Vermarktungsstart

OpenAI bereitet ChatGPT-Werbung „ab Ende des Monats“ in Europa vor

Sam Altman CEO of OPenAI. © World Economic Forum / Benedikt von Loebell
Sam Altman CEO of OpenAI. © World Economic Forum / Benedikt von Loebell

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Rund ein halbes Jahr nach dem US-Start hat OpenAI damit begonnen, Nutzer:innen im Europäischen Wirtschaftsraum per E-Mail über eine Änderung der Datenschutzbestimmungen zu informieren. Absender ist die OpenAI Ireland Limited mit Sitz in Dublin, die laut EU-Datenschutzrichtlinie als Verantwortliche für die Datenverarbeitung von Nutzer:innen im EWR und in der Schweiz fungiert. Zuständige Aufsichtsbehörde ist damit die irische Data Protection Commission.

Der Kern der Mitteilung: „Anzeigen können ab Ende dieses Monats in den Plänen Free und Go erscheinen.“ Ein konkretes Datum nennt OpenAI nicht. Die Tarife Plus, Pro, Enterprise, Business und Education bleiben werbefrei. Die neue Fassung der Datenschutzrichtlinie ist derzeit als Vorschau abrufbar und tritt laut OpenAI „später in diesem Monat“ in Kraft.

In der Gratis-Version sowieso, aber auch in der günstigen Bezahl-Variante „Go“ um 7,99 Euro/Monat wird es also bald Werbung zu sehen geben. Offen ist, wie gut diese aus Sicht der Werber funktioniert; in den USA etwa war ChatGPT-Werbung bisher kein durchschlagender Erfolg. Konkurrenten wie Perplexity und Anthropic (Claude) verzichten auf Werbung in den Chatbots, bei Werbekönig Google gibt es bisher keine Anzeigen in Gemini.

Zum Start kontextbasiert, nicht personalisiert

Für die EU wählt OpenAI einen gestaffelten Ansatz. Zum Start sollen Anzeigen ausdrücklich nicht personalisiert sein. Für die Auswahl herangezogen werden laut Mail und Datenschutzrichtlinie:

  • das aktuelle Thema der laufenden ChatGPT-Unterhaltung,
  • der ungefähre Standort,
  • der Gerätetyp,
  • die Tageszeit sowie die Sprache.

Ausdrücklich nicht verwendet werden zum Start frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen („Memories“). Als Rechtsgrundlage für diese generische Werbung nennt OpenAI in der Richtlinie das berechtigte Interesse nach DSGVO – anders als bei personalisierter Werbung, die auf Einwilligung gestützt wird.

Personalisierung soll in einem zweiten Schritt folgen, und zwar erst nach einer aktiven Abfrage: „Bevor wir damit beginnen, Anzeigen zu personalisieren, bitten wir Sie zunächst auszuwählen, ob Sie relevantere und personalisierte Anzeigen sehen möchten“, heißt es in der Mail. Im Hilfecenter-Artikel zu Anzeigen in ChatGPT wird das bestätigt: Personalisierte Anzeigen stehen im EWR und in der Schweiz vorerst nicht zur Verfügung.

Wer später zustimmt, für den fließen laut OpenAI zusätzlich der aktuelle Chat-Thread inklusive personalisierter Modellantworten, das eigene Interaktionsverhalten mit Anzeigen (etwa ausgeblendete oder angeklickte Ads) sowie vergangene Chats und Erinnerungen in die Auswahl ein. Die Einstellungen dazu sollen sich unter Einstellungen > Werbeeinstellungen finden; Werbedaten lassen sich dort löschen, wobei OpenAI eine Frist von bis zu 30 Tagen bis zur Entfernung von den Servern angibt.

Wo keine Werbung erscheint

Mehrere Ausschlüsse hat OpenAI festgelegt: Anzeigen sollen nicht im Umfeld sensibler oder regulierter Themen wie persönlicher Gesundheit, psychischer Gesundheit oder Politik erscheinen. Politische Werbung ist derzeit generell nicht zugelassen. Keine Anzeigen gibt es außerdem in temporären Chats, im Browser ChatGPT Atlas sowie in Konten, bei denen OpenAI von Minderjährigkeit ausgeht – ermittelt unter anderem über eine Altersschätzung, die Angaben zum Alter, Kontoalter, Nutzungszeiten und allgemeine Gesprächsthemen einbezieht.

Platziert werden die Anzeigen unterhalb einer Antwort, gekennzeichnet als „gesponsert“ und visuell abgesetzt. OpenAI betont, dass Anzeigen die Antworten des Modells nicht beeinflussen und dass Werbetreibende nur aggregierte Kennzahlen wie Aufrufe oder Klicks erhalten – keine Chats, keine Erinnerungen, keine Namen, E-Mail-Adressen, IP-Adressen oder genauen Standorte.

