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Daytrading: Der Weg zum schnellen Geld oder schnellen Ruin?

© Adam Nowakowski on Unsplash
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Martin Fiedler ist Gründer und Inhaber von FINANZSACHE, einem Wissens-Portal für Finanzthemen. In diesem Beitrag beschäftigt er sich mit der Frage, wie und ob man auf Daytrading setzen sollte.

Nicht erst seit dem Aufkommen von TikTok hat aktives Investieren in Form von Daytrading diverser Assets wie Devisen, Aktien oder Kryptowährungen starken Aufwind bekommen. Recherchiert man das Thema online, kann man schnell den Eindruck bekommen, als würde es sich dabei um eine einfache Möglichkeit handeln, schnell zu Geld zu kommen. Doch stimmt das eigentlich?

Daytrading – Die Faszination des kurzfristigen Handels

Seit Beginn der Coronapandemie hat Daytrading (wieder) einen Aufschwung bekommen, da viele Menschen eine Möglichkeit gesucht haben, schnell zu Geld zu kommen. Vermeintlich profitable Handelsstrategien zu einzelnen Aktien, Forex oder auch Bitcoin wurden sozialen Netzwerken entnommen. Jung und Alt haben plötzlich begonnen, mit Derivaten wie CFDs oder Futures zu handeln.

Die Faszination dabei ist durchaus nachvollziehbar: Im Gegensatz zum langwierigen Investieren verspricht der schnelle Handel auch dementsprechend schnelle Profite. Einen entscheidenden Beitrag dazu leisten auch angeblich profitable Trader, die sich auf Social Media vorzugsweise im Lamborghini oder Porsche vor einer Villa präsentieren.

„Wenn es für die funktioniert, muss es doch auch für mich funktionieren, oder?“, denkt man sich in solchen Fällen schon mal.

Wie bei allem gibt es eine Theorie und eine Praxis. Und die Theorie sieht dabei meistens sehr viel einfacher als die Praxis aus. Was auch in diesem Fall der Realität entspricht.

Was ist der Unterschied zwischen Trading, Daytrading und Investieren?

„Trading“ ist eine Art Überbegriff für diverse Spielarten des kurzfristigen Handels. Dazu gehört beispielsweise das Daytrading (Intradayhandel), also Handel, bei dem Positionen maximal einen Tag lang offen sind, das Swing-Trading, bei dem Positionen einige Tage bis einige Wochen lang offen sein können oder auch das Position-Trading, wo sich die Haltedauer bis auf mehrere Jahre ausweiten kann.

Unter Investieren dagegen versteht man im Sprachgebrauch eine eher langfristige Geldanlage aufgrund bestimmter, fundamentaler Merkmale.

Wobei wir schon bei einer weiteren Unterscheidung zum Trading sind. Denn nicht nur die Dauer kann das Investieren und Trading voneinander unterscheiden, sondern auch die grundlegende Herangehensweise. Spielen beim Investieren fundamentale Kennzahlen und Bewertungen eine Rolle, welche etwas über den inhärenten Wert eines Assets (Aktie, Rohstoff, Kryptowährung, …) aussagen können, legen Daytrader auf fundamentale Aussagen zu einem Finanzprodukt keinen oder kaum einen Wert. Im Vordergrund steht die technische Analyse, wie beispielsweise Chartmuster.

Das hat Vorteile, aber auch Nachteile.

Die Vorteile sind, dass man in jeder Marktphase Geld verdienen kann und man beispielsweise nicht vom langfristigem Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens abhängig ist. Die Nachteile sind, dass Daytrading eine hohe Emotionskontrolle und Selbstbeherrschung erfordert und es eine sehr steile Lernkurve gibt, welche nur von wenigen erfolgreich gemeistert wird.

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Kann Daytrading überhaupt funktionieren? Von technischer Analyse, Chartmustern und Glaskugeln.

Die Theorie beim Trading ist simpel: Beobachte den Chart und die sich daraus ergebenden Chartmustern oder nutze andere technische Indikatoren und kaufe und verkaufe bei den entsprechenden Signalen, die sich daraus ergeben.

Wenn Anfänger:innen ins Daytrading einsteigen, stellen sie jedoch meist folgendes fest: Irgendwie tut der Markt immer genau das Gegenteil von dem, was man gedacht hat, dass er tut.

Heißt es nun, dass Daytrading überhaupt nicht funktioniert? So einfach ist es dann auch nicht. Wahr ist, dass es für einen Großteil der Trader langfristig nicht funktioniert, was sich auch in den Daten widerspiegelt. Beispielsweise müssen CFD-Broker Daten zum prozentualen Verlust von privaten Accounts herausgeben. Die Quote liegt hier im Schnitt etwa bei 75 Prozent. Je nach Anbieter etwas darüber oder auch darunter.

Woran liegt das?

Es ist grundsätzlich so, dass ein vollständiges Chartmuster nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintrifft. Kritiker:innen würden hier von Glaskugeln oder Kaffeesud-Leserei sprechen. Andere wiederum würden hier die Notwendigkeit eines guten Risikomanagements ins Spiel bringen.

Jedoch ist Risikomanagement alleine nicht alles. Ein ebenso großer Faktor sind Emotionen. Einsteiger:innen handeln meisten überaus emotional, anstatt der vorher festgelegten Strategie zu folgen. Das fängt beispielsweise schon bei der Kapitalhöhe pro Trade an. Da jeder Trade mit einem gewissen Risiko einhergeht, ist es beispielsweise nicht zu empfehlen, je nach scheinbar „guter Chance“ plötzlich weit über das zuvor festgelegte Limit zu gehen oder den beliebig Hebel hoch anzupassen. Genau das führt meistens zu den zahlreichen Geschichten, welche sich folgendermaßen anhören: „Erst lief über Wochen alles super. Endlich war ich profitabel. Doch dann kam dieser eine Trade und alles war wieder weg“.

Technische Analyse (bei der Chartmuster ein Teil davon sind), ist in der Praxis also relativ komplex und man ist in der Regel nicht nach ein paar wenigen YouTube-Videos bereits erfolgreich.

Fazit: Ist Daytrading nun Glücksspiel oder seriöser Börsenhandel?

Als Fazit kann man ziehen, dass Daytrading für viele Marktteilnehmer zwar einem Glücksspiel gleicht, es aber kein inhärentes Merkmal von kurzfristigem Handel ist. Es kommt auf den Handelnden an. Auch langfristig orientierten Handel kann man entweder strategisch oder als Glücksspiel ausführen: Wenn ich eine bestimmte Aktie oder einen bestimmten Fonds nur aus einer Laune heraus kaufe, ohne mich näher damit zu beschäftigen, kann sich mein investiertes Kapital nach zehn Jahren entweder vermehrt haben oder weniger geworden sein. Von einer echten Strategie ist das allerdings weit entfernt. Ähnlich verhält es sich beim Trading.

Daytrading kann also funktionieren, das ist völlig unbestritten. Es ist jedoch mit mehr Risiken verbunden, als es oft dargestellt wird und erfordert hohen Zeitaufwand. Ein Nebenjob, bei dem auf die Schnelle etwas Geld verdient werden kann, ist es auf jeden Fall nicht.

Disclaimer: Die Informationen in diesem Text stellen keine Anlageberatung, Steuerberatung, keine Kaufempfehlung und keine keine Empfehlung für eine Anlagestrategie dar. Dafür wende dich an deine:n Berater:in deines Vertrauens.

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