Shein an der Börse nur 26 Mrd. Dollar wert – 2022 noch mit 100 Mrd. Dollar bewertet
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Es ist der Börsengang, auf den die Modebranche jahrelang gewartet hat, und er fällt deutlich kleiner aus als gedacht. Shein hat sein Listing in Hongkong soeben abgeschlossen und dabei rund 1,7 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Bewertet wird der Fast-Fashion-Konzern damit mit etwa 26 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: 2022 kam Shein in einer Finanzierungsrunde noch auf knapp 100 Milliarden Dollar. Vom Höchststand sind also rund drei Viertel verschwunden. Der erste Handelstag an der Hong Kong Stock Exchange folgt am Dienstag.
Der Ausgabepreis lag bei 48,56 Hongkong-Dollar je Aktie und damit ungefähr in der Mitte der zuvor kommunizierten Spanne. Als Cornerstone-Investor:innen sind unter anderem Boyu Capital, Tiger Global, General Atlantic, Tencent, Greenwoods, Taikang Life und UBS Asset Management an Bord, die zusammen Aktien im Wert von rund 383 Millionen Dollar gezeichnet haben. Trotz dieser Namen blieb das Interesse überschaubar: Bei der margenfinanzierten Zeichnung kam Shein laut China Daily auf das rund 4,66-Fache, während das Robotik-Unternehmen Mech-Mind im selben Zeitfenster auf das 3.842-Fache kam.
Der lange Weg von New York über London nach Hongkong
Shein hatte ursprünglich in den USA an die Börse gehen wollen, danach in London. Beide Anläufe scheiterten an regulatorischem und politischem Gegenwind, unter anderem an Fragen zu Lieferketten und zur Zwangsarbeit in Xinjiang. Hongkong blieb als Option übrig, allerdings zu einem Preis, den das Unternehmen vor drei Jahren wohl nicht akzeptiert hätte. Trending Topics hat über die Pläne für den Hongkong-IPO bereits berichtet.
Zölle fressen die Marge
Die Zahlen im Börsenprospekt erklären, warum die Bewertung so stark zusammengeschmolzen ist. 2025 setzte Shein rund 41,8 Milliarden Dollar um, ein Plus von acht Prozent. Der Nettogewinn brach im selben Zeitraum von 3,37 auf 2,06 Milliarden Dollar ein, ein Minus von knapp 39 Prozent. Die Nettomarge sank von 8,7 auf 4,9 Prozent. Im ersten Quartal 2026 rutschte das Unternehmen sogar in die Verlustzone: einem Nettoverlust von 99 Millionen Dollar stand im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 395 Millionen gegenüber, bei praktisch stagnierendem Umsatz von rund 9 Milliarden Dollar.
Der Hauptgrund liegt in der Handelspolitik. Die USA haben die De-minimis-Befreiung für Kleinsendungen im Mai 2025 gestrichen, seither fallen auf Sheins Pakete Zölle zwischen 10 und 87,5 Prozent an. Die EU zog mit dem Wegfall der 150-Euro-Freigrenze nach, zusätzlich diskutiert Brüssel eine Gebühr von zwei Euro pro importiertem Paket. Das Geschäftsmodell, das jahrelang auf zollfreien Einzelsendungen direkt aus chinesischen Lagern beruhte, verliert damit seinen strukturellen Kostenvorteil.
Dazu kommt der Wettbewerb. Temu greift Shein in den USA und in Europa mit einem ähnlichen Modell an und hat in einzelnen Märkten zu Amazon aufgeschlossen.
Auch 26 Milliarden könnten noch zu viel sein
Bemerkenswert ist, dass selbst diese reduzierte Bewertung unter Investor:innen als sportlich gilt. Shein wird mit mehr als dem 15-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt. Temu-Mutter PDD Holdings kommt auf das 7,4-Fache, der Hang Seng Index auf das 10,7-Fache. Bloomberg Intelligence rechnet für das kommende Jahr mit einem Umsatzplus von lediglich 3,4 Prozent auf 44,3 Milliarden Dollar und einem Nettogewinn von 1,7 Milliarden.
Rund 80 Prozent der Erlöse will Shein in Technologie und den Ausbau der Marke stecken, unter anderem in ein KI-gestütztes System zur Nachfrageprognose und in Logistikzentren. Ob das reicht, um die Wachstumsstory wiederzubeleben, wird sich ab Dienstag im Kurs ablesen lassen.

