Stripe jetzt 159 Milliarden Dollar wert – und warnt Europa, nicht bei Stablecoins zurückzufallen
Der Zahlungsdienstleister Stripe hat seine Unternehmensbewertung innerhalb eines Jahres um mehr als 70 Prozent auf 159 Milliarden US-Dollar gesteigert. Die neue Bewertung ergibt sich aus einer aktuellen Aktientransaktion, bei der Investoren Anteile von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern erwerben konnten. Dieser sogenannte Tender Offer ermöglicht es dem 15 Jahre alten irisch-amerikanischen Unternehmen, vorerst privat zu bleiben.
Aktienverkauf statt Börsengang
An der Transaktion beteiligten sich Investoren wie Thrive Capital, Coatue und Andreessen Horowitz. Stripe selbst nutzte zudem eigenes Kapital, um einen Teil der Aktien zurückzukaufen. Die Bewertung liegt damit deutlich über den 92 Milliarden US-Dollar vom Vorjahr.
Stripe-Präsident John Collison, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Patrick gründete, machte deutlich, dass ein Börsengang derzeit keine Priorität habe. Er erklärte, eine große Kapitaltransaktion wie ein IPO stehe nicht auf der Liste der Top 10 oder 20 Prioritäten des Unternehmens. Stattdessen konzentriere sich Stripe auf den durch Künstliche Intelligenz und Stablecoins ausgelösten Wendepunkt in der Branche.
Rekordwachstum im Jahr 2025
Die positive Bewertung wird durch starke Geschäftszahlen gestützt. Stripe gab in seinem am Dienstag veröffentlichten Jahresbrief bekannt, im Jahr 2025 ein Zahlungsvolumen von 1,9 Billionen US-Dollar verarbeitet zu haben. Dies entspricht einem Wachstum von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr und macht etwa 1,6 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts aus.
Das Unternehmen verzeichnete das zweite Jahr in Folge Profitabilität. Zu den Kunden zählen mehr als 5 Millionen Unternehmen weltweit, darunter 90 Prozent der Dow-Jones-Unternehmen, 80 Prozent des Nasdaq 100 und die Hälfte aller DAX40-Unternehmen. Besonders profitierte Stripe vom Wachstum im KI-Sektor, wo es sich als führende Zahlungsplattform etabliert hat. Zu den Neukunden zählen sowohl aufstrebende KI-Start-ups als auch etablierte Konzerne wie Nvidia und Microsoft.
Internationale Expansion und neue Technologien
Mehr als die Hälfte der neuen Unternehmen, die 2025 Verträge mit Stripe abschlossen, stammen von außerhalb der USA. Diese internationale Expansion wird laut Stripe durch KI-Tools erleichtert, die die Gründung neuer Software-Unternehmen vereinfachen. Zudem seien neue Fintechs dank der „Grenzenlosigkeit“ digitaler Assets globaler ausgerichtet als ihre Vorgänger.
Ein strategischer Schwerpunkt liegt auf Stablecoins, digitalen Token, die typischerweise an den US-Dollar gekoppelt sind. Stripe hatte 2024 die Stablecoin-Plattform Bridge für 1,1 Milliarden US-Dollar übernommen. Diese Investition zahlte sich aus: Nach der Regulierung von Stablecoins in den USA durch den Genius Act vervierfachte sich das Zahlungsvolumen bei Bridge im vergangenen Jahr.
„Wenn Menschen über Stablecoins sprechen, meinen sie oft auf US-Dollar lautende Stablecoins. Wir sehen, dass diese für Überweisungen oder für die Entwicklung neuer Arten von Fintech-Anwendungen genutzt werden. Es ist wichtig, dass Europa hier nicht den Anschluss verliert“, sagte John Collison.
Ausblick auf KI-gesteuerte Zahlungen
Für die Zukunft erwartet Collison eine schnelle Verbreitung von „agentischen Zahlungen“, bei denen KI-Agenten im Auftrag von Verbrauchern Transaktionen durchführen. Dies könnte besonders bei Zahlungen mit geringem Risiko relevant werden, etwa wenn ein Chatbot fehlende Zutaten für Rezepte bestellt.
Collison begründete seine Erwartung damit, dass niemand gerne Webformulare ausfülle, um Dinge zu kaufen. Menschen würden zwar gerne einkaufen, aber nicht gerne Formulare ausfüllen. Diese Automatisierung könnte daher auf schnelle Akzeptanz bei Verbrauchern stoßen.
Europäische Perspektive
Mit Blick auf Europa mahnte Stripe, nicht bei der Stablecoin-Entwicklung zurückzufallen. Europäische Gesetzgeber bevorzugen derzeit einen digitalen Euro gegenüber Stablecoins, die oft durch US-Dollar gedeckt sind. Stripe, das einen Hauptsitz in Dublin unterhält, sieht darin eine potenzielle Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit Europas im digitalen Zahlungsverkehr.


