Nach Zusammenschluss mit Cohere wird Marke Aleph Alpha verschwinden
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Kanada und die EU rücken politisch schon seit einer Weile enger zusammen, und die KI-Branche passt sich dem offenbar an: Bereits vor einigen Monaten haben das kanadische KI-Unternehmen Cohere und das deutsche Aleph Alpha angekündigt, sich zusammenschließen zu wollen. Nun machen die beiden Firmen Nägel mit Köpfen und haben soeben eine verbindliche Vereinbarung über die Fusion unterzeichnet. Die zuständigen Behörden müssen dem Deal allerdings noch zustimmen. Der Abschluss wird noch in diesem Jahr erwartet.
Das fusionierte Unternehmen soll unter dem Namen Cohere auftreten und sich als erster transatlantischer Anbieter souveräner KI positionieren. Zielgruppe sind Regierungen, Behörden und stark regulierte Branchen, die KI-Systeme in ihrer eigenen Infrastruktur betreiben und dabei lokale Vorgaben einhalten wollen.
Zwei Hauptsitze, Forschung in Heidelberg
Das kombinierte Unternehmen wird Hauptsitze in Toronto und Berlin haben. Der bisherige Aleph-Alpha-Standort Heidelberg bleibt als Forschungszentrum bestehen. Mit der Transaktion wächst das Team von Cohere auf mehr als 1.000 Mitarbeiter:innen auf beiden Seiten des Atlantiks. Aleph Alpha beschäftigt derzeit rund 200 Personen an vier Standorten in Deutschland.
Als die Pläne im April erstmals bekannt wurden, wurde die Kombination mit rund 20 Milliarden US-Dollar (etwa 17,3 Milliarden Euro) bewertet. Aktualisierte finanzielle Details nannten die Unternehmen nicht.
Neue Rollen für die Aleph-Alpha-Spitze
Mit Abschluss der Transaktion erweitert Cohere sein Führungsteam. Ilhan Scheer, derzeit Co-CEO von Aleph Alpha, wird Chief Operating Officer und verantwortet das globale operative Geschäft sowie die Skalierung der Organisation. Scheer hatte zuvor das Datenanalyse-Unternehmen fable+ gegründet, das von Accenture übernommen wurde.
„In den vergangenen zwölf Monaten haben wir unseren Fokus auf spezialisierte Sprachmodelle für Behörden und regulierte Branchen geschärft“, so Scheer. „Cohere bringt globale Reichweite und Erfahrung im sicheren Einsatz von KI mit. Gemeinsam können wir das, was wir aufgebaut haben, zu mehr Organisationen weltweit bringen.“
Samuel Weinbach, Mitgründer und bisher Co-Chief Research Officer von Aleph Alpha, wird Chief Research Officer von Cohere und soll die Forschung von Heidelberg aus leiten. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem bei Tokenisierung, dem Training von Sprachmodellen und Explainability.
Aleph Alpha galt einst als deutsche Hoffnung im Rennen um große KI-Modelle, zog sich aber aus der Entwicklung von Frontier-Modellen zurück und konzentrierte sich stärker auf Software zur Integration von KI. Mitgründer Jonas Andrulis gab den CEO-Posten 2025 ab und verließ das Unternehmen Anfang dieses Jahres.
Schwarz Gruppe als finanzstarker Partner
Eine zentrale Rolle spielt die Schwarz Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören. Sie investiert laut Reuters 500 Millionen Euro in das neue Unternehmen. Zudem wird die Partnerschaft mit der IT-Sparte Schwarz Digits ausgebaut: Die KI-Lösungen sollen über STACKIT bereitgestellt werden, die souveräne Cloud des Konzerns. Die Schwarz Gruppe steckt zwischen 11 und 13 Milliarden Euro in einen Rechenzentrums-Campus in Deutschland, der bis zu 100.000 KI-Chips beherbergen soll.
„Digitale Souveränität bedeutet nicht, den Weg allein zu gehen, sondern Kräfte strategisch zu bündeln“, sagt Christian Müller, CEO von Schwarz Digits. Ziel sei, STACKIT als technisches Rückgrat für souveräne KI-Lösungen zu etablieren.
Ungleiche Partner
Wirtschaftlich treffen zwei sehr unterschiedlich große Unternehmen aufeinander. Cohere meldete für das vergangene Jahr wiederkehrende Umsätze (ARR) von 240 Millionen US-Dollar. Aleph Alpha wies laut den jüngsten öffentlich verfügbaren Zahlen für 2023 einen Umsatz von weniger als einer Million Euro aus.
Cohere wurde 2019 gegründet und hat bislang rund 1,6 Milliarden US-Dollar von Investor:innen eingesammelt, darunter Nvidia, AMD Ventures, Salesforce Ventures, Oracle und Cisco. Das Unternehmen entwickelt die Modellfamilie Command, die direkt in der IT-Umgebung der Kund:innen laufen kann, von der Cloud bis zu vollständig abgeschotteten Air-Gapped-Systemen.
„Kein Staat und kein Unternehmen sollte sich zwischen leistungsfähiger KI und der Kontrolle über die eigene Technologie entscheiden müssen“, sagt Cohere-Mitgründer und CEO Aidan Gomez. Gemeinsam wolle man die steigende Nachfrage nach KI bedienen, die „leistungsstark genug“ sei, „um wettbewerbsfähig zu sein, und zugleich sicher und steuerbar genug, um ihr zu vertrauen“.
Bewegung im europäischen KI-Markt
Der Deal fällt in eine Phase, in der europäische KI-Firmen verstärkt Kapital anziehen. Der französische Modellentwickler Mistral hat erst vergangene Woche 3 Milliarden Euro bei einer Bewertung von mehr als 21 Milliarden Euro eingesammelt. Mit Cohere entsteht nun ein weiterer großer Player, der das Thema digitale Souveränität ins Zentrum seines Angebots stellt.

