Serwas Technologies: Innsbrucker GreenTech-Startup holt knapp 300.000 Euro
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Das Innsbrucker Startup Serwas Technologies hat soeben das erste Closing seiner Pre-Seed-Runde abgeschlossen. Knapp 300.000 Euro kommen zusammen, angeführt von Gateway Ventures als Lead-Investor. Beteiligt sind außerdem Business Angels aus dem Pioneers Club sowie das MCI Innsbruck, an dessen Start-up Center das Unternehmen groß geworden ist. Ein zweites Closing ist für Oktober geplant, dabei sollen weitere Investor:innen an Bord kommen und zusätzliches Kapital für den Ausbau aufgenommen werden.
Das Geschäftsmodell verbindet zwei Themen, die derzeit beide unter Druck stehen: Rechenleistung und Wärmeversorgung. Serwas stellt eigene Server direkt in Gebäude mit konstant hohem Wärmebedarf, etwa Schwimmbäder, Hotels, Pflegeeinrichtungen oder größere Wohnanlagen. Eine selbst entwickelte Kühltechnologie führt die Abwärme direkt aus den Servern ab und speist sie in Heizung und Warmwasserbereitung des Gebäudes ein. Das Unternehmen betreibt die Hardware selbst, übernimmt die Integration in die bestehende Wärmeinfrastruktur und vermarktet die Rechenleistung an externe Unternehmen.
Erster Standort in einem Innsbrucker Hallenbad
Der erste Standort läuft bereits, und zwar in einem Innsbrucker Hallenbad, konkret dem Freizeitzentrum Amras in Kooperation mit den Innsbrucker Kommunalbetrieben. Genau dieser Standort soll mit dem frischen Kapital weiter ausgebaut werden, parallel dazu will das Team weitere geeignete Gebäude erschließen. Gegründet wurde Serwas von Manuel Untergasser, Timo Berkmann und Lucas Bolte, technisch setzt das Startup auf Direct-to-Liquid-Cooling, bei dem die Kühlflüssigkeit die Wärme unmittelbar an den Chips aufnimmt. Ein Teil der Rechenleistung ging bisher ins Bitcoin-Mining, mittelfristig zielt das Unternehmen stärker auf AI-Workloads (TGA, MCI).
„Wir wollen Rechenleistung dort aufbauen, wo die dabei entstehende Wärme direkt gebraucht wird. Server sollen künftig nicht nur rechnen, sondern gleichzeitig Gebäude beheizen. Mit dem neuen Kapital wollen wir unseren ersten Standort weiter ausbauen und das Konzept auf weitere Gebäude übertragen“, sagt Co-Founder Timo Berkmann.
Netzanschlüsse als Engpass
Die Argumentation des Startups setzt an einem bekannten Engpass an: Der Bedarf an Rechenleistung wächst durch den Einsatz künstlicher Intelligenz stark, gleichzeitig wird der Bau klassischer Rechenzentren durch Anforderungen an Stromanschlüsse, begrenzte Netzkapazitäten und lange Planungszeiten aufwendiger. Serwas nutzt daher bestehende Gebäude als Standorte, dort sind Anschlüsse und ein kontinuierlicher Wärmebedarf bereits vorhanden. Für die Gebäudebetreiber:innen sollen Heizkosten und CO₂-Emissionen sinken, für Serwas fällt der Kühlaufwand geringer aus, weil die Wärme ohnehin abgenommen wird.
Wachsendes Feld an Abwärme-Anbietern
Damit reiht sich das Tiroler Team in eine wachsende Gruppe von Anbietern ein, die Abwärme aus Rechenzentren nutzbar machen wollen. In Wien plant OnZero die Einspeisung von AI-Abwärme in Fernwärmenetze, ein Interxion-Rechenzentrum soll eine Wiener Klinik beheizen, und der Schweizer Anbieter Infomaniak heizt Wohnungen mit der Abwärme seines Datacenters. Der Unterschied bei Serwas liegt in der Größenordnung: Statt zentraler Anlagen sollen viele kleine Server-Einheiten direkt im Heizraum stehen.
Auf Investorenseite passt das Investment ins Muster von Gateway Ventures, dem aus primeCROWD hervorgegangenen Investor:innen-Netzwerk rund um Markus Kainz. „Serwas verbindet zwei Märkte, die in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen werden: Rechenleistung und nachhaltige Energieversorgung. Besonders überzeugt uns der dezentrale Ansatz, weil neue Rechenkapazitäten dort aufgebaut werden können, wo die entstehende Wärme unmittelbar genutzt wird“, sagt Kainz. Offen bleibt vorerst, wie viel Kapital im zweiten Closing dazukommt und wie schnell sich das Modell über den ersten Standort hinaus skalieren lässt.

