Exein: Römisches Security-Startup für Roboter wird mit 1,7 Milliarden Dollar bewertet
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Das römische Cybersecurity-Unternehmen Exein hat soeben eine Finanzierungsrunde über 270 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Die Bewertung liegt bei 1,7 Milliarden US-Dollar, womit das Unternehmen zu den wertvollsten Cybersecurity-Anbietern Europas zählt. Tech.eu bezeichnet Exein nach der Runde als wertvollstes Cybersecurity-Scaleup des Kontinents. Angeführt wird die Series C von Headline.
Beteiligt sind außerdem Sofina, Goldman Sachs, die Europäische Investitionsbank über die European Tech Champions Initiative, der von KfW Capital beratene Wachstumsfonds Deutschland sowie T.Capital, der strategische Investmentarm der Deutschen Telekom. Die Bestandsinvestoren Balderton, HV, Intrepid Growth Partners, 33N Ventures, Lakestar, Supernova Invest, Blue Cloud Ventures und Geodesic Capital ziehen mit. Laut Unternehmensangaben war die Runde deutlich überzeichnet. Parallel dazu wird die bestehende revolvierende Kreditlinie unter Führung von J.P. Morgan aufgestockt, die KfW kommt als zusätzliche Kreditgeberin hinzu.
Die Wachstumszahlen, die Exein nennt: Die Bewertung ist innerhalb von zwei Jahren auf das 30-Fache gestiegen, der wiederkehrende Jahresumsatz (ARR) lag im ersten Halbjahr 2026 viermal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Rund die Hälfte des Umsatzes stammt aus dem asiatisch-pazifischen Raum, weitere Märkte sind Europa und die USA. Seit der vorangegangenen Finanzierungsrunde im Dezember des Vorjahres hat das Unternehmen seinen APAC-Hauptsitz in Taiwan eröffnet.
Was Exein macht
Exein sichert Maschinen ab, die Software direkt auf dem Gerät ausführen: Industrieroboter, Drohnen, autonome Fahrzeuge, Medizingeräte, Energie- und Halbleiterinfrastruktur. Der technische Ansatz setzt auf der Ebene an, auf der Code tatsächlich läuft, also in der Firmware und zur Laufzeit, statt im Netzwerk oder in der Cloud. Nach eigenen Angaben ist die Technologie auf mehr als zwei Milliarden vernetzten Geräten im Einsatz.
Kern des Produktportfolios ist Photon, eine Runtime-Sicherheitsarchitektur, die Exein Anfang des Jahres vorgestellt hat. Sie arbeitet auf Kernel-Ebene und soll schädliche Codeausführung blockieren, bevor ein Angriff Wirkung entfaltet. Für autonome Systeme ist das relevant, weil dort in Millisekunden reagiert werden muss und ein menschlicher Eingriff praktisch ausfällt.
Auf dieser Datenbasis baut Exein ein eigenes Foundation Model, das seit zwei Jahren in Entwicklung ist. Trainiert wird es mit Maschinentelemetrie aus dem installierten Gerätepark, also mit Daten darüber, wie Maschinen im Betrieb arbeiten. Gesteuert werden sollen damit autonome Sicherheitsagenten, die Systeme selbstständig analysieren und absichern. Die agentische Sicherheitsarchitektur soll bis Ende 2026 vorgestellt werden, die Foundation Models sind für das erste Quartal 2027 angekündigt.
Den Bedarf begründet das Unternehmen mit der eigenen Telemetrie: Rund 5.000 neue, nicht wiederkehrende Angriffe registriert Exein nach eigenen Angaben inzwischen wöchentlich im eigenen Netzwerk, fünfmal so viele wie ein Jahr zuvor. Gründer und CEO Gianni Cuozzo formuliert die These so: „KI verlagert sich aus der Cloud in die physische Welt. Das ist der Übergang, für den Exein gegründet wurde.“ Frontier Models würden das Zeitfenster für Patches auf null reduzieren, entsprechend schnell müsse die Abwehr arbeiten.
Mit dem frischen Kapital will Exein die Expansion in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum beschleunigen, Mitarbeitende, Kund:innen und Partnerschaften in den USA aufbauen und ein Büro in der San Francisco Bay Area eröffnen. Zukäufe schließt das Unternehmen nicht aus. Neben dem Hauptsitz in Rom unterhält Exein eine deutsche Niederlassung in Karlsruhe.
Europas Physical-AI-Runden werden größer
Die Runde fällt in eine Phase, in der europäische Investor:innen und Konzerne ungewöhnlich viel Kapital in Maschinen mit KI an Bord lenken. Den bisher größten Posten setzte Neura Robotics aus Metzingen: Das Unternehmen gab im Frühsommer eine Series C von bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar bekannt, nach eigenen Angaben die größte Finanzierungsrunde eines Full-Stack-Robotikunternehmens überhaupt. Auf der Investorenliste stehen Tether, Qualcomm Technologies, Amazon, NVIDIA, imec.xpand, Bosch, Schaeffler, die Europäische Investitionsbank, Lingotto Horizon und InterAlpen Partners. Das Kapital soll in den Aufbau einer Physical-AI-Plattform fließen, inklusive humanoider Roboter.
Im Sommer folgte das Londoner Unternehmen Humanoid, das 133 Millionen Euro in einer Series A bei einer Post-Money-Bewertung von 1,1 Milliarden Euro aufnahm, angeführt von Prime Movers Lab und ebenfalls mit Bosch und Schaeffler an Bord. Das Modell HMND 01 fährt auf Rädern statt auf zwei Beinen, was die europäische Zertifizierung beschleunigen soll.
Aus Zürich kam zuletzt Gravis Robotics dazu, eine ETH-Ausgründung, die 200 Millionen US-Dollar von SoftBank bei rund einer Milliarde Dollar Bewertung erhielt. Das Unternehmen rüstet bestehende Bagger und Erdbewegungsmaschinen mit Sensorik, Rechenhardware und Software nach. Kleinere Runden zeigen die Breite des Felds: Das italienische Startup Generative Bionics sammelte 70 Millionen Euro ein, unter anderem von Tether, und die deutsche Sensorikplattform Flexoo holte elf Millionen Euro.
Exein besetzt in diesem Feld eine andere Position als die Roboterbauer: Je mehr autonome Maschinen in Fabriken, auf Baustellen und im Verkehr unterwegs sind, desto größer wird der Markt für deren Absicherung. Clarey Zhu, Partnerin bei Headline, argumentiert entsprechend, der Schutz der physischen Welt werde zu einer der zentralen Cybersecurity-Aufgaben des kommenden Jahrzehnts. Auch die Deutsche Telekom begründet ihr Investment mit dem eigenen IoT-Geschäft: Mit Physical AI verlagerten sich geschäftskritische Anwendungen direkt auf die Geräte, sagt Christian Schwalbe, CEO von Deutsche Telekom IoT, womit die Absicherung von Geräten und Firmware an Gewicht gewinne.
