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OpenClaw 2.0: Größtes Update des Open-Source-Agenten trifft auf viel Konkurrenz

OpenClaw 2.0. © OpenClaw
OpenClaw 2.0. © OpenClaw

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Das Open-Source-Projekt OpenClaw hat soeben die bislang umfangreichste Aktualisierung seiner Geschichte veröffentlicht. Laut dem Entwicklungsteam stecken in OpenClaw 2.0 mehr als 16.000 Pull Requests von 933 Mitwirkenden, davon 569 zum ersten Mal. Das entspricht nach Angaben des Projekts rund der Hälfte aller jemals in OpenClaw eingeflossenen Änderungen.

Die Liste der Neuerungen reicht von einer Volltextsuche über alte Konversationen über Sitzungen, die auf entfernten Rechnern laufen, bis zu interaktiven Widgets im Chat und einem eigenen Verfahren für die Übergabe von Zugangsdaten. Ursprünglich war das Vorhaben deutlich kleiner gedacht. Wie Hannes Rudolph im Blogeintrag zum Release schreibt, wollte das Team lediglich die Installation vereinfachen und die Browser-Oberfläche neu bauen. Aus diesen beiden Baustellen wurde ein Umbau, der praktisch jeden Teil der Software berührt: Installation, Messaging, Memory, Skills, Modelle, Automatisierungen, Browser- und Native-Apps, Plugins und Sicherheit.

Schnellerer Einstieg, neue Oberfläche

Der auffälligste Unterschied betrifft den Erstkontakt. Beim Setup durchsucht OpenClaw nun, was auf dem Rechner ohnehin schon vorhanden ist: bestehende ChatGPT- oder Claude-Abos, API-Keys sowie lokal laufende Modelle über Ollama oder LM Studio. Ein Teil der Konfiguration entfällt, der Rest wandert aus dem Ersteinrichtungsprozess heraus. Nutzer:innen sollen so schneller bei der ersten Konversation landen und den Assistenten anschließend im Gespräch fertig einrichten. Vor dem Speichern prüft das System, ob der gewählte Modellzugang tatsächlich antwortet.

Die Browser-Oberfläche wurde neu aufgebaut und rückt die Konversation ins Zentrum, mit Seitenleiste zur Navigation, ähnlich wie bei ChatGPT oder Gemini. Dateien, Git-Änderungen und der integrierte Browser lassen sich als angedockte Panels neben dem Chat offenhalten. Dazu kommen Markdown-Rendering während des Streamings, Diktierfunktion, das nachträgliche Umsortieren abgeschickter Folgenachrichten und ein Nebenstrang-Modus, mit dem sich Zwischenfragen stellen lassen, ohne die laufende Aufgabe zu unterbrechen.

Unter der Haube wandern die Sitzungsverläufe von dateibasierter Ablage in eine SQLite-Datenbank, was das Laden der Historie beschleunigt. Ein Downgrade auf ältere Versionen erfordert deshalb ein Backup. Auf derselben Grundlage steht eine Volltextsuche über zurückliegende Konversationen: Wer nach exakten Wörtern oder Phrasen sucht, bekommt Treffer samt umgebendem Nachrichtenverlauf und kann die Stelle direkt wieder öffnen. MCP-Server lassen sich jetzt direkt in den Einstellungen verwalten, inklusive Kontrolle darüber, welche Werkzeuge in welcher Sitzung verfügbar sind.

Sitzungen verlassen das eigene Gerät

Einer der größeren architektonischen Schritte betrifft den Ort der Ausführung. Sitzungen können das lokale Gateway verlassen und auf gekoppelten Geräten oder auf Cloud-Workern laufen, wobei der Arbeitsbereich mitwandert. Bereits warmgelaufene Maschinen und vorbereitete Projekt-Seeds lassen sich für spätere Cloud-Sitzungen wiederverwenden, was Startzeiten verkürzt.

Damit dabei nachvollziehbar bleibt, was der Agent tut, führt OpenClaw 2.0 eine dauerhafte Fortschrittskarte ein, die auch ein Neuladen der Seite übersteht. Sichtbar werden darin die Aktivitäten von Subagenten und die anwachsenden Änderungen, und zwar sowohl im Web-Client als auch in den nativen Apps. Umgekehrt kann der Agent nun strukturierte Rückfragen stellen: Beantworten lassen sie sich über Karten in Web- und Native-Client, über Buttons in Messenger-Diensten oder per Freitext, ergänzt um eine explizite Skip-Option.

