NVision holt 55 Mio. Dollar für Quantencomputing im Gesundheitswesen
NVision, ein Quantentechnologie-Unternehmen mit Fokus auf biomedizinischen Anwendungen hat eine Serie-B-Finanzierung über 55 Millionen US-Dollar abgeschlossen und kündigt einen strategischen Schritt an: NVision erweitert seine Plattform von Quantensensorik hin zu Quantencomputing.
Das 2015 gegründete MedTech-Unternehmen aus Ulm denkt die medizinische Bildgebung neu. Statt nur anatomische Strukturen darzustellen, entwickelt das Unternehmen Technologien, mit denen sich auch der Stoffwechsel von Zellen in Echtzeit sichtbar machen lässt. Grundlage dafür ist ein quantenphysikalisch gestütztes Verfahren, das MRT-Signale deutlich verstärkt und so frühere und genauere Einblicke in Krankheiten – insbesondere Krebs – ermöglichen soll.
Abbott steigt als Ankerinvestor ein, begleitet von Playground Global, Entrée Capital, Matterwave/b2venture und der Europäischen Investitionsbank. Damit summiert sich das Gesamtkapital auf 120 Millionen Dollar. NVision will mit dem frischen Kapital seine MRT-Plattform POLARIS global ausrollen und die neue Quantencomputing-Technologie vorantreiben.
POLARIS nutzt Quantentechnologie, um MRT-Signale von zuckerbasierten Kontrastmitteln um mehrere Größenordnungen zu verstärken und ermöglicht so Echtzeit-Messungen von Stoffwechselprozessen auf Standard-MRT-Geräten. Anders gesagt: Es verstärkt die Sichtbarkeit von Stoffwechsel-Molekülen im Körper extrem stark, damit ein normales MRT nicht nur Anatomie, sondern auch Zellstoffwechsel in Echtzeit sieht.
Die Plattform läuft bereits an führenden Krebszentren wie dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York, der University of Cambridge und der Technischen Universität München. Bis Ende des Jahres sollen rund 20 Systeme weltweit im Einsatz sein. Das Besondere: POLARIS funktioniert in realen klinischen Umgebungen ohne spezialisierte Quantenexpertise.
Vom MRT-Upgrade zur Quantencomputing-Plattform
Während der Entwicklung von POLARIS entdeckte NVision eine neue Klasse organischer molekülbasierter Qubits. Diese bilden die Grundlage für PIQC („Pixie“), die neue Quantencomputing-Plattform des Unternehmens. Dabei werden die Qubits in eine dünne Schicht eingebettet und direkt auf photonische Chips integriert. Dieser Ansatz soll einen skalierbaren Weg zum Bau von Quantencomputern eröffnen, der auf etablierten Halbleiterfertigungstechnologien aufbaut. PIQC wurde über mehrere Jahre im Hintergrund entwickelt und basiert auf derselben molekularen Expertise, die bereits POLARIS ermöglicht.
NVision verfolgt damit einen integrierten Compute-and-Validate-Ansatz: Quantencomputing soll künftig die Entwicklung wirksamerer Wirkstoffkandidaten ermöglichen, während POLARIS deren schnelle Validierung in der realen biologischen Umgebung übernimmt.
CEO und Mitgründer Dr. Sella Brosh erklärt die Vision: „Ich sehe eine Zukunft, in der Quantencomputer einen explosionsartigen Anstieg neuer Wirkstoffhypothesen für Krankheiten erzeugen, die heute außergewöhnlich schwer zu behandeln sind. Mit der Erweiterung unserer Ambition in Richtung Quantencomputing, aufbauend auf unserer bemerkenswerten neuen Klasse organischer molekülbasierter Qubits, rückt diese Zukunft näher.“
Abbott steigt als strategischer Investor ein
Abbott will als strategischer Investor im Diagnostikbereich die Anwendungsmöglichkeiten von NVisions Quantentechnologien im gesamten diagnostischen Spektrum erkunden. Peter Karabatsos, Divisional Vice President of New Technology bei Abbott, sagt: „Bei Abbott erforschen wir kontinuierlich Technologien, die unser Verständnis und die Diagnose von Krankheiten neu definieren können. Was uns an NVision besonders beeindruckt, ist die Fähigkeit des Unternehmens, komplexe Quantenwissenschaft in skalierbare Systeme für den praktischen Einsatz umzusetzen.“ Die Investition verschafft Abbott frühzeitigen Zugang zu Entwicklungen in Quantensensorik und Quantencomputing.
Auch die anderen Investoren zeigen sich überzeugt: „NVision verändert grundlegend, wie wir Krebs entdecken, diagnostizieren und behandeln, indem es die Biologie von Krankheiten auf eine Weise sichtbar macht, die bisher nicht möglich war“, so Peter Barrett, General Partner bei Playground Global. Ran Achituv von Entrée Capital sieht in der Kombination aus Sensorplattform und Quantencomputing eine „echte One-Stop-Plattform für quantengestützte Gesundheitsversorgung“.

