Geldpolitik

Fed erhöht erstmals seit 2023 die Zinsen, Märkte bleiben gelassen

Kevin Warsh. © Federal Reserve
Kevin Warsh. © Federal Reserve

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Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Die Federal Funds Rate liegt damit nun in einer Spanne von 3,75 bis 4 Prozent, zuvor waren es 3,5 bis 3,75 Prozent. Es ist die erste Zinserhöhung der Fed seit 2023. Alle zwölf stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) trugen die Entscheidung mit.

Überraschend kam der Schritt für die Märkte nicht. Laut dem FedWatch-Tool der CME hatten Trader:innen vor der Sitzung eine Wahrscheinlichkeit von 93 Prozent für eine Anhebung eingepreist, einen Monat zuvor waren es noch weniger als 50 Prozent. Auch eine Umfrage des Wall Street Journal unter Großbanken zeigte ein klares Bild: Fast alle rechneten mit einer Erhöhung, die meisten, darunter Barclays, Citigroup, JPMorgan, Morgan Stanley und UBS, erwarten bis Jahresende insgesamt 50 Basispunkte an Straffung. Bank of America, Deutsche Bank und RBC gehen sogar von 75 Basispunkten aus.

Inflation und Energiepreise als Treiber

In ihrer offiziellen Erklärung beschreibt die Fed die Wirtschaftsaktivität als solide wachsend, der Arbeitsmarkt habe mit dem Wachstum der Erwerbsbevölkerung Schritt gehalten. Die Inflation sei aber weiterhin erhöht. Die Anhebung solle eine zügigere Rückkehr zum Inflationsziel von 2 Prozent unterstützen.

Den Ausschlag gaben die jüngsten Inflationsdaten. Der Erzeugerpreisindex stieg im August im Jahresvergleich um 5,4 Prozent, nach 4,8 Prozent im Juli. Mehr als drei Viertel des Anstiegs bei den Güterpreisen gingen laut der National Association of Manufacturers auf höhere Energiekosten zurück. Die Verbraucherpreise legten um 3,4 Prozent zu, im Monatsvergleich beschleunigte sich der Anstieg auf 0,4 Prozent. Auch die Kerninflation ohne Lebensmittel und Energie zog an. Nach diesen Zahlen schwenkten laut Reuters auch Goldman Sachs und Piper Sandler um, die bis dahin mit einer Zinspause gerechnet hatten.

Bereits im Juli hatte sich eine Wende abgezeichnet: Damals beließ die Fed die Zinsen zwar unverändert, allerdings mit einem knappen Votum von 9 zu 3. Drei Mitglieder hatten schon damals für eine Anhebung plädiert. Ein unerwartet starker Arbeitsmarktbericht für August verstärkte den Druck zusätzlich.

Für Fed-Chef Kevin Warsh ist die Entscheidung heikel. Es war erst seine dritte Sitzung seit seiner Bestätigung im Mai, und US-Präsident Donald Trump hatte ihn ausdrücklich mit der Erwartung sinkender Zinsen nominiert. Trump, Vizepräsident JD Vance und Finanzminister Scott Bessent hatten sich in den vergangenen Wochen öffentlich für Senkungen ausgesprochen. Warsh hatte eine Anhebung allerdings bereits angedeutet.

Ölpreis bei 107 Dollar, Diesel auf Rekordhoch

Parallel zur Zinsentscheidung bleibt der Druck von der Energieseite hoch. Der Ölpreis liegt wieder bei rund 107 Dollar pro Barrel, belastet durch die Folgen des Konflikts mit dem Iran. In den USA hat Diesel zudem ein Allzeithoch erreicht. Das ist für die Fed besonders relevant: Teurer Diesel verteuert Transport und Logistik und schlägt damit mit Verzögerung auf viele andere Preise durch. Die Energiekosten sind damit einer der Hauptgründe, warum die Notenbank nicht länger abwarten wollte.

Aktien und Krypto ohne große Sprünge

An den Finanzmärkten blieben große Ausschläge aus, was vor allem daran liegen dürfte, dass die Anhebung weitgehend erwartet und bereits eingepreist war. Anleger:innen an den Aktienmärkten hatten sich nach den Inflationsdaten auf den Schritt eingestellt, entsprechend verhalten fiel die Reaktion aus.

Bitcoin schwankte rund um die Bekanntgabe zwischen 75.000 und 75.800 Dollar und stieg kurz danach auf etwa 76.000 Dollar. Der gesamte Kryptomarkt verlor im Tagesverlauf rund 2,2 Prozent. Die Stimmung war allerdings schon vorher gedämpft: Bitcoin liegt deutlich unter seinem September-Hoch von rund 82.000 Dollar, zudem belastete das Scheitern des Clarity Act im US-Senat den Markt. Analyst:innen sehen eine wichtige Unterstützungszone zwischen etwa 73.500 und 75.600 Dollar, die Bitcoin vorerst gehalten hat. Der Crypto Fear & Greed Index fiel von 69 auf 51 Punkte und signalisiert damit eine neutrale Marktstimmung.

Wie es weitergeht

Die nächste Sitzung der Fed ist für Ende Oktober angesetzt. Mit Spannung erwartet wird vor allem das Treffen im Dezember, wenn die Notenbank auch ihre aktualisierten Zinsprojektionen (Dot Plot) vorlegt. Dann dürfte sich zeigen, ob die aktuelle Anhebung die einzige in diesem Jahr bleibt oder den Auftakt zu einer Serie weiterer Schritte bildet.

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