Neu sind außerdem interaktive Widgets im Chat, die sich an Session-Dashboards anheften lassen. Für sie können einzelne Aktionen oder bestimmte Netzwerkziele gezielt freigegeben werden, gerenderte Ansichten lassen sich als Bild exportieren. Medien wiederum bleiben über Upload, generierte Antworten, Wiedergabe und Neuladen hinweg an der Konversation hängen, mit nativen Abspielsteuerungen sowie Video-Uploads auf den Apple- und Android-Clients.

Zugangsdaten und wiederkehrende Aufgaben

Beim Thema Sicherheit, das OpenClaw seit dem Hype um das Projekt begleitet, gibt es mehrere Änderungen. Braucht der Agent ein Passwort oder einen Schlüssel, kann er dieses über eine maskierte Eingabe anfordern, ohne dass der Wert im Chatverlauf oder im Modellkontext landet. Ein optionaler Proxy schränkt zusätzlich ein, an welche Ziele geschützte Geheimnisse überhaupt eingesetzt werden dürfen.

Für Automatisierungen gilt ein ähnliches Prinzip: Eine Berechtigung wird einmalig für einen exakt definierten Vorgang erteilt, lässt sich später einsehen und widerrufen, und sobald sich der Auftrag oder die Operation ändert, ist eine neue Freigabe fällig. Für den mobilen Zugriff unterscheidet die Software zwischen eingeschränktem und vollem Zugang, LAN-Verbindungen müssen explizit gepinnt werden, und frische Installationen blockieren ein nicht authentifiziertes Gateway im Netzwerk. Erweiterte Browser-Rechte erfordern eine Freigabe durch die Administration. Alle Details listet das Projekt in den Release Notes auf.

Die macOS-Version steht signiert und notarisiert als ZIP und DMG über GitHub bereit. Die neuen iOS- und Android-Distributionen folgen laut Projekt separat, Android-Nutzer:innen sollen für reguläre Updates vorerst bei ihrem bisherigen Installationskanal bleiben.

Fast sieben Wochen ohne Release

Bemerkenswert ist der Zeitraum. Zuvor hatte das Team nach eigenen Angaben 106 Releases in 230 Tagen ausgeliefert, meist im Abstand von ein bis zwei Tagen. Die knapp siebenwöchige Pause begründet Rudolph damit, dass Team und Arbeitsvolumen schneller gewachsen seien als das technische Fundament und die eigenen Auslieferungsprozesse. Beides habe man parallel überarbeitet. Zusätzlich Zeit gekostet habe der Anspruch, dass sowohl Neuinstallationen als auch Upgrades bestehender Installationen funktionieren.

Vom Wochenendprojekt zur Stiftung

OpenClaw ist längst kein Einzelfall mehr. Das Projekt des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger startete im vergangenen Herbst zunächst unter anderem Namen, ging danach viral und kommt inzwischen auf zweistellige Millionenwerte bei den monatlichen Website-Besuchen sowie Millionen aktiver Installationen, wie eine Analyse von Trending Topics zeigt. Steinberger selbst wechselte zu OpenAI, für die weitere Trägerschaft wurde eine OpenClaw Foundation gegründet.

Wer die Stiftung bezahlt

Die Foundation ist als US-amerikanische Non-Profit-Organisation nach Paragraf 501(c)(3) organisiert und hält das Repository, die Marke und die zugehörige Infrastruktur. Erklärtes Ziel ist es, OpenClaw unter MIT-Lizenz, offen und unabhängig zu halten. Den Vorsitz führt Dave Morin, die technische Richtung bleibt bei Steinberger, der trotz seines Wechsels zu OpenAI weiterhin die zentralen Entscheidungen trifft. Ergänzend hat die Stiftung mehrere Councils eingerichtet, die sich mit Agenten-Identität, Profilen, Evaluierungen und Unternehmenseinsatz befassen. In der eigenen Kommunikation beschreibt sich die Organisation als Schweiz der KI, also als neutraler Boden zwischen konkurrierenden Laboren und Modellen.

