KI-Rechenzentren: „Infrastruktur wird zum Rückgrat der digitalen Wirtschaft“
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Shane Hurst ist Portfoliomanager bei ClearBridge Investments, Teil von Franklin Templeton. In diesem Gastbeitrag erklärt er, wie Rechenzentren zum neuen Wachstumsmotor für Infrastruktur-Investments werden.
Der KI-Boom hat einen Nebeneffekt, der zunehmend ins Zentrum der Investmentwelt rückt: einen enormen Hunger nach Strom. Mehr Daten, mehr Rechenleistung, mehr Rechenzentren, diese Entwicklung treibt die Nachfrage nach Strom und Gas in ungeahnte Höhen und rückt die Energieinfrastruktur ins Zentrum der Investitionslandschaft. Der wichtigste neue Treiber ist der steigende Energiebedarf der digitalen Wirtschaft. Börsennotierte Infrastruktur wird damit zunehmend zum physischen Rückgrat der digitalen Wirtschaft.
Investitionen in Rechenzentren gehen in Billionenhöhe
Das Ausmaß ist beträchtlich: Die Investitionen des Technologiesektors in neue Rechenzentren könnten sich bis 2030 auf insgesamt rund 6,78 Billionen US-Dollar belaufen. Gleichzeitig wird erwartet, dass der weltweite Strombedarf von Rechenzentren bis dahin jährlich um 22 Prozent wächst.
Der Blick auf einzelne Märkte unterstreicht das Tempo dieser Entwicklung: In den USA, dem weltweit zweitgrößten Stromverbraucher, entfallen derzeit rund zwei Prozent des gesamten Strombedarfs auf Rechenzentren. Bis Ende 2030 dürfte dieser Anteil auf rund sechs Prozent steigen. Global betrachtet könnte der Strombedarf bereits heuer erstmals die Marke von 29.000 Terawattstunden überschreiten, wobei KI-Rechenzentren neben der zunehmenden Elektrifizierung der Weltwirtschaft zu den größten Treibern zählen.
Ausbau von Netzen führt zu steigenden Gewinnen
Ein entscheidender Faktor für Investoren ist dabei die Struktur vieler börsennotierter Infrastrukturunternehmen. Ein großer Teil der notwendigen Investitionen fließt über regulierte Versorgungsunternehmen, deren Einnahmen an die Größe ihrer regulierten Vermögensbasis gekoppelt sind. Der Ausbau von Netzen und Erzeugungskapazitäten führt somit direkt zu steigenden regulierten Gewinnen. Hinzu kommt: Große Technologiekonzerne schließen häufig 15- bis 20-jährige Abnahmeverträge ab, bei denen Versorgungsunternehmen in der Regel Eigenkapitalrenditen von rund 9 bis 12 Prozent erzielen. Bei bestehenden Projekten sind diese Renditen weitgehend gesichert, was über mehrere Jahre hinweg eine hohe Planungssicherheit schafft.
Neben dem KI-getriebenen Nachfrageboom bleiben auch die traditionellen strukturellen Treiber relevant. Die Energiewende erfordert erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien und insbesondere in Stromnetze, die den wachsenden Anteil schwankender Erzeugung integrieren müssen. Gleichzeitig gewinnen Resilienzmaßnahmen und Investitionen in die Robustheit physischer Anlagen angesichts zunehmender Klimarisiken an Bedeutung. Auch der Modernisierungsbedarf vieler bestehender Netze und Anlagen ist nach wie vor erheblich und sorgt für Investitionsprogramme, die langfristig geplant werden können.
Teilhabe an KI-Boom ohne volatile Tech-Aktien
Risiken bleiben dabei nicht aus: Sie liegen vor allem in regulatorischen Diskussionen über Strompreise, möglichen Verzögerungen beim Netzausbau oder bei Genehmigungen sowie potenziellen Kostensteigerungen durch Lieferkettenprobleme oder einen Mangel an Fachkräften.
Für Anleger, die am KI-Boom teilhaben wollen, ohne direkt in volatile Tech-Aktien zu investieren, bietet der Ausbau der physischen Infrastruktur dahinter damit einen strukturell wachsenden Zugang mit dem defensiven Charakter, der die Anlageklasse traditionell auszeichnet.