LUCAS: US-Militär setzt im Iran erstmals Kamikaze-Drohnen ein
Das US-Militär hat seinem Zentralkommando (CENTCOM) zufolge am 28. Februar 2026 erstmals sogenannte LUCAS-Drohnen in einem Kampfeinsatz verwendet. Die Einsatzdrohnen wurden im Rahmen der Operation „Epic Fury“ gegen Ziele im Iran eingesetzt. LUCAS steht für Low-cost Unmanned Combat Attack System (kostengünstiges unbemanntes Kampfangriffssystem).
Entwicklung nach iranischem Vorbild
Die LUCAS-Drohne basiert direkt auf der iranischen Shahed-136, einem Kamikaze-Drohnentyp, den bekannterweise vor allem Russland seit Jahren unter dem Namen Geran-2 intensiv im Ukraine-Krieg einsetzt. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters beschaffte sich das US-Militär eine iranische Shahed-136, analysierte sie und entwickelte durch Reverse Engineering eine eigene Version.
Ein US-Beamter erklärte im Dezember 2025: „Wir haben uns eine iranische Shahed besorgt, untersucht und nachgebaut. Wir arbeiten mit mehreren US-Unternehmen im Innovationsbereich zusammen. Die LUCAS-Drohne ist das Produkt dieser Bemühungen. Sie folgt im Wesentlichen dem Shahed-Design.“
Technische Merkmale und Kosten
Die LUCAS-Drohne kostet laut CENTCOM-Sprecher Kapitän Tim Hawkins etwa 35.000 US-Dollar pro Einheit. Damit ist sie deutlich günstiger als herkömmliche Marschflugkörper wie Tomahawk-Raketen. Die Drohne verfügt über eine große Reichweite und kann außerhalb der Sichtlinie operieren.
Das Design umfasst Funktionen für autonome Koordination, was Schwarmtaktiken und netzwerkzentrierte Angriffe ermöglicht. Einige Drohnen sind mit Starlink-Terminals ausgestattet, was fortgeschrittene kooperative Taktiken und dynamische Zielerfassung bei gleichzeitiger menschlicher Kontrolle erlaubt. Die Drohnen können mit verschiedenen Mechanismen gestartet werden, darunter Katapulte, raketengestützter Start sowie mobile Boden- und Fahrzeugsysteme.
Hersteller und Spezifikationen
Die LUCAS-Drohne wurde von SpektreWorks mitentwickelt, einem in Phoenix, Arizona ansässigen Ingenieurbüro, das auf unbemannte Systeme spezialisiert ist. Die Website des Unternehmens gibt für ein verwandtes Zieldrohnen-Design namens FLM 136 folgende Spezifikationen an:
- Maximale Reichweite: 444 Meilen (714 Kilometer)
- Flugdauer: bis zu sechs Stunden
- Nutzlastkapazität: 40 Pfund (18 Kilogramm)
- Reisegeschwindigkeit: etwa 74 Knoten (137 km/h)
- Höchstgeschwindigkeit: bis zu 105 Knoten (194 km/h)
Ob diese Angaben exakt auf die operativ eingesetzte LUCAS-Version zutreffen, ist unklar.

Ursprung des Designs
Die Entwicklungsgeschichte der Shahed-136 selbst ist komplex. Das iranische Design basierte ursprünglich auf einem israelischen Konzept, das wiederum Wurzeln in einem deutschen Entwurf aus den 1980er Jahren hat. Iran hat über die Jahre verschiedene Versionen entwickelt, darunter die Shahed-238 mit Radar- und elektrooptischer Zielführung sowie strahlgetriebene Varianten.
Russland produziert mittlerweile eigene Varianten und Weiterentwicklungen des Designs, die dort als Geran bezeichnet werden. Sowohl Iran als auch Russland arbeiten daran, dynamischere Zielfähigkeiten in ihre jeweiligen Versionen zu integrieren.
Task Force Scorpion Strike
Im Dezember 2025 kündigte CENTCOM die Aufstellung der Task Force Scorpion Strike an, die speziell für den Einsatz der LUCAS-Drohnen geschaffen wurde. Nach Angaben eines US-Beamten wurde die Einheit gegründet, um „das Drehbuch gegen Iran umzukehren“. Der Begriff „Staffel“ bezeichne dabei nicht die tatsächliche Anzahl der Drohnen, die zwischen 100 und 2.000 liegen könne.
Am 16. Dezember 2025 wurde eine LUCAS-Drohne testweise vom Littoral Combat Ship USS Santa Barbara im Persischen Golf gestartet. Dies zeigte die Vielseitigkeit der Startoptionen für das System.
Einsatz und strategischer Kontext
Bei den Angriffen auf Iran am 28. Februar 2026 kamen neben den LUCAS-Drohnen auch Tomahawk-Marschflugkörper, das High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) sowie weitere nicht näher bezeichnete Waffensysteme zum Einsatz. Die genaue Anzahl der eingesetzten LUCAS-Drohnen, die getroffenen Ziele und die Wirkung der Angriffe wurden von US-Seite nicht bekannt gegeben.
Iran reagierte auf die Angriffe mit Raketensalven auf US-Stützpunkte in Katar, Bahrain, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dabei kamen auch iranische Shahed-Drohnen zum Einsatz, die das Hauptquartier der 5. US-Flotte in Manama, Bahrain, trafen. Nach Angaben eines CENTCOM-Beamten gelangten einige Drohnen durch die Luftabwehr, verursachten aber nur minimalen Schaden und keine Verluste.
Produktionskapazitäten und Verfügbarkeit
Die Produktionskapazitäten sowohl für die LUCAS-Drohnen als auch für die iranischen Shahed-Drohnen sind begrenzt. Iran ist bei der Herstellung auf geschmuggelte Komponenten wie Beschleunigungssensoren, Gyroskope und Satellitennavigationsempfänger angewiesen, da westliche Sanktionen den Zugang zu diesen Bauteilen einschränken.
Russland hat seine Produktionskapazitäten für Shahed-Drohnen unter Lizenz ausgebaut. Nach Angaben des Institute for Science and International Security zielt Russland darauf ab, in seiner Alabuga-SEZ-Anlage bis zu 25.000 Shahed-136-Drohnen pro Jahr zu produzieren, wobei die tatsächliche Zahl wahrscheinlich bei etwa 18.540 liegt. Die Produktionskosten werden auf 80.000 US-Dollar pro Einheit geschätzt.
Bedeutung für die moderne Kriegsführung
Der Einsatz der LUCAS-Drohnen markiert einen bedeutenden Wandel in der US-Militärstrategie. Es ist das erste Mal, dass die USA Langstrecken-Kamikaze-Drohnen in einem Kampfeinsatz verwenden. Die Tatsache, dass dies ausgerechnet gegen das Land geschah, von dem das ursprüngliche Design stammt, ist zumindest bemerkenswert.
Die Pentagon-Führung hat die Beschaffung kostengünstiger Drohnen zu einer Priorität erklärt, um mit Russland und China Schritt zu halten. Die modulare, offene Architektur der LUCAS ermöglicht den Einsatz verschiedener Nutzlasten für unterschiedliche Missionen, einschließlich Aufklärung und Nachrichtengewinnung zusätzlich zu Angriffsoperationen.

