Umfrage

Handelsverband: Händler:innen fürchten Umsatzeinbrüche durch Ukraine-Krieg

Rainer Will ist Geschäftsführer vom Handelsverband. © Handelsverband
Rainer Will ist Geschäftsführer vom Handelsverband. © Handelsverband

Seit mehr als zwei Jahren befindet sich der heimische Handel in der Corona-Krise. Wirkten sich die wiederholten Lockdowns besonders zu Anfang schwerwiegend auf die Umsätze aus, gab es im Jahr 2021 allerdings wieder eine Erholung. Doch gerade jetzt, wo sich die Umsätze und auch die Beschäftigtenzahlen langsam wieder auf Vorkrisenniveau bewegen, könnte der Ukraine-Krieg dem einen massiven Strich durch die Rechnung machen. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Handelsverbands, die er im Rahmen einer Jahresanalyse gemeinsam mit der KMU Forschung Austria durchgeführt hat. Am Donnerstag präsentierte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will mit Wolfgang Ziniel, Projektleiter KMU Forschung Austria, die Ergebnisse.

„Ukraine-Krise zeigt bereits erste Wirkungen“

„Aktuell sehen wir bei dem Umsätzen wieder schlechte Tendenzen. Das liegt unter anderem noch immer an der Omikron-Welle und der steigenden Inflation, aber die Ukraine-Krise zeigt auch erste Wirkungen und lässt den Konsum zurückfallen“, so Rainer Will. Apropos Inflation: Diese war schon vor der Ukraine-Krise hoch, doch jetzt steigt sie noch stärker an (Trending Topics berichtete). Um etwa vier Prozent ist der Umsatz im österreichischen Handel im Februar zurückgegangen, ergab eine Blitzumfrage unter 160 Handelsverband-Mitgliedern.

Laut der Erhebung haben nur etwa neun Prozent der österreichischen Handelsbetriebe Geschäfte in der Ukraine. Jedoch haben 21 Prozent wichtige Lieferanten in der Ukraine oder in Russland. Grundsätzlich fühlen sich zwei Drittel der Firmen nicht direkt von der Krise betroffen, aber die Hälfte erwartet in den kommenden Wochen und Monaten deswegen Kostensteigerungen und Lieferverzögerungen.

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65 Prozent fürchten negative Folgen über Jahre hinweg

17 Prozent der Befragten sehen jetzt schon Verteuerungen bei Produkten wie Speiseöl oder Weizen. Das verwundert laut Will nicht, ist die Ukraine doch die „Kornkammer Europas“. Bei 13 Prozent der Handelsbetriebe gibt es bereits Lieferengpässe und Verzögerungen. Die Befragten rechnen damit, dass der Ukraine-Krieg noch lange ein Problem sein wird. 65 Prozent fürchten negative Auswirkungen über die kommenden Jahre hinweg. Im Durchschnitt erwarten sich die Händler:innen Umsatzeinbrüche von acht Prozent durch die Krise.

Solidarisch zeigen sich die Handelsbetriebe mit den Geflüchteten aus der Ukraine. 83 Prozent setzen sich dafür ein, dass diese vorläufige Arbeitsvisa und auch entsprechende Arbeitsplätze erhalten sollten. Dabei ist zu erwähnen, dass die Handelsbranche in Österreich derzeit mit einem schweren Personalmangel zu kämpfen hat. Es gibt laut der Analyse vom Handelsverband und der KMU Forschung etwa 20.000 offene Stellen. 28 Prozent der Firmen mussten einzelne Betriebe wegen dem Mangel an Mitarbeiter:innen in der Corona-Krise zumindest einmal schließen. 24 Prozent können deshalb noch immer nicht ihren Normalbetrieb wieder aufnehmen.

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Handelsverband will „finanzielles Long Covid“ verhindern

„Es gibt mehr als 77.000 Handelsunternehmen mit 600.000 Beschäftigten in Österreich. 23 Prozent aller Unternehmen und Beschäftigte sind in dieser Branche“, sagt Rainer Will. Sie haben im Jahr 2021 trotz Corona 266,3 Milliarden Euro an Umsätzen und eine Bruttowertschöpfung von knapp 39 Milliarden Euro erzielt. Dennoch haben heimische Betriebe immer noch große Schwierigkeiten damit, sich über Wasser zu halten, speziell im Trend zum E-Commerce. Drei von vier Euro, die online in Österreich ausgegeben werden, fließen an Betriebsstätten im Ausland.

Auch gebe es massive Liquiditätsprobleme, Rabatte seien mittlerweile die Normalität, weswegen Preissteigerungen zwar die Firmen, aber nicht die Kund:innen betreffen. Mit dem Ukraine-Krieg kommen außerdem möglicherweise wieder harte Zeiten auf den Handel zu. Rainer Will empfiehlt der Regierung deshalb, Corona-Entschädigungen möglichst schnell auszuzahlen und Maßnahmen zu setzen, um ein „finanzielles Long Covid“ zu verhindern. Auch die Wichtigkeit der oft geforderten Abschaffung der kalten Progression sowie der Senkung der Lohnnebenkosten betonte der Handelsverband-Geschäftsführer.

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