OpenAI will mit ChatGPT-Werbung bereits 1 Milliarde Dollar/Jahr machen
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
OpenAI hat für sein Werbegeschäft einen ersten großen Meilenstein verkündet: Weniger als 200 Tage nach dem Start liegt ChatGPT Ads bei einer annualisierten Umsatz-Run-Rate von einer Milliarde US-Dollar. Zehntausende Werbetreibende nutzen die Plattform laut Unternehmensangaben bereits. Gleichzeitig öffnet OpenAI den Self-Service-Zugang: Ab sofort können Kampagnen über den Ads Manager auch in Indien, Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika direkt gebucht werden.
Bei der Kennzahl handelt es sich um eine Momentaufnahme. Die Run-Rate ergibt sich aus dem aktuellen Monatsumsatz multipliziert mit zwölf und bildet keine bestätigten Jahresbuchungen ab, wie Digiday anmerkt. Zum Vergleich: Beim Start hatte OpenAI einen Tausenderkontaktpreis von 60 Dollar und ein Mindestbudget von 200.000 Dollar aufgerufen, wie Trending Topics berichtete. Analyst:innen hatten damals 500 bis 800 Millionen Dollar im ersten Jahr erwartet.
Werbung ist eine von vier Säulen
OpenAI ordnet das Anzeigengeschäft in ein diversifiziertes Modell aus Consumer-Abos, Enterprise-Angeboten und nutzungsbasierten APIs ein. Die werbefinanzierte Gratisstufe soll ChatGPT für mehr als eine Milliarde wöchentliche Nutzer:innen zugänglich halten. Die Anzeigen erscheinen unterhalb der Antworten, sind als gesponsert gekennzeichnet und beeinflussen laut Unternehmen die Antworten selbst nicht. Werbekund:innen erhalten keinen Zugriff auf private Konversationen.
In Europa startete die Werbung kürzlich in 31 Ländern, darunter Österreich und Deutschland. Ausgespielt wird sie in den Tarifen Free und Go, während Plus, Pro, Business, Enterprise und Education werbefrei bleiben. Die Auslieferung erfolgt vorerst rein kontextbezogen, also auf Basis des laufenden Gesprächsthemas, der ungefähren Region, des Gerätetyps und der Sprache. Als DSGVO-Grundlage nennt OpenAI berechtigtes Interesse, zuständige Aufsichtsbehörde ist die irische Datenschutzkommission, wie Trending Topics vorab berichtete. Personalisierung soll später und nur mit aktiver Zustimmung folgen.
Berichte über schwache Performance
Parallel zum Wachstum häufen sich Berichte über enttäuschende Kampagnenergebnisse. Eine Auswertung des Suchdatenanbieters Adthena, über die Campaign berichtete, wies für eine Marke eine Klickrate von 0,91 Prozent aus, rund sieben Mal weniger als der Branchen-Benchmark von 6,4 Prozent in der klassischen Google-Suche. Ein Großkunde brachte demnach über mehrere Wochen nur drei Prozent eines Budgets von 250.000 Dollar zur Auslieferung. Adthena-Manager Ashley Fletcher verwies zudem auf Reporting-Probleme im Ads Manager und resümierte, die Plattform finde erst ihre Form.
Eine Analyse von SE Ranking auf Basis von mehr als 50.000 Prompts, die eMarketer zusammengefasst hat, kommt zu ähnlichen Befunden: 14,35 Prozent der Anzeigen gingen am Prompt vorbei, in Kategorien wie News und Politik lag der Wert bei über 50 Prozent. In 96,37 Prozent der Platzierungen tauchte die werbende Marke im Antworttext gar nicht auf. Weniger als 20 Prozent der berechtigten Nutzer:innen bekamen täglich überhaupt eine Anzeige zu sehen.
Aus der Praxis kommen vergleichbare Erfahrungswerte. Gegenüber MediaPost schilderten mehrere Agenturvertreter:innen Kampagnen mit Klickraten um 0,6 Prozent, Klickpreisen von rund sieben Dollar und ausbleibenden Conversions. Mehrfach berichtet wurde auch von Abweichungen zwischen den Klickzahlen im OpenAI-Reporting und den Zugriffen in Google Analytics.
OpenAI verweist auf eigene Fallbeispiele
OpenAI selbst nennt andere Zahlen: Ein E-Commerce-Werbetreibender habe über 28 Tage einen dreifachen Return on Ad Spend erzielt, ein Technologiepartner melde, dass mehr als 80 Prozent des über Anzeigen generierten Traffics von Neukund:innen stamme. Die Werte zu Vertrauen, Relevanz und Nutzungserlebnis seien im gesamten Rollout stabil geblieben.
Das Ökosystem umfasst inzwischen mehr als 50 Technologie- und Messpartner, Anzeigen laufen in über 40 Ländern. Als nächste Schritte kündigt OpenAI weitere Märkte, zusätzliche Formate und Gebotsoptionen sowie ausgebaute Messmöglichkeiten an. Außerdem will das Unternehmen prüfen, wie Firmen nativer mit Konsument:innen in ChatGPT interagieren können.

