signteq: Wiener RegTech holt OpenClaw-Schöpfer Peter Steinberger als Investor
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Diesen Österreicher hat man natürlich gerne im Cap Table: Das Wiener RegTech signteq hat soeben eine siebenstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen. Der bekannteste Name unter den neuen Geldgeber:innen ist Peter Steinberger. Der österreichische Software-Unternehmer hat einst PSPDFKit gegründet und zuletzt mit dem Open-Source-Projekt OpenClaw für Aufsehen gesorgt. Seit Anfang des Jahres arbeitet er bei OpenAI, wie Trending Topics berichtete.
Neben Steinberger beteiligen sich Runtastic-Mitgründer René Giretzlehner, die Franz-Mayr-Melnhof-Saurau Beteiligungs GmbH sowie weitere Investor:innen. Der Compass-Verlag, der seit 2024 an signteq beteiligt ist, investiert erneut und baut sein Engagement aus. Die genaue Höhe der Runde sowie die Bewertung nennt das Unternehmen nicht, es ist jedenfalls eine Millionensumme.
Identifizierung, Compliance und Signatur auf einer Plattform
signteq wurde 2019 in Wien gegründet und wird von Simon Schnabl geführt. Das Unternehmen bündelt Prozesse, die bei vielen Firmen noch über verschiedene Anbieter laufen: digitale Identitätsprüfung, KYC- und KYB-Prüfungen, Screenings gegen PEP- und Sanktionslisten sowie qualifizierte elektronische Signaturen. Die einzelnen Module lassen sich separat nutzen oder zu kompletten Onboarding-Prozessen kombinieren.
Über ein Netzwerk aus Identitäts- und Vertrauensdiensteanbietern sowie nationalen eID-Systemen können Unternehmen verschiedene Verfahren und Märkte über eine zentrale Schnittstelle abbilden. Die Daten werden laut signteq innerhalb der EU verarbeitet, das Identifizierungsverfahren ist nach dem europäischen Standard ETSI TS 119 461 v2 geprüft.
„Digitale Identität ist längst zu einer zentralen Infrastruktur für digitale Geschäftsmodelle geworden. Was wir in Österreich gemeinsam mit Banken, Versicherungen, Technologieunternehmen und der öffentlichen Hand aufgebaut haben, skalieren wir jetzt international, mit Europa als starkem Ausgangspunkt“, sagt Gründer und Geschäftsführer Simon Schnabl.
Kund:innen aus Banken, Fintech und Verwaltung
Zu den Kund:innen zählen unter anderem Institute aus der Raiffeisen Bankengruppe, BAWAG, BTV, BKS Bank und Wüstenrot. Außerhalb des klassischen Bankwesens setzen der digitale Vermögensverwalter froots, die Crowdinvesting-Plattform Conda sowie die Krypto-Firmen Cryptonow und WhiteBIT auf die Technologie. Biogena nutzte sie für das Investor:innen-Onboarding bei seinem Aktienangebot. Im öffentlichen Sektor hat sich signteq in einer Ausschreibung von Wiener Wohnen durchgesetzt.
Neben Österreich ist die Plattform nach eigenen Angaben unter anderem in Deutschland, der Schweiz sowie in Ländern Südost- und Osteuropas im Einsatz. Mit dem frischen Kapital soll die Expansion vorangetrieben werden, zunächst mit Fokus auf Deutschland und die Schweiz.
EUDI-Wallet und neue Regulierung als Rückenwind
Rückenwind erhofft sich signteq von der European Digital Identity Wallet. Bis Ende 2026 muss jeder EU-Mitgliedstaat mindestens eine solche Wallet bereitstellen, mit der Bürger:innen ihre Identität digital nachweisen und Nachweise teilen können. signteq integriert die Wallet als zusätzliche Komponente in seine Plattform, damit Unternehmen Wallet-basierte Prozesse nutzen können, ohne ihre bestehenden KYC-, AML- und Onboarding-Abläufe neu aufzubauen. Ein Anwendungsfall sind datensparsame Nachweise, etwa die Bestätigung der Volljährigkeit ohne Weitergabe weiterer persönlicher Daten.
Dazu kommen eIDAS 2.0 und die europäische Geldwäscheverordnung AMLR, die ab Juli 2027 weitgehend anwendbar ist. Beide erhöhen für regulierte Unternehmen den Druck, digitale Identität und Compliance enger zu verzahnen.
Know Your Agent: Identität für KI-Agenten
Ein Teil des Geldes fließt in ein neues Geschäftsfeld namens Know Your Agent (KYA). Die Idee: Wenn KI-Agenten künftig selbstständig Käufe vorbereiten, Zahlungen anstoßen oder Verträge abwickeln, müssen Unternehmen nachvollziehen können, welcher Agent handelt, in wessen Auftrag, mit welchen Berechtigungen und wer dafür haftet. signteq will dafür eine Infrastruktur bauen, mit der sich Identität, Mandat und Berechtigung von Agenten überprüfen lassen, vor allem für Finanzinstitute, Unternehmen und Behörden.
„Heute müssen Unternehmen wissen, wer ihr Kunde ist. Morgen müssen sie zusätzlich wissen, welcher KI-Agent für wen handelt, wozu er berechtigt ist und wer dafür verantwortlich ist. Genau dafür bauen wir Know Your Agent“, so Schnabl.
Hier kommt auch Steinberger ins Spiel. Mit OpenClaw hat er eines der bekanntesten Open-Source-Projekte für persönliche KI-Agenten geschaffen, das binnen kurzer Zeit Millionen Besucher:innen anzog. Als Business Angel ist Steinberger dabei kein Neuling: Er hat sich schon früher einige Male an Startups beteiligt, etwa gemeinsam mit Hansi Hansmann am PropTech reebuild. Sein Einstieg bei signteq verbindet damit zwei Themen, die zunehmend zusammenwachsen: digitale Identität und autonome KI-Agenten.
