Speedinvest baut 10% der Belegschaft ab, will effizienter mit KI werden
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Der Wiener Venture-Capital-Fonds Speedinvest, einer der größten Früh-Phasen-Investoren in Europa, baut rund zehn Prozent seiner Belegschaft ab. Die Kürzungen betreffen vor allem operative Bereiche und wurden laut Sifted-Bericht bei einer internen Versammlung angekündigt und folgen auf eine Phase hoher Fluktuation. Managing Partner Oliver Holle begründete den Schritt mit dem Ziel, Effizienz zu steigern und auf Seniorität im KI-Zeitalter zu setzen.
Noch 2024: Speedinvest als europäischer Platform-VC mit Ambitionen
Der Stellenabbau kommt überraschend, wenn man die öffentliche Kommunikation des Fonds aus dem Jahr 2024 betrachtet. Damals positionierte sich Speedinvest explizit als europäisches Pendant zu den großen amerikanischen Plattform-Fonds wie Andreessen Horowitz oder General Catalyst. Das Unternehmen beschrieb sich selbst als einen Fonds, der bewusst auf Größe, Professionalität und ein breites Team setzt.
Mit sechs Büros in Europa, sechs sektorspezifischen Investmentteams und mehr als 80 Mitarbeitenden in Schlüsselfunktionen sah sich Speedinvest als einzigartiger Investitionspartner für Frühphasengründer. Besonders betont wurde dabei der menschliche Faktor: Venture Capital sei ein „People’s Business“, hieß es in der offiziellen Kommunikation.
Parallel dazu wurde eine neue, bewusst jüngere Führungsriege vorgestellt. Andreas Schwarzenbrunner und Markus Lang wurden zu General Partners befördert, Nora Frizberg übernahm die Rolle der COO. Der Fonds präsentierte sich als zukunftssicher aufgestellt, mit klarer Generationenstrategie und dem Anspruch, das europäische VC-Ökosystem auf die nächste Stufe zu heben.
2025: Liquiditätsprobleme und neue Continuation-Fonds
Im September 2025 zeichnete sich ein anderes Bild ab. Speedinvest startete zwei sogenannte Continuation Funds mit einem Gesamtvolumen von 60 Millionen Euro, um auf Liquiditätsengpässe im eigenen Portfolio zu reagieren. Der erste Fonds in Höhe von 30 Millionen Euro wird von Molten Ventures und Acurio Ventures unterstützt, ein zweiter Fonds gleicher Größe wurde für die darauffolgenden Wochen angekündigt.
Diese Vehikel erwerben Teilbeteiligungen an erfolgreichen Unternehmen aus früheren Speedinvest-Fonds und sollen sowohl bestehenden Investoren Liquidität verschaffen als auch weiteres Wachstumspotenzial für Portfoliounternehmen ermöglichen.
Zwischen Wachstumsstrategie und Konsolidierungsdruck
Die Kombination aus Stellenabbau und neuen Liquiditätsvehikeln zeigt, unter welchem Druck europäische VC-Fonds mittlerer Größe aktuell stehen. Einerseits konkurrieren sie mit immer größeren Plattformfonds aus den USA, die zunehmend auch in Europa aktiv werden. Andererseits kämpfen sie mit langen Haltezeiten und einem schwierigen Fundraising-Umfeld.
Speedinvest hatte diese Entwicklung selbst bereits 2024 beschrieben: Das Kapital der Investoren konzentriere sich zunehmend auf wenige, bewährte Fonds. Wer in diesem Umfeld bestehen wolle, müsse entweder ein hochspezialisierter Nischenfonds oder ein leistungsfähiger Plattformfonds sein. Speedinvest hatte sich klar für den zweiten Weg entschieden.