Welche personenbezogenen Daten OpenAI darüber hinaus erhebt

Die neue Datenschutzrichtlinie listet den Datenbestand umfassender auf, als es die Mail nahelegt. Erhoben werden unter anderem:

  • Kontoinformationen: Name, Kontaktdaten, Anmeldedaten, Geburtsdatum, Zahlungsinformationen und Transaktionsverlauf, optional Profilbild und Benutzername.
  • Nutzerinhalte: Prompts, hochgeladene Dateien, Bilder, Audio- und Videodaten sowie Daten aus verbundenen Diensten (Connectors).
  • Kontaktdaten: Wer das Adressbuch verknüpft, überträgt Daten aus den Kontakten des Geräts an OpenAI – auch von Personen, die den Dienst selbst nicht nutzen.
  • Protokoll- und Nutzungsdaten: IP-Adresse, Browsertyp, Zeitstempel, Zeitzone, Land, User Agent, genutzte Funktionen. Für Free- und Go-Nutzer:innen kommt explizit der „Werbeverlauf und Ihre Interessen“ hinzu. Bei Nutzung des In-App-Browsers können auch Browserdaten erfasst werden.
  • Geräte- und Standortinformationen: Gerätekennungen, Betriebssystem sowie der ungefähre Standort; genauere GPS-Daten nur optional.
  • Daten aus anderen Quellen: OpenAI hält in der Richtlinie fest, Informationen „von Werbetreibenden und anderen Datenpartnern“ zu erhalten – als Beispiel werden Informationen über getätigte Käufe genannt.

Verarbeitet wird all das auf Servern außerhalb des EWR, insbesondere in den USA, gestützt auf Angemessenheitsbeschlüsse beziehungsweise Standardvertragsklauseln.

Werbefrei nur mit Einschränkungen

Neben den kostenpflichtigen Abos bietet OpenAI eine werbefreie Variante des Gratis-Tarifs an. Diese ist allerdings mit niedrigeren Nutzungslimits und eingeschränktem Funktionszugang verbunden – genannt werden weniger Nachrichten pro Tag sowie fehlender Zugriff auf Tools wie Bildgenerierung oder Deep Research.

Genau dieser Punkt dürfte datenschutzrechtlich relevant werden. Der Europäische Datenschutzausschuss hatte in seiner Stellungnahme 08/2024 zu „Consent or Pay“-Modellen festgehalten, dass Plattformen eine echte, gleichwertige Alternative ohne verhaltensbasierte Werbung anbieten müssen. Ob eine Gratis-Variante mit reduzierten Limits diesem Maßstab genügt, ist offen – der Branchendienst PPC Land verweist in diesem Zusammenhang auf laufende Verfahren gegen ähnliche Modelle europäischer Medienhäuser. Zuletzt hat OpenAI jedenfalls den Gratis-Nutzern unbegrenztes Chatten mit GPT-5.6 gegeben.

Der Weg nach Europa

Der Werbetest startete am 9. Februar 2026 in den USA, gefolgt von Kanada, Australien und Neuseeland. Am 6. Juni 2026 ging ChatGPT Ads im Vereinigten Königreich live – der erste europäische Markt, allerdings außerhalb der EU-DSGVO. Laut einem Update von OpenAI vom 11. August 2026 sind Anzeigen inzwischen auch in Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea ausgerollt; weitere Märkte sollen noch heuer folgen.

Wann Werbetreibende aus Österreich und Deutschland Kampagnen buchen können, ist offen: Nutzer:innen-Rollout und Werbemarkt-Öffnung laufen bei OpenAI bislang in jedem Markt zeitversetzt. Unternehmen können sich über openai.com/advertisers für Updates registrieren.

Zweites Deutschland-Büro in Berlin

Dass OpenAI den europäischen Markt kommerziell ernster nimmt, zeigt sich auch abseits der Werbeprodukte. Nur einen Tag vor dem Versand der Datenschutz-Mails kündigte CEO Sam Altman in einem Interview mit dem Handelsblatt einen zweiten deutschen Standort an: „Wir haben beschlossen, ein zweites Büro in Deutschland zu eröffnen, und zwar in Berlin.“ Einen Eröffnungstermin, eine Adresse oder eine Teamgröße nannte er nicht – der Betrieb solle aber „ziemlich bald“ starten. Das erste deutsche Büro hatte OpenAI Anfang 2025 in München angekündigt und im Mai desselben Jahres eröffnet.

Begründet wird der Schritt mit der Bedeutung des Marktes: Deutschland ist nach Unternehmensangaben der größte europäische ChatGPT-Markt bei zahlenden Abonnent:innen und liegt weltweit unter den Top drei. Parallel warb Altman erneut für den Aufbau von Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland, konkrete Zusagen dazu gibt es weiterhin nicht.

Für den Werbemarkt ist die Standortfrage nicht nebensächlich: Als OpenAI im Mai 2026 erstmals im größeren Stil Werbe-Jobs ausschrieb, tauchten San Francisco, New York, London, Tokio, Seoul, Sydney und São Paulo auf – kontinentaleuropäische Standorte fehlten. Seit Juli baut das Unternehmen laut Branchenberichten Teams für Frankreich, Deutschland, Irland und Singapur auf. Ein Berliner Büro passt in dieses Muster: Der DACH-Raum wird vom reinen Nutzer:innen- zunehmend zum Vertriebsmarkt.

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