Sammelverfahren

Padronus: Wiener LegalTech holte bereits 1,2 Millionen Euro an Kreditgebühren zurück

Julius Richter und Richard Eibl von Padronus. © Farbraum / Padronus
Julius Richter und Richard Eibl von Padronus. © Farbraum / Padronus

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Man kennt sie bereits von Sammelverfahren gegen Meta oder von Online-Casino-Verlusten, jetzt haben sie sich auf die Bearbeitungsgebühren der Banken gestürzt: Der Wiener Prozessfinanzierer Padronus hat nach eigenen Angaben 12.598 Kreditfälle österreichischer Bankkund:innen in der Pipeline, zuletzt kamen rund 1.000 neue Fälle pro Monat dazu. Auslöser ist eine Serie von Urteilen des Obersten Gerichtshofs (OGH) zu Kreditbearbeitungsgebühren. Die eigentliche Geschichte ist aber weniger das einzelne Urteil als die Maschinerie, die das Unternehmen dahinter aufgebaut hat.

Vom Einzelfall zum Sammelverfahren

Padronus bündelt gleichgelagerte Ansprüche und finanziert die Verfahren vor. Für Betroffene entsteht kein Kostenrisiko, im Erfolgsfall behält das Unternehmen 35 Prozent des zurückgeholten Betrags ein. Nach Unternehmensangaben wurden bislang über 1,2 Millionen Euro an Kreditnehmer:innen zurückgeholt, die Erfolgsquote in abgeschlossenen Verfahren liegt demnach bei rund 94 Prozent.

Skaliert wird das Ganze über Automatisierung: Die Fallannahme läuft weitgehend automatisiert, jeder eingereichte Kreditvertrag wird datenbasiert nach Erfolgswahrscheinlichkeit bewertet. Die durchschnittliche Durchlaufzeit sei dadurch von rund zehn Monaten auf 52 Tage gesunken, heißt es von Padronus. Auffällig ist auch das Timing: Die „Prozesslawine“ gegen österreichische Banken hatte das Unternehmen bereits vor gut zwei Jahren angekündigt, knapp ein Jahr bevor der OGH im Frühjahr des Vorjahres die Klausel der BAWAG kippte.

Die Kund:innen kommen über YouTube

Für einen Prozessfinanzierer ist die Kundenakquise der eigentliche Flaschenhals: Ohne Reichweite kein Volumen. Padronus setzt dabei stark auf eigene Bewegtbildinhalte. Auf dem YouTube-Kanal des Unternehmens erklären Videos einzelne Anspruchsgruppen, das erfolgreichste davon kommt auf rund drei Millionen Aufrufe. Dazu kommt die Markenbekanntheit aus früheren Sammelverfahren, etwa zu Glücksspielverlusten bei illegalen Online-Casinos.

Das Geschäftsmodell eines Prozessfinanzierers wie Padronus (hinter der Marke steht die Prozessfinanzallianz GmbH) läuft wie folgt: Für Klägerinnen und Kläger ist es kostenfrei, Padronus trägt das gesamte Prozesskostenrisiko. Im Erfolgsfall erhält das Unternehmen eine gesetzlich gedeckelte Erfolgsprovision von knapp unter zehn Prozent.

Um welche Gebühren es geht

Im Kern stehen Kreditbearbeitungsgebühren, die über Jahrzehnte bei praktisch allen österreichischen Banken Standard waren. „Verrechnet wurden typischerweise 1 bis 4 Prozent der Kreditsumme, teils als Prozentsatz, teils als Pauschale, oft zusätzlich zu weiteren Posten wie Bearbeitungsspesen, Schätzgebühren, Grundbuchsprüfung oder Treuhandkosten“, sagt Padronus-Co-Founder Richard Eibl.

Im Portfolio des Unternehmens am häufigsten vertreten sind laut Eibl die BAWAG, die Bank Austria und Raiffeisen. Produktseitig geht es vor allem um Wohnbau- und Hypothekarkredite, weil dort die absoluten Beträge am höchsten sind, daneben aber auch um Konsum- und Fremdwährungskredite. „Entscheidend ist nicht die Kreditart, sondern wie die Gebühr im konkreten Vertrag ausgestaltet ist“, so Eibl.

