunkt und ist eine strategische Priorität für Nationen auf der ganzen Welt. QuantWare verfügt sowohl über die wegweisende Skalierungstechnologie in VIO als auch über die erforderlichen industriellen Kapazitäten in KiloFab“, sagt J.D. Englehart, Senior Director bei IQT.


