Gastbeitrag

USA stellen Pläne zur Krypto-Regulierung vor

© Mariia Shalabaieva on Unsplash
© Mariia Shalabaieva on Unsplash

Leena ElDeeb und Karim AbdelMawla sind Research Associates bei 21.co, einem Krypto-Asset-Manager aus der Schweiz. In diesem Gastbeitrag befassen sie sich mit den zukünftigen Krypto-Regulierungen in den USA und den Auswirkungen der Inflation auf  den Kryptomarkt.

Kurz nachdem die offiziellen Zahlen des US-Verbraucherpreisindex veröffentlicht wurden und eine Erhöhung der Inflation um 0,1 Prozent seit Juli anzeigten (und die jährliche Inflation auf 8,3 Prozent anstiegen ließen), war ein Einsacken der (Krypto-)Märkte zu beobachten: Bitcoin fiel im Laufe der letzten Woche um 15 Prozent, während Ethereum – einem erfolgreich abgeschlossenem „Merge“ zum Trotz – sogar um 26 Prozent einbrach. Auch die Renditen von Optimism, einer Scaling-Lösung, die die Transaktionsgeschwindigkeit von Ethereum verbessern soll, und der Staking-Plattform Lido, sackten um 35,5 und 20,5 Prozent ab.

Die Investor:innen sind aktuell auch außerhalb der Krypto-Industrie in einer äußerst bärischen Stimmung – das zeigen zumindest Daten der Bank of America und von MSCI: So halten Vermögensverwalter:innen so hohe Quoten an Bargeld, wie es zuletzt im Jahr 2001 der Fall war, während die Vermögensallokationen in Aktien so niedrig sind wie nie zuvor. Auch der von Technologiewerten dominierte Nasdaq erlebte seinen stärksten Einbruch seit März 20202.

Abbildung 1: 7-Tage-Preis– und TVL-Entwicklungen von Krypto-Assets in wichtigen Sektoren

1.PNG

Quellen: Coingecko, DeFi Llama, 21Shares

Hoffnungen auf Ethereum-Kursgewinn enttäuscht

Figure 2: Liquidationen in Zusammenhang mit Ethereum auf dem Terminmarkt

2.PNG
Quelle: Coinglass

Seit der Ankündigung der neuesten Inflationszahlen am 13. September und damit im zeitlichen Umfeld des „Merge“ wurden Etherum-Positionen im Wert von über 500 Millionen US-Dollar liquidiert – allen voran Long-Positionen, die in Erwartung eines Kursanstiegs von Ethereum abgeschlossen wurden.

On-Chain-Indikatoren

Abbildung 3: Entwicklung des Network Value to Transaction (NVT)Signals von Ethereum
3.PNG
Quelle: Glassnode
Das sogenannte NVT-Signal (NVTS) stellt eine modifizierte Version des ursprünglichen NVT (Network Value to Transaction)-Verhältnisses dar, das einen gleitenden Durchschnittswert der letzten 90 Tage zur Messung des Transaktionsvolumens eines Kryptoassets nutzt. Wie der aktuelle Stand der NVTS-Entwicklung zeigt, liegt Ethereum aktuell beim gleichen Wert wie während des letzten Bärenmarktes im Juni 2018, als das Kryptoasset eine Marktkapitalisierung von 73,9 Milliarden hatte. Diese stellt nur, 45 Prozent des heutigen Werts dar, wohingegen die tägliche Anzahl der Transaktionen heute 1,5 mal so hoch ist – ein Zeichen dafür, dass der Ethereum-Kurs deutlich stärker als seine Fundamentaldaten gestiegen ist.

