Energie

Tozero: Batterie-Recycling-Startup startet industrielle Lithium-Produktion für Europas Unabhängigkeit

Die Tozero-Gründerinnen. © Tozero
Die Tozero-Gründerinnen. © Tozero

Das Münchner Batterie-Recycling-Startup Tozero hat seine erste industrielle Demonstrationsanlage im Chemiepark Gendorf in Bayern eröffnet. Die Anlage wurde in nur sechs Monaten errichtet und verarbeitet jährlich mehr als 1.500 Tonnen Batterieabfälle. Daraus gewinnt Tozero hochreines Lithiumcarbonat – genug Batteriematerial für rund 6.000 Elektrofahrzeuge – sowie Graphit und eine Nickel-Kobalt-Mischung. Dieser Schritt markiert laut Unternehmen den Übergang von der Pilotphase zur industriellen Produktion kritischer Rohstoffe auf europäischem Boden.

Möglich macht dies ein proprietäres, säurefreies hydrometallurgisches Verfahren, das im Unterschied zu konventionellen Methoden die Rückgewinnung in einem einzigen Kreislauf ermöglicht. Die gewonnenen Materialien erreichen eine Reinheit, die den direkten Wiedereinsatz in der Batterieproduktion erlaubt. Tozero will recyceltes Lithium und Graphit gemeinsam mit führenden Kathoden- und Anodenherstellern für Lithium-Ionen-Batterien qualifizieren.

CEO und Mitgründerin Sarah Fleischer erklärt: „Europa verfügt bislang nicht über die kritischen Rohstoffe, die es braucht, um seine Energiewende und Batterieindustrie aus eigener Kraft aufzubauen und zu skalieren. Unsere Technologie ermöglicht es uns, Altbatterien zu recyceln und daraus erstmals im industriellen Maßstab hochreine Rohstoffe zurückzugewinnen.“

Versorgungslücke und Importabhängigkeit

Die weltweite Nachfrage nach Lithium wird sich bis 2030 voraussichtlich vervierfachen, während die EU-Nachfrage nach Graphit bis 2040 um das bis zu 25-Fache steigen könnte. Gleichzeitig bleibt Europa fast vollständig von Importen abhängig: China kontrolliert die weltweiten Graphitlieferungen, 99 Prozent des Lithiums in Europa stammen aus dem Ausland. Ab 2035 droht eine weltweite Versorgungslücke von mehr als 33 Prozent. Das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe fordert, dass 25 Prozent der Versorgung aus Recyclingquellen gedeckt werden. Tozero adressiert diese Herausforderung durch die Erschließung „oberirdischer Minen“ – Altbatterien auf dem gesamten Kontinent, die bislang nicht wirksam verwertet wurden.

Die Demonstrationsanlage liefert recyceltes Lithium und Graphit bereits an Unternehmen in verschiedenen Sektoren, darunter Bauwesen, Keramik und Schmierstoffe. Die angestrebte Rückgewinnungsrate von 80 Prozent der kritischen Rohstoffe erfülle das EU-Ziel für 2031 bereits heute. Damit schließe das deutsche DeepTech-Startup den Kreislauf von Batteriematerialien und schaffe eine zirkuläre, lokale Lieferkette – ohne „grünen Aufpreis“, sondern mit einem echten „grünen Preisvorteil“, wie das Unternehmen betont.

Vom Labor zur Industrie in vier Jahren

Tozero wurde 2022 von Serienunternehmerin und Maschinenbauingenieurin Sarah Fleischer sowie Metallurgie-Expertin Dr. Ksenija Milicevic Neumann gegründet. Im April 2024, nur neun Monate nach Eröffnung der Pilotanlage, wurde das Startup nach eigenen Angaben zum ersten Unternehmen in Europa, das recyceltes Lithium an kommerzielle Kunden lieferte. Im Februar 2025 folgte die erste Qualifizierung von 100 Prozent recyceltem Graphit für den Einsatz in der Produktion von Lithium-Ionen-Batteriezellen im industriellen Maßstab – ebenfalls eine europäische Premiere. Pilotprojekte mit BMW, MAN und weiteren Automobil-OEMs demonstrierten eine stabile Lithiumrückgewinnungsrate von über 80 Prozent.

Das Unternehmen ist mittlerweile mit Partnern in zehn europäischen Ländern aktiv. „Die Skalierung unserer Technologie vom Labor zur industriellen Produktion in so kurzer Zeit ist ein entscheidender Meilenstein für jeden DeepTech-Gründer und markiert den Übergang von Entwicklung zu realer Validierung im industriellen Maßstab“, so CTO Dr. Ksenija Milicevic Neumann. Die Demonstrationsanlage soll als Blaupause für eine für 2030 geplante großskalige Recyclinganlage dienen, die die ersten tausenden Tonnen Lithiumcarbonat und Graphit pro Jahr produzieren soll.

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