Umbrüche

Chinesische Autobauer holen immer mehr Marktanteile in Europa, Irankrieg als Treiber

BYD DENZA Z9GT. BYD
BYD DENZA Z9GT. BYD

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Chinesische Automarken kommen in Europa auf Anteile, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen. Von Jänner bis Juli entfielen laut einer Auswertung des Datendienstes Dataforce, die das Handelsblatt veröffentlicht hat, 8,7 Prozent der Neuzulassungen auf Hersteller aus der Volksrepublik. 2021 waren es 0,6 Prozent, gegenüber 2024 hat sich der Anteil damit fast verdreifacht. In absoluten Zahlen sind rund 780.000 Neuwagen chinesischer Marken in den ersten sieben Monaten auf europäische Straßen gekommen, also fast so viele wie im gesamten Jahr davor.

Bei Elektroautos fällt der Anteil deutlich höher aus: Dort liegen chinesische Marken europaweit bereits bei 12,6 Prozent, nach 2,1 Prozent im Jahr 2021. Volkswagen kam im damals noch kleineren E-Segment auf knapp 14 Prozent und liegt jetzt unter acht Prozent. Stellantis fiel von mehr als 14 auf rund zehn Prozent.

Wenige Marken tragen den Großteil

Dataforce zählt 19 chinesische Hersteller in Europa, fünf Marken stehen für 83 Prozent des Absatzes. BYD führt das Feld mit 217.000 Neuzulassungen bis Ende Juli und einem Marktanteil von 2,4 Prozent an, damit liegt der Konzern vor Volvo, Nissan und Tesla. Knapp dahinter folgt MG, die einst britische Marke gehört heute zum Staatskonzern SAIC. Chery kommt mit Jaecoo und Omoda auf 1,7 Prozent. Am schnellsten wächst Leapmotor, der Joint-Venture-Partner von Stellantis, was allerdings stark an Italien hängt, wo der Kleinstwagen T03 durch Herstellerrabatt und staatliche Prämie zeitweise unter 5.000 Euro kostete.

Regional sind die Unterschiede groß. In Spanien, Portugal, Italien und Griechenland liegt der Absatzanteil chinesischer Marken bei 11,4 Prozent, in Osteuropa bei 9,5 Prozent, in Skandinavien bei 7,3 Prozent. In Mitteleuropa sind es 5,1 Prozent, in Deutschland 4,1 Prozent nach 2,3 Prozent im Vorjahr. Den mit Abstand höchsten Wert erreicht Großbritannien mit knapp 16 Prozent, dort gelten keine EU-Sonderzölle auf E-Autos und es gibt keine heimischen Volumenhersteller.

Rückenwind bekommen die Neueinsteiger von der Nachfrage nach Elektroautos, die in Europa zuletzt deutlich anzog, unter anderem wegen der gestiegenen Spritpreise infolge des Irankriegs. Gleichzeitig zwingt der Preiskampf im Heimatmarkt mit mehr als 100 Anbietern die Konzerne zum Export, und die USA sind für sie faktisch verschlossen. Die Pkw-Ausfuhren aus China stiegen im August um 78 Prozent auf 894.000 Fahrzeuge, während der Inlandsabsatz den elften Monat in Folge schrumpfte.

Österreich als Beispiel: BYD auf Platz sechs

Wie sich das in einem einzelnen Markt niederschlägt, zeigt Österreich. Im August wurden hierzulande 21.788 Pkw neu zugelassen, ein Plus von 1,6 Prozent. Reine Stromer kamen auf 6.316 Stück und damit auf einen Anteil von 29 Prozent, wie electrive auf Basis der Daten von Statistik Austria berichtet.

In diesem Umfeld landete BYD mit 931 Neuzulassungen und 4,3 Prozent Marktanteil auf Rang sechs des Gesamtmarkts, hinter VW, Škoda, BMW, Audi und Mercedes. Es ist die bislang beste Monatsplatzierung der Marke in Österreich. Seit Jahresbeginn stehen 7.830 Neuzulassungen und 3,7 Prozent Marktanteil zu Buche, was Rang acht bedeutet. Damit hat BYD nach acht Monaten bereits mehr Fahrzeuge abgesetzt als im gesamten Vorjahr, das mit knapp 7.000 Einheiten und rund 75 Prozent Wachstum selbst schon ein Rekordjahr war. Insgesamt sind laut Unternehmen mehr als 20.000 BYD in Österreich unterwegs. Der Start der Marke hierzulande liegt erst gut drei Jahre zurück.

Das Unternehmen selbst hebt vor allem die Position unter den Volumenmarken hervor. „Lässt man die Premiummarken mit ihrem traditionell hohen Firmenkundenanteil außer Betracht, stehen wir im August hinter Volkswagen und Škoda erstmals am Stockerl. Und das mit einem Privatkundenanteil von fast 70 Prozent“, sagt Danijel Dzihic, Managing Director von BYD Austria. Als Grundlage nennt er das Händlernetz, das heuer auf knapp 60 Standorte wachsen soll: „Unsere HändlerpartnerInnen sind das Fundament dazu, wobei uns das etablierte Händlernetz auch von allen anderen neuen chinesischen Mitbewerbern deutlich abhebt.“

Parallel dazu lokalisiert der Hersteller Randangebote. Seit heuer ergänzt die UNIQA das Angebot um Kfz-Versicherungen, die Kund:innen direkt beim Fahrzeugkauf bei teilnehmenden Händlern abschließen können. Die Versicherung unterstützt die Betriebe dabei mit Schulungen und eigenen Ansprechpersonen.

Premium bleibt bisher außen vor

Im oberen Preissegment ist der Vorstoß bislang ausgeblieben. Die Marktanteile von Audi, BMW und Mercedes-Benz in Europa sind seit Jahren weitgehend stabil. Nio verkaufte heuer weniger als 500 Fahrzeuge in Europa, Xpeng kommt trotz deutlichen Wachstums auf einen Anteil von unter 0,3 Prozent, Zeekr bleibt unter 0,1 Prozent. Chancen rechnen Fachleute vor allem Xiaomi zu, dessen Auslandsexpansion für 2027 angekündigt ist und in Deutschland starten soll. Auch BYD will seine Premiummarke Denza dort stärker positionieren.

Wie weit der Trend trägt, ist offen. Analyst:innen der UBS erwarten, dass chinesische Hersteller ihren europäischen Marktanteil bis Ende des Jahrzehnts auf 20 Prozent ausbauen. Der Branchenexperte Matthias Schmidt hält dagegen bei vollelektrischen Fahrzeugen bei 15 Prozent eine Grenze für wahrscheinlich, weil sich die Neuankömmlinge zunehmend gegenseitig Kund:innen abnehmen und die etablierten Marken ihre Verteidigung verstärken. Renault bietet den elektrischen Twingo bereits unter 20.000 Euro an, Volkswagen will 2027 mit dem ID.1 in dieselbe Preisklasse.

Eine Rolle spielt zudem die Regulierung. Seit die EU Zölle auf E-Autos aus China erhebt, haben die Hersteller ihr Hybridangebot ausgeweitet: Hybride machen inzwischen 53 Prozent der chinesischen Zulassungen in Europa aus, 2021 waren es 15 Prozent. In Deutschland fordern deshalb erste Stimmen aus der Politik auch Zölle auf Hybridfahrzeuge.

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