Wohnwagon-Sanierung angenommen: Tiny-House-Pionier erhält zweite Chance
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Die Gläubiger der insolventen WW Wohnwagon GmbH haben dem vorgelegten Sanierungsplan zugestimmt. Bei der Tagsatzung am 3. März 2026 vor dem Landesgericht Wiener Neustadt erreichte der Plan die erforderlichen Mehrheiten und wurde gerichtlich bestätigt. Damit ist der Fortbestand des österreichischen Holzmodulhaus-Herstellers gesichert.
Details des Sanierungsplans
Der Sanierungsplan sieht eine Quote von 20 Prozent vor, zahlbar innerhalb von zwei Jahren. Die Gläubiger erhalten zunächst 5 Prozent binnen 14 Tagen nach rechtskräftiger Bestätigung des Plans. Dieser Betrag liegt bereits beim Insolvenzverwalter bereit. Die restlichen 15 Prozent werden in vier Raten ausgezahlt: jeweils 3,75 Prozent bis zum 31. Dezember 2026, 30. Juni 2027, 30. November 2027 sowie 2. März 2028.
Von 142 Gläubigern wurden Gesamtverbindlichkeiten in Höhe von rund 4,25 Millionen Euro angemeldet. Davon wurden Forderungen in Höhe von etwa 2,56 Millionen Euro anerkannt, während 1,69 Millionen Euro bestritten wurden. Das Sanierungsplanerfordernis beläuft sich damit auf rund 512.000 Euro.
Der Insolvenzverwalter bewertete den Plan als wirtschaftlich angemessen, da die errechnete Zerschlagungsquote lediglich rund 3 Prozent betragen hätte. Die Erfüllung des Sanierungsplans soll durch die zufriedenstellende Auftragslage sowie Zuschüsse der Gesellschafter gewährleistet sein. Nach Restrukturierungsmaßnahmen beschäftigt das Unternehmen derzeit noch 37 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Sanierungsverwalter bekam operative Geschäftsführung
Das im Jahr 2013 gegründete Unternehmen hatte am 10. Dezember 2025 zunächst einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung gestellt (mehr dazu hier). Dieses Verfahren sah eine gesetzliche Mindestquote von 30 Prozent vor. Am 30. Januar 2026 legte die Schuldnerin jedoch die Eigenverwaltung zurück, woraufhin der bisherige Sanierungsverwalter die operative Geschäftsführung übernahm. Die Quote wurde auf 20 Prozent reduziert, was dem gesetzlichen Mindesterfordernis eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung entspricht.
Ursachen der Insolvenz
Wohnwagon hatte seine Produktpalette über die Jahre von Tiny Houses auf modulare Massivholzhäuser bis 500 Quadratmeter erweitert. Das Unternehmen verfolgte das Ziel, mit Holzhäusern aus Naturmaterialien die Energie- und Wartungskosten gering zu halten und einen niedrigen CO2-Fußabdruck zu erreichen.
Nach eigenen Angaben wies das Unternehmen bis 2024 ein solides Wachstum und stabile Finanzen auf. Im Geschäftsjahr 2024/2025 kam es jedoch zu deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgängen. Als Hauptgründe nannte das Unternehmen die allgemeine Immobilien- und Baukrise, Gewährleistungsverpflichtungen sowie notwendige Produktanpassungen.
Plötzlicher Auftragsrückgang im vierten Quartal 2025
Eine im September 2025 erstellte Fortbestehensprognose sah zunächst noch grundsätzlich positive Aussichten. Im vierten Quartal 2025 trat jedoch ein nach Unternehmensangaben plötzlicher und unvorhersehbarer Auftragsrückgang ein. Gespräche über frisches Kapital konnten die Situation nicht stabilisieren. Die Kosten für eine notwendige Restrukturierung überstiegen schließlich die vorhandene Liquidität, sodass keine positive Fortbestehensprognose mehr erstellt werden konnte.
Nach Angaben des Unternehmens beliefen sich die Verbindlichkeiten auf rund 5,7 Millionen Euro bei etwa 228 Gläubigern. Die 44 Mitarbeiter warteten seit dem 30. November 2025 auf ihre Gehälter. An Wohnwagon sind unter anderem die Raiffeisen KMU Invest AG und Epoona über die gemeinsame WWEK Beteiligungs GmbH beteiligt, die Ende 2024 als Investoren einstiegen. Außerdem finden sich KIC InnoEnergy sowie Conda im Cap Table.