Finanziert wird der Betrieb über Spenden statt über ein Produkt. Als größter Geldgeber tritt laut Stiftung die University of Michigan auf, die zugleich ein Institute for Agentic Computing aufbaut. Dazu kommen Offline Holdings, die Lobster Computer Company sowie OpenAI, Microsoft und NVIDIA, die neben Geld auch Rechenleistung und Engineering-Ressourcen einbringen. Mehrere dieser Konzerne bauen selbst auf OpenClaw auf, NVIDIA etwa mit NemoClaw rund um die Nemotron-Modelle, Microsoft mit Scout. Einen kleineren, aber sichtbaren Teil steuern rund 300 Personen und Organisationen über GitHub Sponsors bei, meist mit wenigen Dollar im Monat. Konkrete Beträge oder abgestufte Sponsorenklassen legt die Stiftung nicht offen. Damit stammt der Großteil der Mittel von jenen Konzernen, gegenüber denen die Unabhängigkeit gewahrt werden soll, ein Spannungsverhältnis, das auch andere Open-Source-Stiftungen kennen.

Der Markt füllt sich

Genau dieser Erfolg hat eine ganze Reihe von Alternativen auf den Plan gerufen. Der prominenteste Herausforderer im Open-Source-Lager ist Hermes Agent von Nous Research, ebenfalls unter MIT-Lizenz. Hermes setzt auf eine Python-Laufzeit, die für einzelne Aufgaben aufgerufen wird, arbeitet direkt im Projektverzeichnis und lässt sich auf einem VPS oder serverlos betreiben. OpenClaw dagegen ist ein dauerhaft laufender Daemon in TypeScript mit Fokus auf Messaging-Kanäle. In Vergleichstests punktet Hermes vor allem beim Gedächtnis, wo eine Volltextsuche in SQLite den Kontextabruf drastisch beschleunigt, während OpenClaw mit über 20 angebundenen Nachrichtendiensten und dem Skill-Marktplatz ClawHub aufwartet.

Daneben positionieren sich Paperclip als Orchestrator für mehrere spezialisierte Agenten sowie die etablierten Frameworks LangGraph, AutoGen und CrewAI, die allerdings eher auf Entwickler:innen und Multi-Agenten-Szenarien zielen als auf persönliche Assistenz.

Deutlich mehr Gewicht bringen die großen Plattformen mit. Google arbeitet an einem persönlichen Agenten mit dem internen Namen Remy und hat dafür laut Berichten das Projekt Mariner eingestellt. Meta testet unter dem Namen Hatch. Microsoft hat mit Scout einen eigenen, auf OpenClaw aufbauenden Ansatz vorgestellt und rollt parallel Copilot Cowork aus. Anthropic ist mit Claude Code und Claude Cowork am Markt.

Den bislang direktesten Angriff auf dieselbe Nutzungslogik fährt OpenAI. Im Sommer stellte das Unternehmen gemeinsam mit GPT-5.6 den Agenten ChatGPT Work vor, der Aufgaben nicht beantwortet, sondern erledigen soll. Er zerlegt Vorhaben in Teilschritte, arbeitet über Apps und Dateien hinweg, bleibt bei Bedarf stundenlang an einem Projekt und liefert fertige Ergebnisse wie Präsentationen, Tabellen oder kleine Web-Apps. Dazu kommen ein eingebauter Browser für Recherchen, geplante Aufgaben samt Überwachung von Veränderungen und die direkte Steuerung von Desktop-Anwendungen. Abgerechnet wird über das jeweilige Abo, wobei aufwendige Aufträge stärker zu Buche schlagen als einfache Chat-Anfragen. Verwaltungen in Enterprise- und Edu-Tarifen können Ausgabenlimits setzen.

Die Stoßrichtung unterscheidet sich damit von OpenClaw: ChatGPT Work zielt auf Abteilungen in Unternehmen, von Vertrieb über Finanzen bis Engineering, und liefert Governance-Funktionen gleich mit. OpenClaw bleibt der lokal betriebene persönliche Assistent, der über Messenger erreichbar ist und dessen Daten auf der eigenen Hardware liegen. Die Grenze zwischen beiden Kategorien verschwimmt allerdings zusehends, gerade weil OpenClaw 2.0 Sitzungen nun ebenfalls in die Cloud auslagern kann.

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