Emerald Horizon will im Juni zu Bewertung von 790 Millionen Euro an die Wiener Börse
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Das Grazer Deep-Tech-Unternehmen Emerald Horizon AG, das an Thorium-basierten Mini-Atomkraftwerken arbeitet, bereitet sich auf einen Börsengang an der Wiener Börse vor. Wie es aus dem Unternehmen heißt, plant es ein Listing über Xetra mit einem indikativen Starttermin am 10. Juni 2026. Die finale Umsetzung steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.
Bewertung, Free Float und Marktstruktur
Emerald Horizon strebt beim IPO eine Bewertung von rund 790 Millionen Euro an (760,19 Euro je Share). Der Free Float soll einen Marktwert von etwa 200 Millionen Euro erreichen. Zur Sicherstellung der Liquidität sollen drei Market Maker das Listing begleiten, flankiert von Research Coverage und einem internationalen Marketing-Programm. Das angepeilte tägliche Handelsvolumen liegt bei über 500.000 Euro.
Mit der Notiz am Standort Wien setzt das Unternehmen ein bewusstes Zeichen gegen den Trend, dass europäische Tech-Firmen ihren Börsengang in den USA suchen. Eine US-Tochter sondiert bereits den nordamerikanischen Markt, ein späteres Zweit-Listing in den Vereinigten Staaten könnte Teil der langfristigen Strategie sein, um mehr globale Kapitalgeber zu erreichen.
Mit einer Bewertung von 790 Millionen Euro wäre Emerald Horizon deutlich größer als der letzte Börsengang in Österreich aus dem Innovationsumfeld. So hat Reploid, das auf die Insektenzucht spezialisiert ist, aktuell eine Bewertung von 187 Mio. Euro.
SMR-Technologie und Geschäftsmodell
Emerald Horizon entwickelt unter der Marke „SMR X“ (früher ADES) Small Modular Reactors der nächsten Generation in Kombination mit integrierter Energiespeicher-Infrastruktur. Ziel sind skalierbare, CO2-arme Grundlastsysteme. SMRs gelten als kompaktere, modular fertigbare Alternative zu klassischen Großreaktoren und stehen aktuell im Zentrum europäischer und US-amerikanischer Energiepolitik. Zuletzt hat die EU eine eigene Förderung für SMRs ausgegeben (mehr dazu hier).
Das Geschäftsmodell setzt auf „Energy-as-a-Service“: Kunden leisten keine Vorabinvestitionen, sondern zahlen monatlich für gelieferte Energie über Contracting-Modelle. Das Technologierisiko und die Vorfinanzierung verbleiben beim Unternehmen – ein kapitalintensiver Ansatz, der laut Emerald Horizon der primäre Treiber für den Börsengang ist.
Als Partner nennt das Unternehmen die niederländische VDL Gruppe (diese ist wiederum Zulieferer von ASML) sowie akademische Kooperationen mit der TU Graz. Zu den erklärten Zielen gehört, Europas Abhängigkeit von Energieimporten aus China, Russland und den USA zu verringern.
Mitgründer Pölzl: Zehn-Jahres-Plan vorgezogen
Mitgründer und Vice President Operations Philipp Pölzl erklärte in der unternehmenseigenen Podcast-Folge „Energy. Everywhere.“, dass der ursprünglich für zehn Jahre angelegte Plan deutlich vorgezogen wurde. Als Gründe nennt er die geopolitische Lage und die daraus resultierende Notwendigkeit energetischer Unabhängigkeit, schneller als erwartete Fortschritte bei den eigenen Speichertechnologien und Energiegeneratoren sowie das politische Momentum für SMR-Technologien, einschließlich Förderzusagen der EU-Kommission.
„Wir wollen zeigen, dass man auch von hier aus ein innovatives Unternehmen groß machen und eine österreichische Erfolgsstory werden kann“, so Pölzl. Den Tag des Börsengangs bezeichnet er nicht als Abschluss, sondern als „eigentlichen Startschuss“ für die Arbeit als börsennotiertes Unternehmen.
IPO-Umfeld: SpaceX als Taktgeber, SMR-Aktien volatil
Der Emerald-Horizon-IPO fällt in ein außergewöhnlich aufgeladenes Marktumfeld. SpaceX zielt auf einen Nasdaq-IPO am 12. Juni 2026 unter dem Ticker SPCX und will dabei bis zu 75 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar einnehmen – es wäre der größte Börsengang der Geschichte. Der Prospekt soll noch diese Woche veröffentlicht werden, die Roadshow am 4. Juni starten und das Pricing am 11. Juni erfolgen.
Beobachter weisen darauf hin, dass eine derart große Emission Liquidität aus anderen Marktsegmenten abziehen könnte. MSCI warnte bereits in einer Szenarioanalyse, dass Megacap-IPOs 2026 milliardenschwere passive Kapitalströme umlenken und Liquidität aus anderen Märkten abziehen könnten.
Bei den bereits notierten SMR-Aktien zeigt sich ein gemischtes Bild nach einer extremen Rallye. NuScale Power ist seit Anfang 2024 um mehr als 400 Prozent gestiegen, Oklo um nahezu 600 Prozent – auf dem Höhepunkt 2025 lagen beide Aktien zeitweise mehr als 1.000 Prozent im Plus. Im Jahr 2026 haben beide Titel rund 20 Prozent korrigiert, was die Volatilität des Segments unterstreicht.
NuScale kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 3,9 Milliarden US-Dollar bei einem geschätzten 19-fachen des 2027er-Umsatzes, Oklo auf rund 9,7 Milliarden US-Dollar – mit einem über 600-fachen Multiplikator des projizierten 2027er-Umsatzes. Beide Unternehmen haben bislang keinen kommerziellen Reaktor in Betrieb, was die Bewertungen primär als Wetten auf künftige Umsätze qualifiziert.
SMRs stehen wegen KI-Rechenzentren hoch im Kurs
SMRs sind auch wegen einer unübersehbaren Entwicklung spannend: KI-Rechenzentren im Gigawatt-Bereich. Diese sollen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa entstehen, und werfen die Frage auf, woher sie für den Betrieb stabile Stromversorgung bekommen sollen. Größen wie Meta, Microsoft oder Amazon setzen künftig dafür auf SMRs, die direkt neben die KI-Rechenzentren gebaut werden sollen. Gut möglich, dass auch die Grazer auf diesen wachsenden Markt abzielen.
Für Emerald Horizon bedeutet das Umfeld zweierlei: einerseits hohes Investoreninteresse an SMR-Themen mit politischem Rückenwind, andererseits ein anspruchsvolles Vergleichsuniversum, in dem die Bewertungsdisziplin der Marktteilnehmer zuletzt schwankte. Ob der angestrebte Wiener Listing-Termin am 10. Juni – zwei Tage vor dem geplanten SpaceX-Debüt – tatsächlich gehalten werden kann, hängt nicht zuletzt von der finalen regulatorischen Freigabe und der Aufnahmebereitschaft institutioneller Anleger ab.