USA mit Vorstoß in der Krypto-Regulierung

Die wohl bemerkenswerteste Krypto-Entwicklung dieser Woche stellt der von der US-Regierung vorgestellte Regulierungsrahmen dar – der erste offizielle Versuch, die Krypto-Assetklasse umfassend zu regulieren. Unter anderem legt das Regelwerk fest, dass die US-Strafverfolgungsbehörden mit dem globalen Sicherheitsapparat zur Verfolgung von Finanzstraftaten zusammenarbeiten sollen – insbesondere der Egmont Group, der internationalen Vereinigung von 166 Financial Intelligence Units. Das Rahmenwerk verweist auch auf eine Reihe von Berichten, die als weitere Orientierungshilfe bei der Ausarbeitung der jeweiligen Gesetzesentwürfe veröffentlicht werden sollen, darunter:

  • Das Office of Science and Technology Policy und die NSF (eine Behörde zur Unterstützung von Forschung) werden eine Forschungs- und Entwicklungsagenda für digitale Vermögenswerte entwickeln.
  • Im Oktober wird der Financial Stability Oversight Council einen Bericht veröffentlichen, der die Risiken digitaler Vermögenswerte für die Finanzstabilität erörtert, damit verbundene Regulierungslücken aufzeigt und zusätzliche Empfehlungen zur Förderung der Finanzstabilität ausspricht.
  • Das Finanzministerium wird bis Ende Februar 2023 eine Risikobewertung der illegalen Finanzierung im Bereich der dezentralen Finanzierung und bis Juli 2023 eine Bewertung der NFTs ausarbeiten.
Eine weitere Regulierungsmaßnahme könnte auch von der US-Börsenaufsicht und ihrem Vorsitzenden Gary Gensler kommen: Dieser äußerte Bedenken bezüglich des Proof-of-Stake-Konsensverfahrens von Ethereum und gab zu bedenken, dass es von der SEC als Wertpapier betrachtet werden könnte. Sollte dies zur offiziellen Policy der SEC werden, wäre Ethereum aufgrund der Anforderungen des Anlegerschutzes zu einer vollständigen Offenlegung gegenüber der SEC verpflichtet ist.

Ethereum-Forks nach Merge nicht erfolgreich

Der Merge, das wichtigste Upgrade des zweitgrößten Krypto-Assets Ethereum, ist am 15. September erfolgreich und ohne Störungen über die Bühne gegangen. Die Umstellung erfolgte ohne negative Auswirkungen auf die DeFi-Märkte. Dennoch gingen zwei Proof-of-Work-Forks – das sind neue Blockchains – live, die Minern ermöglichten sollten, ihre Rechner wie vor dem Merge für Validierungen von Transaktionen zu nutzen.

ETHW, ein von Chandler Guo angeführter Fork, ist bereits live gegangen, während ihr Gegenstück ETF (Ethereum Fair), der von einer Gruppe chinesischer Nutzer ins Leben gerufen wurde und von Justin Sun von der Tron-Stiftung unterstützt und finanziert wird, kurz darauf hinzukam. Leider wurden die Forks im Wert dezimiert, nachdem sie bei ihrer Einführung auf mehrere technische Hürden stießen. Auch die Krypto-Börsen sind aktuell geteilter Ansicht darüber, welche Forks sie unterstützen wollen.
So werden Bybit, Kraken und FTX lediglich den Handel mit ETHW ermöglichen, während PoloniexHuobi und Gate.io auch den ETF-Handel erlauben werden. Parallel dazu war auf alternativen Krypto-Projekten auf Proof-of-Work-Basis – darunter RVN und ETC (Ethereum Classic) – ein sprunghafter Anstieg der Hash-Raten zu beobachten, da ETH-Miner nach dem Merge begannen, andere Nutzungsmöglichkeiten für ihre Mining Rigs zu suchen – ein Trend, auf den wir im vergangenen Monat aufmerksam gemacht haben.

DeFi – Das dezentrale Finanzwesen des Web3

Abbildung 4: Performance der Top 10-DeFi-Assets in der letzten Woche
4.PNG
Quellen: Coingecko, 21Shares
Die Lending-Plattform MakerDAO versucht, ihre Abhängigkeit von der zentralisierten Stablecoin USDC zu reduzieren. So gab das Unternehmen Maker bekannt, seine Verschuldungsobergrenze für seinen Vorrat an Staked Ether (stETH) zu verdoppeln. MakerDAO ist die weltweit größte App für dezentrale Finanzanwendungen.

