Nach Kimi K3 Coup: Moonshot AI will noch 2026 an die Börse
Der Zeitpunkt könnte kaum besser gewählt sein: Nur wenige Tage, nachdem Moonshot AI mit seinem neuen Open-Weight-Modell Kimi K3 die globalen Tech-Märkte durchgeschüttelt hat, treibt das Pekinger KI-Startup seinen Börsengang voran. Wie Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, hat Moonshot eine Aktionärsresolution an seine Investoren verteilt, um deren Zustimmung für ein Listing an der Hongkonger Börse einzuholen. Der IPO soll innerhalb der nächsten sechs Monate über die Bühne gehen – also spätestens Anfang 2027.
Parallel dazu steht das 2023 vom ehemaligen Tsinghua-Professor Yang Zhilin gegründete Unternehmen kurz vor dem Abschluss einer neuen Finanzierungsrunde, die es mit mehr als 30 Milliarden Dollar bewerten könnte. Zum Vergleich: Bei der von Meituan angeführten Runde im Mai lag die Bewertung noch bei rund 20 Milliarden Dollar, Ende 2025 gar erst bei etwa 4,3 Milliarden. Zu den Geldgebern zählen neben Meituan auch Alibaba, Tencent und China Mobile. Rund 2 Milliarden Dollar soll die aktuelle Runde in die Kassen spülen – wobei CEO Yang betont, dass man mit mehr als 10 Milliarden Yuan (ca. 1,4 Mrd. Dollar) Cash-Reserven nicht unter Zugzwang stehe.
Kimi K3 als „neuer DeepSeek-Moment“
Befeuert werden die Börsenpläne vom Erfolg von Kimi K3, das Moonshot am 17. Juli auf der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai vorgestellt hat. Das Open-Weight-Modell kommt auf rund 2,8 Billionen Parameter in einer Mixture-of-Experts-Architektur und bietet ein Kontextfenster von einer Million Token. Die vollständige Open-Source-Freigabe ist für den 27. Juli angekündigt.
Auf unabhängigen Benchmark-Plattformen wie Artificial Analysis und Arena.ai spielt K3 in der Liga der US-Frontier-Modelle mit – in einzelnen anspruchsvollen Benchmarks liegt es sogar vor Anthropics Opus und damit als erstes chinesisches Open-Weight-Modell vor einem der US-Spitzenmodelle. Nur Anthropics Claude Fable 5 und OpenAIs GPT-5.6 bleiben in Summe außer Reichweite. Bei Coding-Benchmarks landete K3 auf dem Spitzenplatz.
Die Märkte reagierten prompt und heftig: US-Halbleiteraktien wie Nvidia und AMD gaben nach, der Nasdaq verlor 1,5 Prozent, Taiwans Leitindex brach um mehr als 6 Prozent ein, japanische Aktien verloren 4 Prozent. Händler sprachen von einem „neuen DeepSeek-Moment“ – in Anspielung auf den Kurssturz, den DeepSeeks R1-Modell Anfang 2025 ausgelöst hatte. Auch der Bitcoin geriet im Zuge des Risk-off-Modus unter Druck.
Geschäftlich läuft es für Moonshot ebenfalls rund: Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) stieg von 200 Millionen Dollar im April auf 300 Millionen Dollar im Juni. Die Nachfrage nach Kimi K3 war zuletzt so groß, dass Moonshot neue Abos vorübergehend aussetzen musste. Für das Hongkong-Listing baut das Unternehmen übrigens seine Offshore-VIE-Struktur ab – jene Konstruktion, über die chinesische Firmen bislang ausländisches Kapital an Eigentumsbeschränkungen vorbeischleusten – und ersetzt sie im Einklang mit den Vorgaben der chinesischen Wertpapieraufsicht durch ein Joint-Venture-Modell.
Zhipu und MiniMax: Kursraketen mit Fallhöhe
Wie lukrativ chinesische AI-IPOs für Investoren sein können, haben die beiden „AI Tiger“ Zhipu AI (international Z.ai) und MiniMax vorgemacht. Die beiden Unicorns gingen am 8. bzw. 9. Jänner 2026 im Doppelpack an die Hongkonger Börse: Zhipu legte am ersten Handelstag moderate 13 Prozent zu, MiniMax verdoppelte seinen Kurs gleich am Debüt-Tag und sammelte 620 Millionen Dollar ein.
Danach ging es steil bergauf: Getrieben von den Modell-Releases GLM-5 bzw. MiniMax M2.5 lagen die Aktien zeitweise mehr als 500 Prozent (Zhipu) bzw. rund 470 Prozent (MiniMax) über dem Ausgabepreis, die kombinierte Marktkapitalisierung überstieg im Februar 300 Milliarden Hongkong-Dollar und damit den Börsenwert von JD.com. Beide Unternehmen bereiten inzwischen zusätzlich Zweitlistings auf dem chinesischen Festland vor, Zhipu peilt das Science and Technology Innovation Board (STAR Market) an. Währenddessen hat sich der Kurs von MiniMax nicht gut entwickelt, auch die LLMs des Unternehmens sind nicht an der Spitze zu finden.
Der Kimi-K3-Launch zeigte allerdings auch die Kehrseite des Hypes: Zhipu verlor nach der Vorstellung des Konkurrenzmodells zeitweise 30 Prozent an einem Tag – der stärkste Kursrutsch seit dem Börsengang. MiniMax gab 16 Prozent nach, selbst Alibaba verlor 4 Prozent. Der Konkurrenzkampf der chinesischen KI-Labore wird an der Börse in Echtzeit ausgetragen.
Auch DeepSeek drängt aufs Parkett
Und der nächste Kandidat steht bereits in den Startlöchern: DeepSeek, das mit seinem R1-Modell Anfang 2025 den ersten großen China-KI-Schock ausgelöst hatte, bereitet laut Bloomberg ebenfalls einen Börsengang vor. Das Unternehmen aus Hangzhou arbeitet demnach mit Wirtschaftsprüfern daran, bis Ende Dezember 2026 vollständige Finanzberichte zu erstellen – Voraussetzung für den IPO-Antrag, der Ende 2026 oder Anfang 2027 eingereicht werden könnte. Das Listing selbst würde 2027 folgen, im Gespräch ist der Shanghaier STAR Market. Damit hätte Peking erstmals einen KI-Modell-Entwickler an seiner Tech-Börse – ein erklärtes Ziel der Regierung.
Bemerkenswert ist das Tempo, mit dem sich DeepSeek vom Selbstfinanzierer zum Kapitalmarkt-Player wandelt: Erst im Juni schloss das vom Hedgefonds High-Flyer ausgegründete Labor seine allererste externe Finanzierungsrunde ab – rund 7 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von etwa 50 Milliarden, mit Tencent und Batterie-Riese CATL an Bord; Gründer Liang Wenfeng steckte selbst rund 3 Milliarden Dollar hinein. Nur wenige Wochen später verhandelt DeepSeek bereits über die nächste Runde: Mindestens 10 Milliarden Yuan (ca. 1,4 Mrd. Dollar) sollen bei einer Bewertung von rund 71 bis 74 Milliarden Dollar eingesammelt werden – ein Plus von mehr als 40 Prozent binnen sechs Wochen.
Für Moonshot AI ist das Zeitfenster damit klar: Wer als nächstes chinesisches KI-Labor an die Börse geht, kann sich den Hype zunutze machen, bevor DeepSeek mit dem potenziell größten chinesischen Tech-IPO seit Jahren die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das Rennen der AI Tiger ums Kapital der Anleger hat gerade erst begonnen.

