Das sind Europas wachstumsstärkste Unternehmen an der Börse
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Ein akademisches Ranking sortiert Europas börsennotierte Unternehmen kürzlich neu: Die European Growth Leaders 2026 listen jene 100 Firmen aus der EU-27, die zwischen den Geschäftsjahren 2022 und 2025 beim Umsatz, beim Nettogewinn und bei der Aktienrendite gleichzeitig am stärksten zugelegt haben. An der Spitze steht mit dem polnischen Medizintechnikunternehmen Synektik ein Name, der außerhalb Warschaus wenig bekannt ist. Erstellt hat die Liste eine Forschungsstelle der SKEMA Business School, die dafür Finanzdaten der London Stock Exchange Group ausgewertet hat.
Die Top 20 im Überblick
Durch Punktegleichstände umfassen die ersten 20 Ränge 21 Unternehmen.
| Rang | Unternehmen | Land | Sektor | Umsatz | Nettogewinn | Aktienrendite |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Synektik | Polen | Healthcare | +364 % | +1.028 % | +875 % |
| 2 | Newag | Polen | Industrials | +176 % | +1.640 % | +641 % |
| 3 | NewPrinces | Italien | Consumer non-cyc. | +299 % | +5.928 % | +346 % |
| 4 | Rainbow Tours | Polen | Consumer cyc. | +112 % | +1.242 % | +856 % |
| 5 | Rosetti Marino | Italien | Energy | +148 % | +695 % | +731 % |
| 6 | Končar D&ST | Kroatien | Industrials | +101 % | +509 % | +1.152 % |
| 7 | Zinzino | Schweden | Consumer cyc. | +141 % | +394 % | +579 % |
| 8 | Benefit Systems | Polen | Industrials | +164 % | +360 % | +409 % |
| 9 | Dalekovod | Kroatien | Industrials | +104 % | +1.466 % | +268 % |
| 10 | Campine | Belgien | Basic Materials | +141 % | +258 % | +409 % |
| 11 | Grenergy Renovables | Spanien | Utilities | +531 % | +746 % | +211 % |
| 12 | Shelly Group | Bulgarien | Technology | +220 % | +181 % | +450 % |
| 13 | Končar Group | Kroatien | Industrials | +88 % | +325 % | +527 % |
| 14 | Dynavox Group | Schweden | Technology | +109 % | +251 % | +379 % |
| 15 | Italian Exhibition Group | Italien | Industrials | +66 % | +3.883 % | +277 % |
| 16 | Cyber_Folks | Polen | Technology | +143 % | +193 % | +355 % |
| 17 | Friedrich Vorwerk Group | Deutschland | Industrials | +91 % | +405 % | +279 % |
| 17 | ANY Biztonsági Nyomda | Ungarn | Industrials | +73 % | +295 % | +485 % |
| 19 | Saab | Schweden | Industrials | +94 % | +197 % | +434 % |
| 20 | Maire | Italien | Industrials | +103 % | +190 % | +367 % |
| 20 | Kri-Kri Milk Industry | Griechenland | Consumer non-cyc. | +91 % | +974 % | +229 % |
Was die Nummer eins macht
Synektik ist ein Warschauer Healthtech-Konzern mit vier Standbeinen: Operationsrobotik, Bildgebung, Nuklearmedizin und Medizin-IT. Das größte Geschäft ist der Vertrieb der da-Vinci-Operationsroboter von Intuitive in Polen, Tschechien und der Slowakei, wo bis zuletzt rund 142 Systeme installiert wurden, dazu kommt die Bronchoskopie-Plattform Ion. Parallel produziert das Unternehmen in drei eigenen Zyklotron-Anlagen PET-Radiopharmaka für die Krebsdiagnostik und entwickelt eigene Software für Bildarchivierung und Strahlendosis-Monitoring.
Getragen wird das Wachstum von einem Mix aus Geräteverkäufen und wiederkehrenden Erlösen aus Wartung, Verbrauchsmaterial und Service. Zuletzt expandierte Synektik ins Baltikum und in die Ukraine. In der aktuellen Neunmonatsbilanz stehen 733,4 Millionen Zloty Umsatz und 138 Millionen Zloty Nettogewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen, umgerechnet rund 173 beziehungsweise 32 Millionen Euro.
Schweden stellt die meisten Unternehmen
Über die volle Liste von 100 Unternehmen gerechnet, führt Schweden mit 17 Nennungen, darunter der Rüstungskonzern Saab, der Elektronikfertiger Hanza und der Wehrtechnikspezialist MilDef. Dahinter folgen Deutschland mit 15 und Polen mit 14 Unternehmen.
| Land | Unternehmen in den Top 100 |
|---|---|
| Schweden | 17 |
| Deutschland | 15 |
| Polen | 14 |
| Italien | 10 |
| Spanien | 10 |
| Belgien | 6 |
| Kroatien | 6 |
| Frankreich | 5 |
| Dänemark | 4 |
| Österreich | 3 |
| Finnland | 2 |
| Niederlande | 2 |
| Bulgarien, Griechenland, Portugal, Rumänien, Tschechien, Ungarn | je 1 |
In der Spitzengruppe verschiebt sich das Bild: Unter den ersten 21 Platzierungen kommen fünf Unternehmen aus Polen, vier aus Italien sowie je drei aus Kroatien und Schweden. Deutschland ist dort mit Friedrich Vorwerk nur einmal vertreten, Österreich gar nicht.
