Sony und Warner verklagen Anthropic wegen Musik im KI-Training
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Die Musikverlage Sony Music Publishing und Warner Chappell Music gehen gemeinsam gerichtlich gegen Anthropic vor. In der am vergangenen Wochenende bekannt gewordenen Klage werfen sie dem KI-Unternehmen vor, Musikkompositionen in großem Stil über illegale Torrent-Netzwerke bezogen und die Werke anschließend systematisch vervielfältigt zu haben, unter anderem für das Training der Claude-Modelle. Die Rede ist von „Zehntausenden“ betroffenen Kompositionen, darunter bekannte Titel wie All I Want For Christmas Is You und Eye Of The Tiger.
Die Klageschrift, die Music Business Worldwide veröffentlicht hat, spricht von „einem der größten und eklatantesten andauernden Diebstähle geistigen Eigentums in der Geschichte“. Neben dem Unternehmen selbst nennt sie die Mitgründer Dario Amodei und Benjamin Mann namentlich als Beklagte: Sie sollen persönlich für das Herunterladen raubkopierter Werke über die Plattformen Libgen und Pilimi haften. Ein weiterer Anklagepunkt betrifft das Entfernen oder Verändern von Informationen zur Urheberrechtsverwaltung.
Forderungen in Milliardenhöhe
Die beiden Verlage fordern bis zu 150.000 Dollar pro vorsätzlich verletztem Werk sowie bis zu 25.000 Dollar für jede mutmaßliche Entfernung von Copyright-Management-Informationen. Rechnerisch ergibt sich daraus ein Haftungsrisiko in einer Größenordnung von mehreren Milliarden Dollar. Zusätzlich verlangen die Kläger die Vernichtung aller rechtsverletzenden Kopien und eine vollständige Aufstellung der Trainingsdaten von Claude.
Argumentativ stützt sich die Klage stark auf einen Fall, den Anthropic vor rund einem Jahr beigelegt hat: Das Unternehmen zahlte 1,5 Milliarden Dollar an Autor:innen, rund 3.000 Dollar pro Werk, und beendete damit einen Rechtsstreit um mutmaßlich sieben Millionen von Piraterie-Seiten heruntergeladene Bücher. Es war der bislang höchste Vergleich in einem Urheberrechtsverfahren überhaupt und dient den Musikverlagen nun als Referenzpunkt.
Anthropic weist die Vorwürfe zurück
Die Verlage kritisieren in ihrer Klageschrift auch die öffentliche Positionierung des Claude-Anbieters: Obwohl sich Anthropic als „ethisches KI-Unternehmen“ präsentiere, habe es wiederholt Wettbewerbsvorteile über die Einhaltung der Gesetze gestellt. Anthropic selbst bestreitet die Darstellung. Gegenüber TechCrunch erklärte das Unternehmen, man widerspreche den Behauptungen der Verlage und beabsichtige, sich vor Gericht energisch zu verteidigen.
Für Anthropic ist es nicht der erste Konflikt dieser Art mit der Musikbranche. Auch andere große Musikverlage wie die Universal Music Publishing Group und BMG haben bereits aus ähnlichen Gründen Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Die Verfahren gelten als Testfall dafür, wie weit die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke für das Training von KI-Modellen reichen darf.

