Warum Rheinmetall Schnittstellen seiner „Battlesuite“ als Open Source veröffentlicht
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Rheinmetall, einer der größten Rüstungskonzerne Europas, geht einen für die Branche ungewöhnlichen Schritt: Der Düsseldorfer Konzern hat soeben zentrale Schnittstellenspezifikationen seiner Softwareplattform Battlesuite als Open Source veröffentlicht. Die sogenannte Battlesuite Interface Collection ist auf GitHub frei zugänglich. Den Anfang machen zwei Komponenten, die Onboard API und die Tactical API. Bekannt ist Rheinmetall vor allem für Militärfahrzeuge wie den Schützenpanzer Lynx, für Artilleriemunition, für Flugabwehrsysteme wie den Skyranger sowie als Lieferant der Kanone des Kampfpanzers Leopard 2.
Offengelegt wird dabei die Beschreibung, wie andere Systeme an die Battlesuite andocken können. Die Plattform selbst bleibt in der Hand von Rheinmetall.
Was die Battlesuite ist
Die Battlesuite ist laut Rheinmetall eine modulare, herstellerunabhängige Digitalplattform, die Sensoren, Kameras, Drohnen und andere Hardware sowie Softwarekomponenten miteinander verbindet. Das Unternehmen beschreibt sie als „nicht-proprietäre“ Lösung für militärische und zivile Anwendungen. Neben dem Einsatz in Streitkräften nennt Rheinmetall ausdrücklich den Schutz kritischer Infrastruktur, den Katastrophenschutz sowie rein zivile Anwendungsfelder.
Die Plattform wird in der Digital-Systems-Sparte des Konzerns entwickelt und bildet nach Angaben des Unternehmens das Software-Fundament für dessen Digitalisierungs- und Vernetzungsstrategie.
Standardisierte Schnittstellen als Hebel
„Standardisierte Schnittstellen ermöglichen die effiziente Integration von Plattformen, Sensoren, Effektoren sowie Führungs- und Einsatzanwendungen“, sagt Timo Haas, CEO der Division Digital Systems bei Rheinmetall. Sie würden die Grundlage für modulare, interoperable und skalierbare Verteidigungssysteme schaffen.
Mit der Interface Collection stellt Rheinmetall Industriepartner:innen, Forschungseinrichtungen und Kund:innen definierte Spezifikationen zur Verfügung. Entwickler:innen können ihre Softwarelösungen damit bereits in einer frühen Phase auf die standardisierte, verteilte Architektur der Battlesuite ausrichten. Das soll den Aufwand senken, der sonst bei der nachträglichen Integration unterschiedlicher Systeme anfällt.
In die Gestaltung der Schnittstellen seien laut Rheinmetall langjährige Erfahrungen aus zahlreichen Entwicklungs- und Integrationsprojekten eingeflossen.
Software-Defined Defence als Leitbild
Rheinmetall ordnet den Schritt in das Konzept der Software-Defined Defence ein. Gemeint ist ein Ansatz, bei dem Fähigkeiten von Verteidigungssystemen zunehmend über Software definiert und weiterentwickelt werden, ähnlich wie es die Autoindustrie mit dem Software-Defined Vehicle vorgemacht hat.
„Die Interface Collection vereinfacht die Kombination von Systemkomponenten, unabhängig vom jeweiligen Hersteller“, sagt Ervin Kolenovic, Head of Battlesuite in der Division Digital Systems. Das fördere die Wiederverwendbarkeit von Softwaremodulen über verschiedene Programme hinweg und erleichtere die Weiterentwicklung bestehender Systeme. „Auf diese Weise verkürzen wir Entwicklungszeiten, reduzieren Integrationsrisiken und beschleunigen die Bereitstellung neuer Fähigkeiten.“
Open Source im Militärbereich: Es gibt Vorbilder
Rheinmetall ist mit dem Schritt nicht allein. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Tactical Assault Kit (TAK), eine ursprünglich für das US-Militär entwickelte Software zur Lagedarstellung und Koordination von Einsatzkräften. Die zivile Android-Version ATAK-CIV ist seit 2020 auf GitHub öffentlich verfügbar, 2022 folgte der TAK Server. Rund um TAK ist seither ein breites Ökosystem aus Plugins und Anwendungen entstanden, das von Behörden, Rettungsdiensten und Streitkräften genutzt wird.
Auch auf dem Gefechtsfeld spielt Open Source eine zunehmende Rolle. Die freie Autopilot-Software ArduPilot kam etwa bei der ukrainischen Operation „Spinnennetz“ zum Einsatz, bei der 2025 zahlreiche russische Langstreckenbomber mit Drohnen angegriffen wurden, wie 404 Media berichtete. Und im KI-Bereich hat sich der französische Anbieter Mistral AI, der viele seiner Modelle mit offenen Gewichten veröffentlicht, Aufträge im Verteidigungssektor gesichert.