Österreich mit drei Vertretern
Aus Österreich schaffen es drei Unternehmen in die Top 100: der Airline-Caterer DO & CO auf Rang 31 mit 226 Prozent Umsatzplus, der Leitsystemhersteller Frequentis auf Rang 84 und der Flughafen Wien auf Rang 86. DO & CO ist damit das bestplatzierte heimische Unternehmen und liegt vor Konzernen wie Rheinmetall (57), SAP (89) oder Inditex (94).
Was die Liste über Europas Wachstum sagt
Auffällig ist die Sektorverteilung. Industrials dominieren die Liste deutlich, gefolgt von Technology und Healthcare. Unter den Industriewerten häufen sich Firmen aus dem Verteidigungs-, Energieinfrastruktur- und Bahnsektor: Saab, Rheinmetall, MilDef, Invisio, Leonardo, Friedrich Vorwerk, Newag, Končar und Dalekovod profitieren allesamt von Investitionszyklen, die seit 2022 stark angezogen haben.
Ebenso deutlich ist die geografische Verschiebung nach Osten und in kleinere Märkte. Polen, Kroatien, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Tschechien stellen gemeinsam 24 Unternehmen, mehr als Deutschland und Frankreich zusammen. Mehrere davon sind Small Caps mit Börsenwerten im dreistelligen Millionenbereich, bei denen prozentuale Zuwächse naturgemäß größer ausfallen als bei etablierten Blue Chips. Große Namen wie SAP, Inditex, Prysmian, ACS oder Leonardo finden sich am unteren Ende der Liste wieder, weil sie zwar solide, aber im Verhältnis moderater gewachsen sind.
Für eine Bewertung europäischer Wachstumsdynamik bleibt die Liste damit ein Ausschnitt mit klaren Regeln, der einen Teil des Bildes zeigt: jene börsennotierten Unternehmen, die über vier Geschäftsjahre hinweg gleichzeitig beim Umsatz, beim Gewinn und am Kapitalmarkt zugelegt haben.
Wer hinter dem Ranking steht
Verantwortlich ist das Growth Leaders Observatory, eine nach eigenen Angaben unabhängige, akademische und nicht-kommerzielle Einrichtung. Geleitet wird das Projekt von Francesco Castellaneta, Full Professor für Strategy and Entrepreneurship an der SKEMA Business School, die zur Université Côte d’Azur (GREDEG) gehört. Im wissenschaftlichen Beirat sitzen Diego Zunino, Dean of Research an der SKEMA, und Jackie Krafft, CNRS-Forschungsdirektorin und Leiterin des GREDEG.
Die Finanzdaten kommen über eine Forschungsvereinbarung aus dem LSEG Workspace der London Stock Exchange Group. Geliefert werden dabei ausschließlich standardisierte Felder: Umsatz, Nettogewinn, Marktkapitalisierung, Aktienkurs, Gesamtrendite und einfache Emittentendaten. Die Berechnung selbst erfolgt laut Observatory unabhängig nach eigenen Regeln.
Die Methode: drei Kennzahlen, gleich gewichtet
Die Methodik läuft in vier Schritten ab:
- Universum: Ausgangspunkt sind aktive Primärnotierungen operativer Unternehmen aus der EU-27. Finanzwerte und Immobilien bleiben ausgeschlossen. Dazu kommen Mindestkriterien bei Börsenalter, Rechnungslegung, Aktienkurs und Unternehmensgröße. Gescreent wurden auf diesem Weg 1.572 Notierungen.
- Wachstumsfilter: Der Umsatz muss gestiegen sein, der Nettogewinn muss sowohl 2022 als auch 2025 positiv sein und ebenfalls zugelegt haben, und die Aktienrendite über den Zeitraum muss positiv ausfallen. 316 Unternehmen erfüllten sämtliche Bedingungen.
- Bewertung: Jedes verbliebene Unternehmen wird dreimal separat gereiht, nach Umsatzwachstum, nach Nettogewinnwachstum und nach Gesamtrendite der Aktie inklusive Dividenden. Die drei Rangzahlen werden addiert, die niedrigste Summe gewinnt. Alle drei Kennzahlen zählen damit gleich viel, was ausgewogene Performer:innen gegenüber Firmen begünstigt, die nur in einer Dimension herausragen.
- Eingefrorener Jahresstand: Betrachtet wird der Zeitraum FY2022 bis FY2025. Einmal veröffentlicht, bleiben Zusammensetzung und Reihung für die Ausgabe unverändert.
Das Observatory nennt die Grenzen des Ansatzes selbst. Gemessen werden nur Anfangs- und Endpunkt, der Verlauf dazwischen bleibt unberücksichtigt. Das Geschäftsjahr 2022 war nach Pandemie und Energiepreisschock eine ungewöhnliche Basis, weshalb ein Teil der Zuwächse eher Erholung als neue Dynamik abbildet. Und die Auswahl ist eine Kohorte von Gewinner:innen, keine repräsentative Stichprobe der europäischen Wirtschaft. Ausdrücklich handelt es sich um eine rückblickende Analyse und nicht um eine Anlageempfehlung.
Einen Hinweis gibt es auch zum Einsatz von KI: Die redaktionellen Unternehmensprofile auf der Website wurden mit KI-Unterstützung aus verlinkten öffentlichen Quellen erstellt. Für Auswahl, Scoring und Reihung wurde nach Angaben der Betreiber:innen keine KI eingesetzt.

