Hintergrund

„Die Hummer züchten“: Das OpenClaw-Fieber hat China voll erfasst

QClaw. © Tencent / Canva
QClaw. © Tencent / Canva

Perplexity hat seine Version von OpenClaw jüngst vorgestellt, Nvidia wird nachgesagt, eine zu bauen, OpenAI und Meta sowieso. Aber nicht nur im Westen, sondern auch im Osten greift der OpenClaw-Virus um sich. Der KI-Agent, der rund um die Uhr automatisiert Aufgaben erledigen kann, verbreitet sich rasant im chinesischen Tech-Ökosystem. Lokale Regierungen locken mit Millionensubventionen, Tech-Gigant Tencent springt auf den Zug auf, und auf den Straßen bilden sich Warteschlangen von Menschen, die das Tool installieren wollen.

Was ist OpenClaw?

OpenClaw unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Chatbots. Statt nur Fragen zu beantworten, handelt es sich um einen permanenten digitalen Assistenten, der eigenständig Software bedienen, Dateien verwalten, Workflows ausführen und im Hintergrund arbeiten kann. Der Schöpfer Peter Steinberger, ein österreichischer Entwickler, wechselte kürzlich zu OpenAI, um an der nächsten Generation persönlicher KI-Agenten zu arbeiten.

In China hat sich für den Einsatz von OpenClaw-Agenten der Spitzname „die Hummer züchten“ etabliert. Das Tool kann in verschiedene Apps integriert werden und Aufgaben wie Terminplanung, Überwachung oder die Erstellung von KI-Mitarbeitern automatisieren. OpenClaw ist auch nach dem Wechsel von Gründer Peter Steinberger Open Source, und das passt natürlich zu der großen Open-Source-Bewegung in China. Dort haben Startups wie Zhipu AI (GLM-5), Moonshot AI (Kimi K2.5), DeepSeek oder MiniMax mittlerweile führende Open-Source-KI-Modelle auf den Markt gebracht. Diese bieten sich natürlich dafür an, bei OpenClaw angestöpselt zu werden.

Städte werben mit massiven Förderungen

Chinesische Kommunen überbieten sich gegenseitig mit Anreizen für OpenClaw-Entwickler, wie Business Insider berichtet. Die Hightech-Zone von Wuxi in Ostchina kündigte in einem Entwurf Maßnahmen zur Förderung von Startups und Entwicklern an.

Wuxi: Bis zu 720.000 Dollar für Durchbrüche

Die Stadt bietet gestaffelte Belohnungen an:

  • Projekte für industrielle KI-Anwendungen (etwa vorausschauende Wartung oder Qualitätskontrolle): 500.000 Yuan (72.000 Dollar)
  • Durchbrüche in Robotik oder verkörperter KI: bis zu 5 Millionen Yuan (720.000 Dollar)
  • Kostenlose Büroräume für bis zu drei Jahre
  • Lebenshaltungszuschüsse für herausragende Beitragende zur OpenClaw-Community, die erstmals ein Unternehmen gründen

Shenzhen: Unterstützung für Ein-Personen-Startups

Der Longgang-Bezirk in Shenzhen, ein wichtiger Tech-Hub in Südchina, veröffentlichte einen ähnlichen Entwurf mit Subventionen von bis zu 2 Millionen Yuan (290.000 Dollar). Das Angebot umfasst:

  • Förderung für Projekte, die Code zu internationalen Communities beitragen
  • Unterstützung für die Entwicklung von Skill-Paketen für Shenzhen-relevante Industrien
  • Bis zu zwei Monate kostenlose Unterkunft für neu registrierte Ein-Personen-Startups
  • 18 Monate vergünstigte Büroflächen nach dem System „ein Schreibtisch, ein Büro, eine Etage“
  • Ansiedlungszuschüsse von bis zu 100.000 Yuan für junge Talente

QClaw: Tech-Riese Tencent springt auf den Zug auf

Während unter den Tech-Größen aus China aktuell vor allem Alibaba (Qwen-Modelle) und ByteDance (Video-KI) bei KI-Modellen führend sind, hat sich Tencent (vor allem bekannt für WeChat und QQ mit enormer Nutzerschaft) nun auf den KI-Zug gesetzt und sich dem Thema OpenClaw angenommen. Alleine die Gerüchte über eine eigene Version namens QClaw und das Entfleuchen einer internen Testversion von QClaw in chinesischen Tech-Communities (Einladungscodes werden auf Sekundärmärkten gehandelt) sorgte für einen derartigen Hype, dass der Aktienkurs von Tencent am Dienstag um 10 Prozent hochschoss.

Dabei ist QClaw noch gar kein fertiges Produkt, sondern immer noch in einer Closed Beta unterwegs. Trotzdem kam es dazu, dass Tencent-Mitarbeiter Menschen bei Pop-up-Ständen halfen, ihre eigenen KI-Agenten zu installieren:

QClaw basiert auf dem OpenClaw-Framework, löst aber ein entscheidendes Problem: Es kann sich mit WeChat verbinden. In China läuft das digitale Leben über WeChat (Arbeitsnachrichten, Zahlungen, Communities, Kundenservice). Eine KI-Anbindung an E-Mail oder Slack ist nützlich, eine Anbindung an WeChat macht für viele den KI-Agenten plötzlich direkt nutzbar und greifbar. Das Team hinter QClaw besteht angeblich aus nur sechs Personen. Die Produktleitung hat Shuyu Zhang, eine 26-jährige Geisteswissenschaftlerin.

Massenphänomen und Sicherheitsbedenken

Vor der Tencent-Zentrale in Shenzhen bildete sich kürzlich eine Warteschlange von fast tausend Menschen, die auf kostenlose Installationshilfe durch Ingenieure warteten. Auf RedNote kursieren Posts von Nutzern, die kostenpflichtige Installationsdienste anbieten. Ein Nutzer berichtete, dass manche Installateure in wenigen Tagen bis zu 260.000 Yuan (36.000 Dollar) verdient hätten.

Die rasante Verbreitung hat auch Bedenken ausgelöst. Chinas National Vulnerability Database, betrieben vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, warnte Anfang Februar vor potenziellen Sicherheitsrisiken. Unsachgemäß konfigurierte OpenClaw-Installationen könnten Nutzer Cyber-Angriffen und Datenlecks aussetzen. Wie bereits berichtet, weist China die mit Abstand die größte Anzahl exponierter OpenClaw-Instanzen auf.

Das geht mittlerweile so weit, dass es nicht nur Menschen gibt, die anderen gegen Gebühr dabei helfen, OpenClaw zu installieren, sondern auch welche, die das Gegenteil anbieten. So finden sich bereits kostenpflichtige OpenClaw-Deinstallationsdienste auf chinesischen Secondhand-Marktplätzen wie Xianyu, einer Wiederverkaufsplattform des chinesischen Technologieriesen Alibaba. Einige bieten dabei auch an, nach dem Löschen der Software übrig gebliebene Dateien und Viren zu entfernen.

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