Tractive: Mutterkonzern Bending Spoons soll Hälfte der Belegschaft streichen
Bei dem Paschinger Tier-Tracker-Anbieter Tractive könnte der anstehende Stellenabbau einen massiven Teil der Belegschaft betreffen. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen soll der neue Mutterkonzern Bending Spoons rund 160 Stellen bei Tractive streichen. Nach jüngsten Schätzungen könnte demnach mehr als die Hälfte des Personals betroffen sein. Dass der Kahlschlag 160 und damit etwas mehr als die Hälfte der rund 300 Mitarbeiter:innen betreffen soll, lässt der italienische Konzern unkommentiert.
Bending Spoons will “schlankere Organisation”
Tractive ist im Jahr 2012 an den Start gegangen. Das oberösterreichische Unternehmen hat sich mit seinen Tracking-Geräten für Haustiere einen Namen gemacht. In diesem Jahr kam es schließlich zum Exit. Der Käufer Bending Spoons, ein Unternehmen aus Italien, hat sich in den vergangenen Jahren durch eine aggressive Übernahmestrategie als einer der prominentesten europäischen Tech-Konsolidierer positioniert. Die Firma hat es sich auf die Fahne geschrieben, digitale Produkte zu kaufen und auf lange Sicht weiter zu betreiben.
„Nach dem Closing der Übernahme im Mai hat das Team von Bending Spoons das Unternehmen, die dahinterstehende Organisation und das Produktportfolio eingehend analysiert, um zu verstehen, wie Tractive sein volles Potenzial als führender Anbieter bei der Ortung und Gesundheitsüberwachung von Haustieren bestmöglich ausschöpfen kann. Dabei wurde deutlich, dass Tractive mit einer schlankeren Organisation langfristig fokussierter und flexibler agieren und so noch besser auf die Bedürfnisse seiner Community eingehen kann“, erklärte ein Unternehmenssprecher von Bending Spoons auf Anfrage von Trending Topics.
Mission von Tractive soll weitergehen
Bending Spoons hat keine Angaben zur Anzahl der Stellen gemacht, die nun wegfallen sollen. Laut dem italienischen Unternehmen haben die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeitenden die Möglichkeit, ein Abfindungspaket anzunehmen, das deutlich über den üblichen Branchenstandards liegen soll.
„Mit Blick auf die Zukunft bleibt Bending Spoons fest entschlossen, die Mission von Tractive weiter voranzutreiben und Haustierbesitzer:innen ein Höchstmaß an Sicherheit und Gewissheit zu bieten. Unsere Pläne sind ambitioniert: Wir wollen die Kernfunktionen von Tractive weiter ausbauen, neue Gerätegenerationen auf den Markt bringen und die Gesundheits- und Sicherheitsfeatures so weiterentwickeln, dass Haustierbesitzer:innen das Wohlergehen ihres Tieres jederzeit verlässlich verfolgen können“, heißt es von Bending Spoons.
Bending Spoons betreibt eigenen Angaben zufolge mit „Minerva“, „Juno“, „Xina“, „Matrix“ oder „Galf“ eigene proprietäre Software, um Bereiche wie Marketing, UX, Payments oder Analytics hochgradig automatisiert zu machen.
Kahlschlag betrifft Team aus rund 40 Nationen
Laut den mit der Angelegenheit vertrauten Personen sind bereits einige Firmen im Linzer Startup-Ökosystem bei den Entlassenen auf Talentsuche. Besonders bitter könnte der Kahlschlag für jene internationalen Mitarbeiter:innen sein, die wegen der Arbeit für Tractive nach Oberösterreich gezogen sind. Davon könnte es einige geben, schließlich hat Tractive im Jahr 2022 einen neuen Campus neben der PlusCity in Pasching eröffnet. Damals hat das Unternehmen angegeben, dass sein dortiges Team aus 40 verschiedenen Nationen stammte.
Es wäre für Bending Spoons nicht unüblich, Personal in großem Stil abzubauen. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit bekannte Tech-Brands wie WeTransfer und Vimeo übernommen. Laut TechCrunch hat Bending Spoons nach der WeTransfer-Übernahme etwa 75 Prozent der Belegschaft gestrichen. Auch bei Vimeo soll ein Großteil des Personals weggefallen sein.
Dieses Vorgehen stößt nicht nur auf Gegenliebe. So hat WeTransfer-Mitgründer Nalden das Unternehmen scharf kritisiert und behauptet, es würde sich nicht um die Menschen hinter den akquirierten Firmen kümmern.
Bei Tractive hat das frühere Management-Team zu diesem Zeitpunkt auch keinen Einfluss auf die Zukunft der Belegschaft. Mitgründer und CEO Michael Hurnaus hat das Unternehmen im Mai 2026 verlassen. Auch CFO Wolfgang Reisinger hat sich zurückgezogen. Besonders der schnelle Abgang von Hurnaus ist für einen Exit unüblich, in vielen Fällen gibt es hier zumindest eine Übergangsphase von ein paar Monaten.
