Ankündigung

„Wiener Wachstum“: 7 Millionen Euro Mezzanin-Kapital für Wiener Scale-ups und KMU

Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak, Bürgermeister Michael Ludwig und Generaldirektor der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien Michael Höllerer. © Stadt Wien / Christian Jobst
Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak, Bürgermeister Michael Ludwig und Generaldirektor der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien Michael Höllerer. © Stadt Wien / Christian Jobst

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Die Stadt Wien und die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien legen gemeinsam ein neues Finanzierungsinstrument für Wiener Klein- und Mittelbetriebe auf. Unter dem Namen „Wiener Wachstum“ sollen KMU, also auch Scale-ups, aus den Zukunftsbranchen Gesundheits- und Digitalwirtschaft ab 2027 Mezzaninfinanzierungen zwischen 100.000 und 500.000 Euro pro Runde erhalten können. Zum Start stehen insgesamt sieben Millionen Euro zur Verfügung, die je zur Hälfte von der Wirtschaftsagentur Wien und der Raiffeisen-Holding eingebracht werden.

Operativ umgesetzt wird das Programm durch die neu gegründete Wachstum Wien GmbH, die im Herbst 2026 ihre Arbeit aufnehmen soll. Einreichungen sollen noch 2026 möglich sein, erste Finanzierungen sind ab 2027 vorgesehen.

Die Eigenkapitallücke im Fokus

Das Instrument adressiert ein bekanntes Problem der heimischen KMU-Landschaft: Beim Übergang von der Gründungs- in die Wachstumsphase stoßen viele Betriebe an Finanzierungsgrenzen, weil für die nächsten Expansionsschritte das nötige Eigenkapital fehlt – etwa für Investitionen in Personal, Technologie, neue Märkte oder zusätzliche Produktionskapazitäten. Auch Unternehmensübernahmen sollen über das Programm unterstützt werden können.

Im Fokus stehen Wiens Zukunftsbranchen: auf der einen Seite die Gesundheitswirtschaft mit Life Sciences, Medizintechnik, Pharma und Diagnostik, auf der anderen die Digitalwirtschaft mit Software, KI, Quantentechnologien, Cybersecurity und IT-Dienstleistungen.

Dass die Initiative gerade jetzt kommt, begründete Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) mit dem Ausbleiben einer bundesweiten Lösung. Man habe lange auf einen Dachfonds der Republik gewartet, doch in der aktuellen globalen und wirtschaftlichen Lage sei weiteres Zuwarten keine Option mehr. Der Dachfonds soll, wie berichtet, 2027 operativ werden (mehr dazu hier).

Was ist eine Mezzaninfinanzierung?

Der Begriff „Mezzanin“ stammt aus der Architektur und bezeichnet ein Zwischengeschoss – und genau dort ist diese Finanzierungsform auch wirtschaftlich angesiedelt: zwischen klassischem Eigen- und Fremdkapital. Mezzaninkapital hat bilanziell eigenkapitalähnlichen Charakter, ohne dass die Kapitalgeber Gesellschaftsanteile übernehmen. Unternehmer:innen erhalten also frisches Kapital, verlieren aber weder Stimmrechte noch unternehmerische Unabhängigkeit.

In der Praxis läuft das typischerweise so ab: Die Finanzierung wird für einen mittelfristigen Zeitraum – meist fünf bis sieben Jahre – bereitgestellt, in dem jährlich Zinsen anfallen. Getilgt wird die Hauptsumme oft endfällig, also in einer Zahlung am Laufzeitende. Häufig kommt ein gewinnabhängiger Vergütungsbestandteil hinzu, sodass die Kapitalgeber am unternehmerischen Erfolg partizipieren.

Für wachstumsorientierte KMU soll das gleich mehrere Vorteile bringen. Weil Mezzaninkapital von Banken teilweise als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet wird, verbessert sich die Eigenkapitalquote – was wiederum den Zugang zu ergänzenden Bankkrediten erleichtert. Auf diese Weise ließe sich mit einer vergleichsweise überschaubaren Mezzanintranche ein deutlich größeres Gesamtfinanzierungsvolumen hebeln.

Im Unterschied zu einer klassischen Förderung ist „Wiener Wachstum“ dabei kein verlorener Zuschuss: Die vereinbarte Finanzierungssumme wird zur Gänze ausgezahlt, im Gegenzug fließt der anteilige Gewinn später an das Programm zurück.

Einordnung

Für den Standort Wien ist das Programm ein weiterer Baustein in einem Jahr der Rekorde: 2024 wurden in Wien erstmals mehr als 10.000 neue Unternehmen gegründet, 2025 folgte mit rund 11.000 Neugründungen ein weiterer Höchstwert. KMU machen 99,8 Prozent aller Wiener Betriebe aus und stellen etwa 64 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse.

Dass mit der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien ein privater Partner die Hälfte des Startkapitals trägt, ist dabei bemerkenswert – Mezzaninkapital gehört seit Jahren zum Produktportfolio des Instituts, etwa über die Raiffeisen Wien Mezzaninkapital GmbH. Mit „Wiener Wachstum“ bündelt die Stadt dieses Know-how nun mit öffentlichen Mitteln in einem gemeinsamen Vehikel.

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