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Scale-up-Lücke wirkt bis zur Börse: Immer weniger europäische IPOs

IPO-Graffiti an der Wand. © Dall-E 3
IPO-Graffiti an der Wand. © Dall-E 3

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Europa bringt innovative Startups hervor, doch beim Wachstum und bei der Kapitalbeschaffung stoßen sie im eigenen Binnenmarkt an Grenzen. Sichtbar wird das an der Börse: Während die USA zuletzt mehrere prominente Neuemissionen verzeichneten, blieben vergleichbare Listings in Europa die Ausnahme. Zahl und Wert europäischer Börsengänge sind im vergangenen Jahrzehnt gesunken, und wer den Schritt aufs Parkett wagt, ist im internationalen Vergleich meist klein.

Eine neue Studie mit dem Titel „How to revive Europe’s stock market listings“ von Bertelsmann Stiftung, Centre for European Reform und Jacques Delors Centre führt diesen Befund auf eine Lücke zurück, die vor dem Listing entsteht. Europa habe ein Scale-up-Problem, das an der Börse lediglich sichtbar werde.

72 Prozent der Emissionen unter 100 Millionen Euro

Die Zahlen der Studie zeichnen ein deutliches Bild. Zwischen 2014 und 2025 lag der Wert der ausgegebenen Aktien bei 72 Prozent der europäischen Börsengänge unter 100 Millionen Euro. In den USA traf das auf 49 Prozent der Emissionen zu. Eine Marktkapitalisierung von mindestens einer Milliarde Euro erreichten beim Börsengang zwölf Prozent der europäischen Unternehmen, in den USA waren es 29 Prozent.

Starke Aktienmärkte erfüllen aus Sicht der Autor:innen eine doppelte Funktion: Sie versorgen vielversprechende Unternehmen mit Kapital und eröffnen Wagniskapital- und Private-Equity-Investor:innen einen Exit-Kanal, über den Mittel in die nächste Gründungsgeneration zurückfließen. Dass europäische IPOs klein bleiben, wirkt damit auf die gesamte Finanzierungskette zurück. Dass Europa im internationalen IPO-Vergleich zurückfällt, zeigte sich bereits in der Jahresbilanz 2025, als Asien und die USA deutlich zulegten.

Skepsis gegenüber schnellen Lösungen

Vorschläge, die Zulassungsanforderungen zu senken oder eine gemeinsame europäische Börse zu schaffen, greifen der Studie zufolge zu kurz. Beides adressiere die Symptome, während die Ursache in der Unternehmensgröße und in der Finanzierung späterer Wachstumsphasen liege.

Claudia-Dominique Geiser, Senior Expert für EU-Wirtschaftspolitik bei der Bertelsmann Stiftung, formuliert es so: „Für bessere öffentliche Aktienmärkte in Europa ist die richtige Diagnose entscheidend: Europas Unternehmen sind zu klein, wenn sie an die Börse gehen. Mehr Börsengänge zu fördern und die Zulassungsanforderungen zu senken, schafft nicht automatisch mehr Liquidität und zieht auch nicht zwangsläufig institutionelle Investoren an. Europa muss seinen Unternehmen zuerst helfen, zu wachsen.“

Auch gegenüber dem Konzept einer paneuropäischen Börse äußert sich die Studie zurückhaltend. Marlene Schoerner, Policy Fellow für EU-Finanzmärkte am Jacques Delors Centre, sagt: „Eine gesamteuropäische Börse mag attraktiv erscheinen, würde das Pferd aber von hinten aufzäumen. Fragmentierte Regulierung und Infrastruktur machen den grenzüberschreitenden Handel weiterhin teuer.“ Marktgetriebene Konsolidierungsansätze gibt es bereits: In Skandinavien prüfen mehrere Länder eine gemeinsame große Börse.

Drei Handlungsfelder für EU und Mitgliedstaaten

Die Studie empfiehlt EU und Mitgliedstaaten, sich auf drei Bereiche zu konzentrieren:

  • Ersparnisse mobilisieren: Rentenreformen und ein höherer Anteil privater Aktienanlagen könnten mehr Haushaltsvermögen in Aktien lenken. Das würde Bewertungen und Liquidität verbessern und Unternehmen beim Wachstum unterstützen.
  • Fragmentierung verringern: Eine marktgetriebene Integration der europäischen Börsen würde die Liquidität erhöhen und größere Börsengänge anziehen, die sich langfristig auch an europäischen Märkten halten lassen. Die Politik solle zudem einen gesamteuropäischen Wachstumsmarkt für junge Unternehmen prüfen.
  • Mehr börsenreife Unternehmen hervorbringen: Dazu zählen die Vollendung des Binnenmarkts, mehr Wachstumskapital für spätere Finanzierungsphasen und Anreize für größere, hochwertige Börsengänge.

Verbindung zu Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität

Die Autor:innen ordnen die Belebung des europäischen IPO-Marktes in die laufende Debatte über Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität ein. Europa müsse den Innovationskreislauf schließen, von der Gründung über Wachstum und Börsengang bis zur Finanzierung der nächsten Unternehmensgeneration.

James Green, Research Fellow beim Centre for European Reform, sagt dazu: „Talente und Ausbildung bilden vielleicht das Fundament für Innovation, doch ein gut funktionierendes Risikokapital-Ökosystem ist ihr Treibstoff. Wenn die Politik Europas Technologie-Ökosystem stärkt, das für Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität entscheidend ist, darf sie einen wichtigen Teil des Puzzles nicht vergessen: gut funktionierende öffentliche Aktienmärkte.“

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