Mediashop geht mit 45 Mio. Euro Schulden in Sanierungsverfahren
Der österreichische E-Commerce-Spezialist und Teleshopping-Anbieter Mediashop GmbH hat beim Landesgericht Wiener Neustadt ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen mit Sitz in Neunkirchen weist Passiva in Höhe von rund 45 Millionen Euro aus. Betroffen sind etwa 459 Gläubiger und 162 Dienstnehmer.
Unternehmensprofil und Marktposition
Die 1999 gegründete Mediashop GmbH zählt zu den führenden Omnichannel-Händlern Mitteleuropas und gilt als Pionier des Teleshoppings in Österreich. Das Unternehmen entwickelt, vermarktet und vertreibt innovative Produkte aus den Bereichen Haushalt, Küche, Fitness, Gesundheit, Beauty und Lifestyle. Als operative Kerngesellschaft der Mediashop-Gruppe betreibt die Firma den TV-Sender „Meine Einkaufswelt“ und ist nach eigenen Angaben auf 175 TV-Stationen präsent.
Die Antragstellerin ist Teil der Mediashop-Gruppe, deren Alleingesellschafterin die Mediashop International Group GmbH mit Sitz in Lindau (Deutschland) ist. Die deutsche Muttergesellschaft ist von der Insolvenz nicht betroffen. Konzernweit erwirtschaftet die Gruppe einen Jahresumsatz von rund 170 Millionen Euro und beschäftigt fast 400 Mitarbeiter in zehn europäischen Ländern.
Ursachen der Insolvenz
Als Hauptursachen für die finanzielle Schieflage nennt das Unternehmen im Eigenantrag tiefgreifende Veränderungen im Konsumverhalten und ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld. Konkret werden folgende Faktoren angeführt:
- Die wachsende Dominanz internationaler Handelskonzerne
- Hoher Wettbewerbsdruck im nationalen Handelsumfeld
- Verschiebung der Kundenströme hin zu globalen Online-Plattformen
Ein im Herbst 2025 bestellter CEO habe bereits wesentliche Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt, die positive Effekte zeigten. Eine umfassende betriebswirtschaftliche Analyse ergab jedoch, dass eine Fortführung des Unternehmens in der bisherigen Struktur wirtschaftlich nicht darstellbar sei.
Gläubigerstruktur und Vermögenslage
Von der Insolvenz sind rund 459 Gläubiger betroffen, davon 279 ausländische und 180 inländische. Die Passiva belaufen sich laut eigenen Angaben auf rund 45 Millionen Euro.
Auf der Aktivseite hält die Mediashop GmbH Anteile an nationalen und internationalen Tochtergesellschaften, deren Wert erst im Zuge des Verfahrens ermittelt werden muss. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Eigentümer zahlreicher Marken und IP-Rechte, die jedoch verpfändet sind. Zudem besitzt die Antragstellerin eine grundbücherlich belastete Liegenschaft mit Bestandsobjekt in Neunkirchen. Die Firma betreibt dort auf 2.700 Quadratmetern ein hocheffizientes Logistiksystem, über das jährlich mehr als zwei Millionen Paketaussendungen abgewickelt werden.
Sanierungsplan und weitere Vorgehensweise
Die Schuldnerin bietet ihren Gläubigern einen Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent an, zahlbar binnen zwei Jahren. Die Quote soll durch den Fortbetrieb finanziert werden. Gleichzeitig wird nach einem strategischen Investor gesucht.
Das Unternehmen beabsichtigt, den Geschäftsbetrieb unter Aufsicht des Insolvenzverwalters fortzuführen. Der gesamte operative Betrieb, einschließlich TV-Ausstrahlung, Online-Shop und Kundenservice, bleibt vorerst aufrecht. Durch Umsetzung von Restrukturierungsmaßnahmen soll der Betrieb nachhaltig fortgeführt werden.
Im Rahmen des Sanierungsverfahrens wird geprüft, ob und in welchem Ausmaß weitere Gesellschaften der Mediashop-Gruppe von den finanziellen Turbulenzen betroffen sind. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV), der die Insolvenz bekannt gab, prüft nun die Realisierbarkeit des Sanierungsplans. Dabei wird auch untersucht, ob der Plan, der lediglich den gesetzlichen Mindesterfordernissen entspricht, verbessert werden kann.
Unternehmensgeschichte
Die Mediashop-Unternehmen wurden 2006 von Katharina und Dieter Schneider sowie dem Private-Equity-Investor Invest AG mehrheitlich erworben. Katharina Schneider, die lange Jahre als Geschäftsführerin tätig war, beendete ihre Geschäftsführertätigkeit im Jahr 2022.

