Kampf

USA zahlen eine Milliarde Dollar, damit TotalEnergies Offshore-Windkraft aufgibt

Offshore wind turbines. © Total Energies
Offshore wind turbines. © Total Energies

Trumps Kampf gegen Windräder ist ziemlich teuer: Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat eine höchst ungewöhnliche Vereinbarung mit dem französischen Energiekonzern TotalEnergies getroffen: Das Unternehmen gibt seine beiden Offshore-Wind-Lizenzen vor der amerikanischen Ostküste zurück und erhält dafür eine Erstattung von rund 928 Millionen Dollar, sofern es diesen Betrag zuvor in fossile Energieprojekte in den USA investiert. Die Vereinbarung wurde am 23. März 2026 vom US-Innenministerium bekanntgegeben.

Die Vereinbarung im Detail

TotalEnergies hatte 2022 zwei Offshore-Wind-Lizenzen erworben: eine für das Projekt „Carolina Long Bay“ vor der Küste North Carolinas für rund 133 Millionen Dollar sowie eine weitere im Gebiet „New York Bight“ vor New York und New Jersey für 795 Millionen Dollar. Zusammen sollten die Projekte mehrere Gigawatt sauberer Energie erzeugen und Hunderttausende Haushalte versorgen.

Im Rahmen der neuen Vereinbarung verpflichtet sich TotalEnergies, rund 928 Millionen Dollar in folgende Projekte zu investieren:

  • Den Ausbau der Züge 1 bis 4 der Rio-Grande-LNG-Anlage in Texas
  • Die Erschließung konventioneller Ölvorkommen im Golf von Amerika
  • Die Entwicklung von Schiefergasproduktion in den USA

Nach Abschluss dieser Investitionen erstattet die US-Regierung TotalEnergies den entsprechenden Betrag, maximal in Höhe der ursprünglich gezahlten Lizenzgebühren. Zusätzlich hat sich das Unternehmen verpflichtet, in den USA keine neuen Offshore-Wind-Projekte mehr zu entwickeln.

TotalEnergies begründet den Schritt

Konzernchef Patrick Pouyanné erklärte die Entscheidung in einer offiziellen Stellungnahme:

„TotalEnergies freut sich, diese Vergleichsvereinbarungen mit dem Innenministerium zu unterzeichnen und die Energiepolitik der Regierung zu unterstützen. Da die Entwicklung von Offshore-Wind-Projekten nicht im Interesse des Landes liegt, haben wir beschlossen, auf die Offshore-Wind-Entwicklung in den USA zu verzichten, im Austausch gegen die Erstattung der Lizenzgebühren. Diese Vereinbarungen, im Rahmen derer wir die erstatteten Lizenzgebühren in den Bau der 29-Mt-Rio-Grande-LNG-Anlage und in die Entwicklung unserer Öl- und Gasaktivitäten reinvestieren, ermöglichen es uns, die Entwicklung der US-Gasproduktion und des Exports zu unterstützen. Diese Investitionen werden dazu beitragen, Europa mit dringend benötigtem LNG aus den USA zu versorgen und Gas für die Entwicklung von US-Rechenzentren bereitzustellen. Wir sind der Ansicht, dass dies eine effizientere Verwendung von Kapital in den Vereinigten Staaten ist“, so Patrick Pouyanné, Vorstandsvorsitzender von TotalEnergies.

Reaktionen aus Politik und Umweltschutz

Innenminister Doug Burgum begrüßte die Einigung als Erfolg für die amerikanischen Verbraucher. Kritik kam hingegen von demokratischen Gouverneuren betroffener Bundesstaaten. New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul bezeichnete die Vereinbarung als „Pay-not-to-play-Schema“ und einen „ungeheuerlichen Missbrauch von Steuergeldern“. North Carolinas Gouverneur Josh Stein nannte den Deal „ein schreckliches Geschäft für die Menschen in North Carolina und unser Land“.

Umweltorganisationen reagierten scharf. Lena Moffitt von der Organisation Evergreen Action kommentierte: „Nachdem Trump immer wieder vor Gericht mit seinen illegalen Baustopps gescheitert ist, hat er einen anderen Weg gefunden, Offshore-Wind zu erdrosseln: Er zahlt Unternehmen dafür, dass sie sich zurückziehen.“ Ted Kelly vom Environmental Defense Fund sprach von einem „ungeheuerlichen Missbrauch von Steuergeldern“, der Amerikanern den Zugang zu sauberer und erschwinglicher Energie verwehre.

Hintergrund: Trumps Kurs gegen Offshore-Wind

Die Trump-Regierung hatte seit Amtsantritt versucht, den Ausbau der Offshore-Windenergie zu stoppen. Mehrfach erließ sie Baustopps für große Windparkprojekte an der Ostküste, die jedoch von Bundesgerichten wiederholt aufgehoben wurden. Parallel dazu setzt die Regierung auf eine Ausweitung der Öl-, Gas- und Kohleförderung, die sie als Schlüssel zu niedrigeren Energiepreisen und globaler Wettbewerbsfähigkeit im Bereich künstliche Intelligenz bezeichnet.

Noch am selben Tag, an dem die Vereinbarung mit TotalEnergies bekanntgegeben wurde, meldete der Energieversorger Dominion Energy, dass sein Offshore-Windpark „Coastal Virginia Offshore Wind“ erstmals Strom ins Netz eingespeist hat. TotalEnergies ist weiterhin an großen Offshore-Windprojekten in Europa und Asien beteiligt.

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