Nvidia kauft Hugging Face, um seine Open-Weights-Strategie zu stärken
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Nvidia übernimmt Hugging Face. Der Chipkonzern zahlt für die Plattform, auf der ein Großteil der offenen KI-Modelle der Welt liegt, exakt 12.930.300.000 Dollar. CEO Jensen Huang hat den Kauf soeben in einem Blogpost bestätigt und dabei auch erklärt, warum Nvidia diesen Betrag aufruft und was mit Hugging Face nun geschehen soll. Über einen möglichen Verkauf in dieser Größenordnung war zuvor bereits berichtet worden.
Die Begründung: Reichweite plus Infrastruktur
Huang stellt in seiner Argumentation zunächst die Größe der Plattform in den Vordergrund. Mehr als 18 Millionen Entwickler:innen, Forscher:innen und Kreative nutzen Hugging Face laut seinen Angaben, um über drei Millionen Modelle, 500.000 Datensätze und eine Million Anwendungen zu teilen. Mehr als 200.000 Unternehmen setzen die Plattform ein, um KI-Modelle zu finden, zu bewerten, anzupassen und auszurollen. Gegründet wurde das Unternehmen von Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf.
Über die Gründer:innen und ihr Werk schreibt Huang: „Im vergangenen Jahrzehnt haben Clem, Julien, Thomas und das Team bei Hugging Face etwas Bemerkenswertes geschaffen: ein lebendiges Zuhause für die Community der Entwickler:innen offener Modelle.“
Sein Argument für die Übernahme: Was Hugging Face fehle, sei nicht die Community, sondern die Infrastruktur, um diese Community in einem weiteren Maßstab zu bedienen. „Während sich die Chance für offene Modelle beschleunigt, kann Hugging Face die globale KI-Community in einem beispiellosen Ausmaß bedienen“, so Huang. Nvidias Infrastruktur, Engineering-Ressourcen und globale Präsenz könnten helfen, „Zuverlässigkeit, Sicherheit, Modellevaluierung, Inferenz und Deployment-Fähigkeiten der Plattform zu verbessern, und dabei jenes offene Ökosystem bewahren, das Hugging Face grundlegend gemacht hat“.
Huang beschreibt den Deal zudem als Initiative des Verkäufers: „Ich fühle mich geehrt, dass Clem auf mich zugekommen ist, als er über das nächste Kapitel von Hugging Face nachdachte, und dass er Nvidia für ein großartiges Zuhause für das Unternehmen, seine Community und die Zukunft offener Modelle hielt.“
Der Bezug zur Open-Weights-Strategie
Der Kauf fügt sich in eine Positionierung ein, die Nvidia seit Monaten aufbaut. Huang hatte kürzlich einen offenen Brief zur Bedeutung offener Gewichte für die KI-Wirtschaft mitunterzeichnet, gemeinsam mit Vertreter:innen zahlreicher anderer Unternehmen. Die Kernaussage fasst er so zusammen: „Offene Gewichte verbreitern den Zugang zu KI und helfen sicherzustellen, dass KI-Führerschaft über Unternehmen, Institutionen und Communities hinweg verteilt ist.“ Offene Modelle erlaubten es Startups, Unternehmen, Universitäten und öffentlichen Einrichtungen, „auf fortgeschrittenen Fähigkeiten aufzubauen, ohne jedes Modell von Grund auf neu zu trainieren“, und die Technologie so bis in „Fabriken, Krankenhäuser, Bauernhöfe, Klassenzimmer und Geschäfte an jeder Hauptstraße der Welt“ zu tragen. Sein knappstes Argument lautet: „KI kommt schneller voran, wenn Menschen gemeinsam bauen können.“ Der Streit um diese Frage verläuft quer durch die Branche, mit durchaus widersprüchlichen Positionen bei einzelnen Akteur:innen.
In seinem Blogpost listet Huang auf, was Nvidia bislang beigetragen hat: mehr als 500 veröffentlichte Modelle und mehr als 250 offene Datensätze auf Hugging Face, womit der Konzern nach eigener Darstellung der größte Beitragende offener Modelle und Daten auf der Plattform ist. Flankiert wird das von einem angekündigten Investment von 26 Milliarden Dollar über fünf Jahre in die Entwicklung offener Modelle.
Der strategische Hintergrund dabei: Nvidias Marktposition beruht nicht allein auf Hardware, sondern auf dem über zwei Jahrzehnte gewachsenen Software-Ökosystem CUDA. Offene Modelle, die auf Nvidia-Hardware optimiert sind und über den größten Verteilkanal der Branche ausgeliefert werden, verlängern diesen Vorsprung in eine Zeit, in der Alternativen wie AMDs ROCm und hardwareunabhängige Compiler an Boden gewinnen. Mit Hugging Face kauft Nvidia genau diesen Verteilkanal.
Wie es mit Hugging Face weitergeht
Huang macht in seinem Text mehrere konkrete Zusagen. „Hugging Face wird eine offene Plattform für das gesamte KI-Ökosystem bleiben“, schreibt er. „Entwickler:innen werden die Modelle wählen, die sie wollen, die Frameworks, die sie wollen, die Clouds und Inferenzanbieter, die sie wollen, und die Rechenplattformen, die sie wollen.“ Und ausdrücklich: „Nvidia-Compute wird nicht erforderlich sein, um auf Hugging Face zu bauen oder darüber auszuliefern.“ Auch die Unterstützung für Open-Source- und Open-Weight-Modelle sämtlicher Anbieter soll bestehen bleiben, ebenso Multi-Cloud- und Multi-Accelerator-Deployments.
Das Team bleibt an Bord, die Marke bleibt bestehen: Die Hugging-Face-Mannschaft werde „ihre Leidenschaft und Expertise nun auf eine viel größere Leinwand bringen, mit derselben ikonischen Marke“, so Huang. Formal ist der Deal damit allerdings noch nicht abgeschlossen: Eine Übernahme dieser Größenordnung durch den derzeit dominierenden KI-Chipkonzern dürfte kartellrechtlich geprüft werden, und in Teilen der Open-Source-Community wird bereits diskutiert, wie neutral eine Plattform bleiben kann, die einem Hardwarehersteller gehört.
Nvidia war an Hugging Face bereits vor der Übernahme beteiligt. Bei der letzten größeren Finanzierungsrunde vor rund drei Jahren wurde das Unternehmen mit 4,5 Milliarden Dollar bewertet, damals stiegen neben Nvidia unter anderem Salesforce, Google, Amazon, AMD, Intel, Qualcomm und IBM ein.

