China

Alibaba will auf Basis von Qwen-Modellen neue KI-Agenten einführen

Alibaba. © zhang hui auf Unsplash
Alibaba. © zhang hui auf Unsplash

Der chinesische Technologiekonzern Alibaba bereitet sich darauf vor, noch in dieser Woche einen KI-Agenten speziell für Unternehmenskunden zu lancieren. Der Schritt ist Teil eines breiteren Trends in China, bei dem Tech-Riesen massiv in sogenannte Agentic-AI-Lösungen investieren, die eigenständig Aufgaben für Nutzer erledigen können.

Laut einem Bericht von Bloomberg, der sich auf mit der Sache vertraute Personen beruft, basiert der neue KI-Agent auf Alibabas eigenem Sprachmodell Qwen. Das Produkt soll Unternehmen dabei helfen, digitale Assistenten einzusetzen, die praktische Aufgaben wie die Verwaltung von Computern, Webbrowsern und Cloud-Infrastruktur übernehmen können. Entwickelt wurde das Tool vom Team hinter DingTalk, Alibabas Plattform für die betriebliche Kommunikation.

Die Qwen-Modelle gehören zu den besten Open-Source-KI-Modellen der Welt nebst anderen LLMs von chinesischen Startups wie Zhipu AI, Moonshot AI, DeepSeek oder MiniMax; im Vergleich zu den proprietären KI-Modellen der US-Anbieter OpenAI, Anthropic oder Google liegen sie ein Stück zurück.

Anbindung an Alipay und Taobao geplant

Geplant ist eine schrittweise Integration mit anderen Alibaba-Diensten, darunter die E-Commerce-Plattform Taobao und der Finanzdienstleister Alipay. Wie das Unternehmen das Angebot bepreisen und in welchem Umfang es weitere interne Dienste einbinden wird, ist bislang nicht bekannt. Alibaba hat sich auf Anfragen bisher nicht geäußert.

Der Launch fällt zeitlich mit der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse am Donnerstag zusammen. CEO Eddie Wu hatte im vergangenen Jahr Investitionen von mehr als 53 Milliarden US-Dollar in KI angekündigt und Artificial General Intelligence (AGI) zum zentralen strategischen Ziel des Konzerns erklärt. Seitdem verzeichnet Alibaba nach eigenen Angaben ein dreistelliges Wachstum im KI-Bereich, allerdings ausgehend von einer noch vergleichsweise kleinen Basis.

Hintergrund: Das OpenClaw-Fieber in China

Alibabas Vorstoß ist nicht isoliert zu betrachten, sondern eingebettet in einen regelrechten Hype rund um das Open-Source-Framework OpenClaw. Die Technologie ermöglicht es, KI-Agenten schnell zu installieren und zu betreiben. AliCloud hatte bereits eine dedizierte Mobile-App namens „JVS Claw“ auf Basis von OpenClaw veröffentlicht, die Nutzern die Einrichtung in wenigen Minuten ermöglicht.

Die Verbreitung von OpenClaw hat in China eine Eigendynamik entwickelt, die weit über den klassischen Tech-Enthusiasten-Kreis hinausgeht. Auf der Plattform RedNote kursieren Angebote von Nutzern, die gegen Bezahlung bei der Installation helfen. Berichten zufolge sollen manche dieser Installateure innerhalb weniger Tage bis zu 260.000 Yuan (rund 36.000 US-Dollar) verdient haben. Mittlerweile gibt es auf chinesischen Secondhand-Marktplätzen wie Xianyu sogar kostenpflichtige Deinstallationsdienste für OpenClaw, inklusive Entfernung von Restdateien und Schadsoftware.

Tencent mischt mit: QClaw und der WeChat-Vorteil

Auch Tencent, bekannt vor allem durch die Messenger- und Superapp WeChat, hat das Potenzial von OpenClaw erkannt und arbeitet an einer eigenen Variante namens QClaw. Obwohl sich das Produkt noch in einer geschlossenen Betaphase befindet und Einladungscodes auf Sekundärmärkten gehandelt werden, löste allein die Ankündigung einen erheblichen Kursanstieg aus.

Der besondere Reiz von QClaw liegt in seiner Anbindung an WeChat. Da in China ein Großteil des digitalen Alltags über WeChat abgewickelt wird, von Arbeitsnachrichten über Zahlungen bis hin zu Kundenservice, macht diese Integration den KI-Agenten für viele Nutzer unmittelbar greifbar und praktisch nutzbar. Das Entwicklerteam hinter QClaw soll lediglich aus sechs Personen bestehen. Die Produktleitung hat Shuyu Zhang, eine 26-jährige Geisteswissenschaftlerin.

Vor der Tencent-Zentrale in Shenzhen bildeten sich zuletzt Warteschlangen von fast tausend Menschen, die auf kostenlose Installationshilfe durch Ingenieure warteten. Das Massenphänomen verdeutlicht, wie stark das Interesse an KI-Agenten in der chinesischen Bevölkerung bereits verankert ist.

Sicherheitsrisiken im Blick

Die rasante Verbreitung von OpenClaw-Installationen bleibt nicht ohne Bedenken. Chinas National Vulnerability Database, betrieben vom Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, warnte bereits im Februar vor potenziellen Sicherheitsrisiken durch unsachgemäß konfigurierte Installationen. Diese könnten Nutzer Cyber-Angriffen und Datenlecks aussetzen. China weist dabei die weltweit größte Anzahl exponierter OpenClaw-Instanzen auf.

Vor diesem Hintergrund legt Alibaba nach eigenen Angaben bei seinem neuen Enterprise-Produkt besonderen Wert auf robuste Sicherheitsmechanismen zum Schutz sensibler Unternehmensdaten. Wie effektiv diese Maßnahmen in der Praxis sein werden, dürfte einer der entscheidenden Faktoren für die Akzeptanz bei Geschäftskunden sein.

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