Investment

Calibre: Ex-Palantir-Mitarbeiter holen 3,3 Millionen Dollar für Testing-KI

Gautham Senthilnathan and Steve Thomas are the co-founders of Calibre Technologies. © Calibre
Gautham Senthilnathan and Steve Thomas are the co-founders of Calibre Technologies. © Calibre

Das in London ansässige Tech-Startup Calibre hat in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde 3,3 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das Kapital soll genutzt werden, um künstliche Intelligenz in eine der wenig beachteten, aber wirtschaftlich bedeutsamen Branchen zu bringen: die Testing-, Inspektions- und Zertifizierungsindustrie, kurz TIC.

Die Runde wurde von den Risikokapitalgebern Vicus Ventures und CIV angeführt. Weitere Investoren sind I2BF, 9 Yards Capital und Jigeum. Zu den Einzelinvestoren zählt unter anderem Nikesh Arora, ein bekannter Name in der Technologiebranche. Die beteiligten Geldgeber haben in der Vergangenheit bereits in Unternehmen wie Databricks, Coinbase und Anduril investiert.

Das Unternehmen wurde von Gautham Senthilnathan und Steve Thomas gegründet, die sich während ihres Studiums kennenlernten. Beide verbrachten zuvor drei Jahre beim kontoversen Daten-Unternehmen Palantir, wo sie KI-Systeme in mehr als 20 verschiedenen Branchen einführten. Diese Erfahrung bildet nach eigenen Angaben die Grundlage für den Ansatz von Calibre, branchenspezifische KI-Lösungen zu entwickeln.

Welches Problem will Calibre lösen?

Die TIC-Branche ist ein globaler Markt mit einem Volumen von mehr als 200 Milliarden US-Dollar. Nahezu jedes regulierte Produkt, ob Flugzeugbauteile, Bankensysteme oder Lebensmittellieferketten, muss vor der Markteinführung von menschlichen Prüfern zertifiziert werden. Dieser Prozess dauert in der Regel drei bis sechs Monate und bremst Unternehmen sowie Lieferketten erheblich aus.

Calibre hat nach eigenen Angaben eng mit Prüfern und Inspektoren zusammengearbeitet und dabei festgestellt, dass Fachleute den Großteil ihrer Arbeitszeit damit verbringen, tausende Seiten Dokumente zu sichten und Berichte zu verfassen. Für die eigentlichen Expertenentscheidungen, für die sie ausgebildet wurden, bleibt entsprechend wenig Zeit. Erschwerend kommt hinzu, dass die Branche mit einem Fachkräftemangel kämpft: Viele erfahrene Prüfer gehen in Rente, während kaum Nachwuchs nachkommt.

„KI wird in immer mehr Produktkategorien eingebettet, die jeweils eine Zertifizierung erfordern, genau dann, wenn die Experten mit jahrzehntelangem Spezialwissen in Rente gehen.“ (Calibre)

Was kann die Technologie von Calibre?

Calibre entwickelt spezialisierte KI-Agenten, die innerhalb bestehender Unternehmensstrukturen von TIC-Organisationen eingesetzt werden. Die Systeme sind auf die jeweiligen Sicherheitsstandards und Arbeitsabläufe der Kunden zugeschnitten. Konkret sollen die Agenten folgende Aufgaben übernehmen:

  • Automatische Durchsicht und Analyse umfangreicher Dokumentenmengen
  • Erstellung von Prüfberichten auf Basis definierter Standards
  • Abgleich von Anforderungen mit relevanten Normen und Vorschriften
  • Unterstützung bei der Einhaltung unternehmensinterner Sicherheitsstandards

Daneben hat Calibre mit AuditorOS ein erstes Produkt speziell für unabhängige Prüfer angekündigt. Die Software automatisiert die Dokumentenprüfung, das Verfassen von Berichten sowie den Abgleich mit geltenden Normen. Laut Unternehmen wird AuditorOS bereits von ersten Kunden genutzt und soll im Juni öffentlich verfügbar sein.

Wie soll das frische Kapital eingesetzt werden?

Mit den neu gewonnenen Mitteln plant Calibre, bestehende Unternehmensverträge mit börsennotierten TIC-Unternehmen und Akkreditierungsstellen auszubauen. Zudem soll das Team um Ingenieure erweitert werden. Interessierte Prüfer können sich bereits auf eine Warteliste für AuditorOS eintragen.

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