Amazon, Meta, Google, Microsoft: Starke Umsätze treffen auf massive KI-Investitionen
Amazon, Meta, Microsoft und Alphabet haben starke Quartalszahlen vorgelegt – und gleichzeitig klargemacht, wie tief sie für den KI-Ausbau in die Tasche greifen. Insgesamt wollen die vier Tech-Riesen in diesem Jahr bis zu 725 Milliarden US-Dollar investieren, vor allem in Rechenzentren und Infrastruktur. Die Märkte honorieren das aber nur dort, wo sich die Investitionen bereits sichtbar in Umsatz und Margen niederschlagen. Serge Nussbaumer, Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix, ordnet die Zahlen ein.
Amazon: AWS beschleunigt, Capex bremst
Amazon meldete einen Quartalsumsatz von 181,5 Milliarden Dollar und ein EPS von 2,78 Dollar. Die Cloud-Sparte AWS wuchs um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden Dollar – die höchste Wachstumsrate seit 2022. Auch der Ausblick für das laufende Quartal mit 194 bis 199 Milliarden Dollar Umsatz lag über den Erwartungen. Trotzdem fiel die Aktie nachbörslich um mehr als drei Prozent.
Amazon-Chef Andy Jassy sprach von „einer Gelegenheit, wie es sie nur einmal im Leben gibt“ und hielt an der bereits vor drei Monaten kommunizierten Investitionsprognose von rund 200 Milliarden Dollar fest. Für Nussbaumer bleibt Amazon stark, „muss aber beweisen, dass das Wachstum von AWS, die Margen und die Capex-Disziplin gleichzeitig funktionieren“.
Meta: starkes Quartal, hochgesetzte Capex-Prognose
Der Facebook-Konzern legte mit 56,3 Milliarden Dollar Umsatz (plus 33 Prozent) und einem EPS von 10,44 Dollar das operativ stärkste Quartal vor. Für das zweite Quartal stellt Meta 58 bis 61 Milliarden Dollar in Aussicht. Gleichzeitig hob das Unternehmen die Spanne der geplanten Kapitalinvestitionen um zehn Milliarden Dollar an – auf nun 125 bis 145 Milliarden Dollar.
Mark Zuckerberg betonte, er würde lieber Überkapazitäten aufbauen, als zu kurz zu greifen. Die Anleger reagierten dennoch skeptisch und schickten die Aktie nachbörslich um sechs bis 6,5 Prozent ins Minus. „Kurzfristig belastet Capex die Bewertung. Strategisch bleibt Meta jedoch sehr attraktiv, da das Unternehmen KI bereits sichtbar in bessere Anzeigen, höhere Engagement-Raten und effizientere Monetarisierung übersetzt“, kommentiert Nussbaumer.
Microsoft: Azure-Beat trifft auf Free-Cashflow-Sorgen
Microsoft übertraf die Erwartungen mit einem Umsatz von 82,9 Milliarden Dollar und einem EPS von 4,27 Dollar. Azure wuchs um 40 Prozent, die Microsoft Cloud erreichte 54,5 Milliarden Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr peilt der Konzern Kapitalinvestitionen von rund 190 Milliarden Dollar an – mehr als an der Wall Street erwartet.
Im Berichtsquartal stiegen die Capex auf 31,9 Milliarden Dollar, der Free Cashflow fiel um 22 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar. Die Aktie notierte nachbörslich 1,8 bis 2 Prozent im Minus. Nussbaumer sieht Microsoft weiterhin als „qualitativ hochwertigsten Cloud- und KI-Compounder“, hält die Aktie aber kurzfristig für anfällig, „solange der Markt mehr Belege für die Rendite der KI-Investitionen verlangt“.
Alphabet: der klare Quartalssieger
Alphabet erzielte 109,9 Milliarden Dollar Umsatz – ein Plus von 22 Prozent – und ein EPS von 5,11 Dollar. Google Cloud sprang um 63 Prozent auf rund 20 Milliarden Dollar, die Cloud-Marge legte deutlich zu. CEO Sundar Pichai berichtete zudem von einem Allzeithoch bei den Google-Suchanfragen, getragen auch von neuen KI-Funktionen.
Die Spanne der Kapitalausgaben hob Alphabet um fünf Milliarden auf 180 bis 190 Milliarden Dollar an, mit der Aussicht auf „signifikant“ mehr 2027. Die Aktie legte nachbörslich rund 3,5 bis sieben Prozent zu. „Alphabet widerlegt vorerst die These, dass KI das Suchgeschäft kurzfristig zerstört. Im Gegenteil: Search, YouTube, Subscriptions und Cloud greifen zunehmend ineinander“, so Nussbaumer.
Fazit: Alphabet und Meta vorne
Auf Sicht der nächsten zwölf Monate sieht Nussbaumer Alphabet und Meta vor Amazon und Microsoft. Beide Konzerne schafften es derzeit am überzeugendsten, die hohen KI-Kosten rasch zu monetarisieren. Alphabet punkte mit der Stärke von Search, der Cloud-Dynamik und der sinkenden KI-Disruptionsangst, Meta zeige trotz des größten Capex-Störfaktors die direkteste operative Hebelwirkung in Werbung und Monetarisierung. Amazon und Microsoft blieben starke Qualitätswerte – „doch bei beiden ist der Markt aktuell sensibler für Investitionen, Margen und freien Cashflow“.