Der OGH hatte die Bearbeitungsgebühr der BAWAG in Höhe von 1,5 Prozent als gröblich benachteiligend eingestuft, unter anderem mit dem Argument, dass ein Kredit über 440.000 Euro nicht doppelt so viel Aufwand verursache wie einer über 220.000 Euro (siehe auch help.ORF.at).

Rund 4.700 Euro pro Fall im Schnitt

Die Bandbreite der Rückforderungen ist groß. „Bei einem Konsumkredit über 20.000 Euro geht es um einige hundert Euro, bei einem Wohnbaukredit über 300.000 Euro schnell um 3.000 bis 12.000 Euro“, sagt Eibl. Die vom OGH entschiedenen Fälle lagen bei 3.300 Euro (1,5 Prozent auf 220.000 Euro), 8.300 Euro und 20.850 Euro. Dazu kommen vier Prozent gesetzliche Zinsen ab dem Zahlungstag, bei einem 15 Jahre alten Kredit laut Eibl noch einmal rund 60 Prozent Aufschlag.

Im Padronus-Portfolio liegt die durchschnittliche Rückforderung nach Unternehmensangaben bei rund 4.700 Euro pro Fall. Für das laufende Jahr rechnet Eibl mit über 1.000 abgeschlossenen Fällen und damit einem Rückforderungsvolumen von rund fünf Millionen Euro für die eigenen Kund:innen.

Auch Firmenkredite, aber schwieriger

Die Rechtsprechung stützt sich auf zwei Säulen: das Transparenzgebot des Konsumentenschutzgesetzes (§ 6 Abs 3 KSchG), das nur für Verbraucher:innen gilt, und das Verbot gröblich benachteiligender Klauseln (§ 879 Abs 3 ABGB), das grundsätzlich auch für Unternehmer:innen greift. „Für Firmenkredite ist die Durchsetzung also möglich, aber anspruchsvoller“, sagt Eibl. Padronus finanziere auch Verfahren zu Unternehmerkrediten.

Der adressierbare Markt

Wie groß das Feld insgesamt ist, lässt sich nur schätzen. Das aushaftende Kreditvolumen der privaten Haushalte in Österreich liegt bei rund 186 Milliarden Euro, davon etwa 130 Milliarden Euro Wohnbaukredite. Da Rückforderungsansprüche nach der Rechtsauffassung von Padronus 30 Jahre lang geltend gemacht werden können, kommen auch Verträge bis zurück in die späten 1990er-Jahre infrage. Eibl geht von rund einer Million betroffener Kreditnehmer:innen und einem Rückforderungspotenzial von über fünf Milliarden Euro aus. „Realistisch wird nur ein Teil davon tatsächlich geltend gemacht, viele wissen nichts von ihrem Anspruch oder haben die Unterlagen nicht mehr“, schränkt er ein.

Wer hinter Padronus steckt

Padronus wurde 2018 in Wien von Richard Eibl und Julius Richter gegründet, die das Unternehmen gemeinsam führen. Eibl, Jahrgang 1995, studierte unter anderem Management Science in London und Europäisches Wirtschaftsrecht in Wien. Bereits davor baute er mit Mietheld eine Prozessfinanzierung im österreichischen Mietrecht auf.

Padronus versteht sich als Prozessfinanzierer für Verbraucheransprüche in Österreich und Deutschland und hat nach eigenen Angaben bislang über 10.000 Fälle finanziert und Forderungen von mehr als 500 Millionen Euro eingebracht. Zu den bekanntesten Verfahren zählen die Rückforderung von Glücksspielverlusten bei illegalen Online-Casinos, Urteile zu Lootboxen gegen Sony und Valve sowie Klagen rund um Datenschutz und Energiekosten. Auch bei der Verbandsklage gegen Meta, die in Wien stattfinden soll, ist das Unternehmen involviert.

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