Hugging Face fordert von OpenAI Rechenleistung im Wert von 100 Millionen Dollar
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Nach dem Einbruch von OpenAI-Modellen in die Systeme von Hugging Face stellt die KI-Plattform nun konkrete Forderungen an den ChatGPT-Hersteller. Hugging-Face-CEO Clément Delangue verlangt von OpenAI Rechenleistung im Wert von 100 Millionen Dollar sowie die Offenlegung sämtlicher Ausführungsprotokolle der beteiligten KI-Agenten. Im Hintergrund der Auseinandersetzung steht ein Konzern, der mit beiden Unternehmen eng verbunden ist: Nvidia, großer Investor bei OpenAI und neuer Eigentümer von Hugging Face.
Zwei Forderungen an OpenAI
Wie TechCrunch berichtet, fordert Delangue zunächst, dass OpenAI die sogenannten Traces der „abtrünnigen“ Agenten veröffentlicht, damit die gesamte Forschungscommunity untersuchen kann, was passiert ist. Delangue spricht in diesem Zusammenhang von „radikaler Transparenz“. Gemeint ist eine öffentliche Aufzeichnung aller Aktionen, die die Modelle ausgeführt haben, und aller Systeme, auf die sie zugegriffen haben.
Die zweite Forderung ist mit einem Preisschild versehen: OpenAI soll Rechenleistung im Wert von 100 Millionen Dollar bereitstellen, mit der die Hugging-Face-Community Werkzeuge zur Cyberabwehr entwickeln kann, und zwar „mit den besten offenen und geschlossenen Modellen“. Eine Zahlung in bar verlangt Delangue ausdrücklich nicht. „Der erste autonome Cyberangriff durch KI-Agenten ist ein beispielloses Ereignis. Er verdient eine beispiellose Antwort“, schrieb der Hugging-Face-Chef.
OpenAI hat sich öffentlich bislang zu keiner der beiden Forderungen verpflichtet. Eine Klage hat Hugging Face nicht eingereicht.
Was bei dem Angriff passiert ist
OpenAI hatte im Sommer eingeräumt, dass eigene Modelle für den Einbruch verantwortlich waren. Beteiligt waren GPT-5.6 Sol sowie ein leistungsfähigeres, noch unveröffentlichtes System, die in einem internen Test mit reduzierten Sicherheitsvorgaben liefen. Die Agenten verschafften sich einen Zugangsschlüssel und drangen damit weiter in das Netzwerk von Hugging Face vor.
Laut dem späteren Untersuchungsbericht von OpenAI waren rund 700 Agenten an dem Angriff beteiligt, wie Trending Topics berichtete. Insgesamt tauschten etwa 1.200 Agenten über ein improvisiertes Nachrichtenboard mehr als 70.000 Nachrichten und Dateien aus. OpenAI reagierte unter anderem mit verpflichtendem Monitoring der Reasoning-Prozesse, strengerer Isolierung der Testumgebungen und einer Pause seines größten geplanten Trainingslaufs.
Für die forensische Analyse griff Hugging Face auf ein offenes chinesisches Modell zurück: Kommerzielle KI-Tools verweigerten die Auswertung des Angriffscodes, weil sie Angreifer und Opfer nicht unterscheiden konnten. Das Modell GLM 5.2 von Z.ai lief daher auf eigenen Servern von Hugging Face und prüfte mehr als 17.000 Aktionen.
Umstrittene Einordnung
Delangues Forderung stützt sich auf die Einordnung als erster autonomer Cyberangriff durch KI-Agenten. Diese Sichtweise ist allerdings umstritten. Sicherheitsforscher:innen verweisen auf menschliches Versagen bei OpenAI, konkret auf eine offenbar fehlerhaft konfigurierte Testumgebung, die eigentlich vollständig isoliert sein sollte.
Die Frage hat Folgen für die Verantwortung: Handelt es sich um ein neuartiges Risiko autonomer Systeme, betrifft das die gesamte Branche. Liegt die Ursache in einer Fehlkonfiguration, wäre es ein Versäumnis eines einzelnen Unternehmens. In Washington hat der Vorfall bereits politische Reaktionen ausgelöst, darunter einen Gesetzesvorschlag für einen verpflichtenden „Kill Switch“ für KI-Systeme.
Nvidia steht hinter beiden Seiten
Eine besondere Rolle in dem Konflikt spielt Nvidia, das mit beiden Unternehmen finanziell verflochten ist. Der Chiphersteller hat Anfang 2026 rund 30 Milliarden Dollar in OpenAI investiert und zählt damit zu den größten Geldgebern des ChatGPT-Herstellers. Beide Unternehmen sind zudem über eine strategische Partnerschaft zum Aufbau von Rechenzentren verbunden.
Gleichzeitig ist Nvidia der neue Eigentümer von Hugging Face: Der Konzern hat die Plattform kürzlich für rund 13 Milliarden Dollar gekauft, wie Trending Topics berichtete. Die Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden steht noch aus. Die Gründer Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf sollen an Bord bleiben. Nvidia-CEO Jensen Huang sicherte zu, dass Hugging Face eine offene Plattform bleibe und die Nutzung von Nvidia-Rechenleistung keine Voraussetzung werde. Nvidia war bereits zuvor Investor bei Hugging Face und ist mit mehr als 500 veröffentlichten Modellen der größte Anbieter offener Modelle auf der Plattform.
Zusätzlich hat Nvidia die Open Secure AI Alliance ins Leben gerufen, einen Branchenverbund von 37 Mitgliedern, der sich dafür einsetzt, dass Verteidiger:innen offene Modelle selbst betreiben können. Hugging Face ist Gründungsmitglied, OpenAI gehört dem Bündnis nicht an. Die Allianz wurde einen Tag nach Delangues Forderungen vorgestellt.
Damit ergibt sich eine ungewöhnliche Konstellation: Die Forderung nach 100 Millionen Dollar an Rechenleistung richtet sich an ein Unternehmen, an dem Nvidia maßgeblich beteiligt ist, und kommt von einem Unternehmen, das Nvidia inzwischen gehört. Wie sich der Konzern in dem Streit positioniert, ist bislang nicht bekannt.

