Wictory: Wiener SportsTech übernimmt texanisches Startup für US-Markteintritt
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Das Wiener Startup Wictory übernimmt die texanische Serviceplattform The Sports Nutrition Playbook und holt damit mehr als 30 Sportdiätolog:innen sowie ein über US-Krankenversicherungen abrechenbares Geschäftsmodell an Bord. Das gaben die Gründer soeben bekannt. Die genauen Deal Terms bleiben vertraulich.
Formal firmiert der Zusammenschluss als Fusion, operativ liegt die Führung aber bei den Österreichern: Wictory übernimmt das Geschäft der US-Sportdiätologin Amy Goodson, das künftig unter dem Dach von Wictory.com weitergeführt wird. Das Startup wechselt damit auch die Domain, bisher war es als Wictory.ai unterwegs. Alle bestehenden Shareholder bleiben laut Unternehmensangaben an Bord.
Abrechnung über die Versicherung als Hebel
Gekauft wird in erster Linie Marktzugang. The Sports Nutrition Playbook wurde 2023 von Goodson in Frisco, Texas, gegründet und bietet evidenzbasierte Ernährungsberatung für Profi-, College-, Nachwuchs- und Breitensportler:innen. Entscheidend für Wictory ist das dahinterliegende Abrechnungsmodell: Ernährungscoaching kann in den USA unter bestimmten Voraussetzungen über die Krankenversicherung abgerechnet werden, für die Nutzer:innen fallen dann keine Kosten an.
Wictory beziffert die Zahl der anspruchsberechtigten US-Amerikaner:innen mit mehr als 70 Millionen. Als ersten Fokusmarkt nennt das Unternehmen den US-Nachwuchssport, den es mit rund 40 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Der Schritt beschleunigt den kommerziellen Markteintritt in den USA erheblich, weil Wictory damit auf ein bestehendes Netzwerk an Diätolog:innen und auf eingespielte Abrechnungswege zugreifen kann, statt beides selbst aufbauen zu müssen.
Wearable-Daten und agentische KI
Wictory wurde 2024 von Klaus Müller und Markus Unterweger gegründet und positioniert sich als digitale Coaching-Plattform rund um Training, Regeneration und Ernährung. Die Software bündelt nach Angaben des Unternehmens Echtzeitdaten von über 100 Wearables, dazu Blutwerte, Foto-Food-Logging, Audio-Inputs und Regenerationstracking, und verarbeitet sie in einem selbst entwickelten „System of Intelligence“. Der Anspruch dahinter: Die agentische KI übernimmt die Routinearbeit der Datenauswertung, die Diätolog:innen bleiben für die fachliche Betreuung zuständig.
Müller ist Seriengründer und ehemaliger Google-Mitarbeiter, Unterweger ist KI-Architekt und früherer österreichischer Biathlon-Meister. Amy Goodson, MS, RD, CSSD, LD, übernimmt im gemeinsamen Unternehmen die Rolle der Chief Nutrition Officer. Sie hat nach eigenen Angaben mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Beratung von Sportorganisationen, darunter die Dallas Cowboys, die Texas Rangers, die PGA Tour und TCU Athletics, und tritt regelmäßig als Expertin in US-Medien auf.
Anschlussfinanzierung von bestehenden Investor:innen
Finanziert wird der Schritt über eine Anschlussfinanzierung bestehender Stakeholder aus dem Sport-Ökosystem. Kurz nach dem Start hatte Wictory eine Pre-Seed-Runde im mittleren sechsstelligen Bereich von fünf Business Angels eingesammelt, darunter Ski-Weltmeister Michael Walchhofer, Eversports-Gründer Hanno Lippitsch, der frühere MediaMarktSaturn-Innovationschef Martin Wild und Karl Lux (Trending Topics berichtete). Walchhofer beteiligt sich laut Aussendung auch an der aktuellen Runde. Zur Höhe macht das Unternehmen keine Angaben.
Zuletzt hatte sich Wictory zwei Türöffner gesichert: Anfang des Jahres wurde das Startup für die AI:AT Factory ausgewählt, Österreichs Leitprojekt für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz. Kürzlich folgte die Aufnahme in Batch 6 des globalen Plug-and-Play-Sportstech-Accelerators, der explizit auf die US-Expansion einzahlen soll.

