afreshed: Raiffeisen investiert Millionen Euro in Wiener Startup, kauft 25,1%
Die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien beteiligt sich mit 25,1 Prozent am österreichischen Lebensmittel-Lieferdienst afreshed. Das Investment im mittleren siebenstelligen Bereich markiert einen wichtigen Meilenstein für das 2021 gegründete Unternehmen und soll vor allem die geplante Expansion nach Deutschland finanzieren.
afreshed verkauft online so genannte Retterboxen voller Lebensmittel wie Obst und Gemüse, die nicht der Norm entsprechen und in Supermärkten deswegen oft nicht vertrieben werden. Dieses Jahr ist ein achtstelliger Umsatz angepeilt. Zur genauen Investmenthöhe gibt es keine näheren Angaben.
Ein strategischer Investor: Mehr als nur Kapital
Für ein wachsendes Start-up ist der Einstieg eines strategischen Investors ein grundlegend anderer Schritt als eine klassische Finanzierungsrunde. Während reine Finanzinvestoren in erster Linie auf Rendite abzielen, bringt ein strategischer Partner wie die Raiffeisen-Holding zusätzlich Netzwerk, Branchenwissen und operative Unterstützung mit. Im Fall von afreshed ist die Passung besonders naheliegend: Die Holding betreibt aktiv das Geschäftsfeld „Nahrungs- und Genussmittel“ und könne dem Startup Türen öffnen, die reines Kapital nicht aufschließen würde.
Mit einer Beteiligung von 25,1 Prozent sichert sich die Raiffeisen-Holding eine Sperrminorität, also einen formellen Einfluss auf wesentliche Unternehmensentscheidungen.
„afreshed hat gezeigt, wie sich ein Geschäftsmodell von einer bemerkenswerten Idee hin zu einer vielversprechenden Zukunft entwickeln kann. Das hat uns überzeugt. Wir freuen uns, das Unternehmen bei seinem nächsten Schritt, die Expansion nach Deutschland, zu begleiten“, so Michael Höllerer, Generaldirektor Raiffeisen-Holding NÖ-Wien.
Für afreshed bedeutet der Einstieg konkret: frisches Kapital für Technologie, Logistik und den Markteintritt in Deutschland.
Nun, mit ambitionierteren Expansionszielen, ist ein kapitalkräftiger Partner mit strategischem Mehrwert offenbar der nächste logische Schritt.
„Mit der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien gewinnen wir einen starken strategischen Partner, der unsere langfristige Vision unterstützt. Unser Ziel ist es, zu einem der führenden Anbieter für gerettete Lebensmittel im deutschsprachigen Raum zu werden“, heißt es seitens der Gründer Maximilian Welzenbach, Lukas Forsthuber und Bernhard Bocksrucker von afreshed.
Das Prinzip der „Retterbox“
afreshed wurde 2021 von drei Schulabgängern aus Oberösterreich gegründet und adressiert ein konkretes Problem in der Lebensmittelproduktion: Jedes Jahr werden in Österreich laut Rechnungshof rund 800.000 Tonnen Lebensmittel verschwendet. Ein erheblicher Teil davon entsteht nicht durch Verderb, sondern weil Obst und Gemüse optischen Normen nicht entspricht und deshalb den Weg in den Handel gar nicht erst findet.
afreshed kauft genau diese Ware direkt bei Landwirten und Produktionsbetrieben auf, verpackt sie in sogenannte „Retterboxen“ und liefert sie im Abo-System an Privathaushalte und Unternehmen. Die Produkte sind qualitativ einwandfrei, entsprechen aber nicht den gängigen Vorstellungen von Aussehen und Form. Gurken, die zu klein sind, Äpfel mit Flecken oder unregelmäßig geformte Erdäpfel landen so doch noch auf dem Teller der Konsumenten, anstatt vernichtet zu werden.
Logistik und Technologie
Das Unternehmen betreibt ein zentrales Logistiklager in Niederösterreich, von dem aus Lieferungen in nahezu ganz Österreich koordiniert werden. Fünf regionale Verteilzentren übernehmen die letzte Meile. Für die Routenplanung setzt afreshed auf eine gemeinsam mit der FH Hagenberg entwickelte Software, die Lieferwege optimiert und damit den CO2-Ausstoß auf der letzten Zustellstrecke reduziert.
Hauptlieferanten sind rund 15 Landwirtschaftsbetriebe aus Österreich und Italien, insgesamt kooperiert das Unternehmen mit 50 bis 70 verschiedenen Betrieben. Da afreshed keine eigene Produktion betreibt, sondern ausschließlich Überschuss- und Ausschussware verwertet, kann das Unternehmen nach eigenen Angaben just-in-time kalkulieren und vermeidet so eigenen Überschuss.