Non-fungible-Token (NFTs) und das Metaverse

Abbildung 5: NFT-Handelsvolumen pro Chain
5.PNG
Quellen: Dune Analytics, 21Shares

 

Wie wir immer wieder betonen – Bärenmärkte sind eine Phase, in denen Aufbau und Investition stattfindet, aber auch neue Innovationen erprobt werden: Dazu gehört das Konzept von Miet-NFTs: Diese bot das NFT-Vermietungsprotokoll Rentable an, das seine Geschäfts nun aufgrund mangelnder Nachfrage eingestellt hat. OpenSea hingegen beginnt erst mit der Erprobung eines neuen Projekts: OpenRarity, ein neues NFT-Protokoll, das standardisierte mathematische Algorithmen einführt, die Seltenheitsattribute unabhängig von der Projektgröße und -popularität gleichmäßig zuweisen. Der NFT- Entwickler Doodles hingegen profitiert bereits von seinem Geschäftsmodell: Das Unternehmen sammelte in einer Finanzierungsrunde 54 Millionen Dollar ein und ist nun mit 704 Millionen Dollar bewertet und will in die Musik-, Kultur- und Unterhaltungsbranche vordringen.

Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) wird Kunstwerke im Wert von 70 Millionen Dollar versteigern und den Erlös für den Erwerb von NFTs verwenden, um die digitale Reichweite des Museums zu vergrößern. Ein Sci-Fi-NFT-Comic, 2142, soll auf dem NFT-Marktplatz OpenSea erscheinen. Obwohl es sich dabei nicht um das erste Sammlerstück seiner Art handelt, behaupten die Entwickler, dass sie das Sammleruniversum dezentralisieren und nach dem Zufallsprinzip aufbauen, um „Flipper“ zu vermeiden, d. h. User, die den Comic-NFT in der Hoffnung auf große Gewinne kaufen würden. 2142 wird in Paketen verkauft. Die User müssen insgesamt 15 bis 20 Pakete kaufen, um die erste 34-seitige Comic-Ausgabe zu erhalten. Mindestens 15 Pakete werden benötigt, um eine Figur, einen Ort oder einen Gegenstand aus dem 2142-Universum zu erhalten, die dann für die Erstellung neuer, fünfseitiger Spin-Off-Webcomics verwendet werden können.

Rechtliche Hinweise:

Das in diesem Beitrag enthaltene Material dient ausschließlich Informationszwecken. 21.co und die verbundenen Unternehmen empfehlen keine Maßnahmen auf der Grundlage dieser Informationen. Das Material ist weder als Angebot oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, noch als Anlageberatung auszulegen. Darüber hinaus stellen diese Informationen keine Zusicherung dar, dass die hier beschriebenen Anlagen für eine Person geeignet oder sinnvoll sind. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für künftige Kursentwicklungen.

Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Jobs

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Podcast: Mit den smartesten Köpfen im Gespräch

Der Podcast von Trending Topics und Tech & Nature

Investment-Tracker 2022

Alle Finanzierungsrunden (€ 1 Mio. +) in österreichische Startups und Scale-ups

Europe's Top Unicorn Investments 2022

The full list of companies that reached a valuation of € 1B+ this year
© Behnam Norouzi on Unsplash

Crypto Investment Tracker 2022

The biggest deals in the industry, ranked by Trending Topics
Burning Money. © Jp Valery on Unsplash

Megatrend Inflation

Die Geldentwertung & die Mittel dagegen

NFTs

Der Boom, das Business & die Blase

Digitale Identität

Der große Themenschwerpunkt zur (de-)zentralen Zukunftstechnologie
ThisisEngineering RAEng on Unsplash

Technology explained

Powered by PwC
Die Finalisten des i2b-Wettbewerbs auf der Bühne des Erste Campus. © Trending Topics

i2b Businessplan-Initiative

Österreichs größter Businessplan-Wettbewerb

Weiterlesen