Finanzierung

CMBlu: Deutscher Batterie-Hersteller steigt zum Unicorn auf, Samsung und Strabag investieren

© CMBlu

Während die Tech-Welt über Chips, Modelle und Rechenzentren diskutiert, entscheidet sich die KI-Zukunft zunehmend an einer ganz anderen Stelle: an der Steckdose. Genau hier setzt das deutsche DeepTech-Unternehmen CMBlu Energy an – und ist damit jetzt zum Unicorn aufgestiegen. Mit einem ersten Closing seiner Series-C-Runde über 50 Mio. Euro überschreitet das Batterie-Startup aus dem unterfränkischen Alzenau die Bewertungsschwelle von 1 Mrd. Euro. Angeführt wird der Einstieg durch einen prominenten Neuinvestor: Samsung Ventures, den Venture-Arm des südkoreanischen Tech-Konzerns. Auch alle Bestandsinvestoren ziehen mit, allen voran der österreichische Bau- und Technologiekonzern STRABAG SE.

CMBlu wurde 2014 von Peter Geigle gegründet und entwickelte sich aus einem der größten europäischen Forschungslabore für lithiumfreie Batterien. Geführt wird das Unternehmen seit 2024 von Constantin Eis, dem ehemaligen Lichtblick- und Home24-Manager und Casper-Mitgründer. Insgesamt sind nach Branchenangaben bereits rund 250 Mio. Euro in CMBlu geflossen – STRABAG allein hatte 2023 schon 100 Mio. Euro investiert. Heute beschäftigt das Unternehmen über 250 Mitarbeitende, davon mehr als 150 Wissenschaftler und Ingenieure.

SolidFlow: Eine Batterie, die nicht brennen kann

Das Herzstück von CMBlu ist eine Technologie namens SolidFlow – und hier wird es technisch interessant. Klassische Lithium-Ionen-Batterien dominieren heute den Markt, haben aber für stationäre Großspeicher mehrere Schwächen: Brandgefahr (Stichwort thermisches Durchgehen), Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen wie Lithium und Kobalt, und damit auch von Lieferketten aus geopolitisch sensiblen Regionen.

SolidFlow geht einen fundamental anderen Weg. Das System kombiniert die Architektur einer Flow-Batterie – bei der die Energie in flüssigen Elektrolyten gespeichert wird – mit proprietären festen Energiespeichermaterialien. Die Elektrolyte sind wasserbasiert und nicht brennbar. Das hat mehrere Konsequenzen:

  • Sicherheit: Kein thermisches Durchgehen, keine Brandlasten – das vereinfacht Genehmigungsverfahren für Großanlagen erheblich.
  • Skalierbarkeit: Leistung (kW) und Energiemenge (kWh) sind voneinander entkoppelt. Wer länger speichern will, vergrößert einfach die Tanks.
  • Lieferkette: Die verwendeten Rohstoffe sind häufig vorkommend und recyclingfähig. CMBlu betont, ohne Materialien aus FEOC-Quellen (Foreign Entities of Concern) auszukommen – ein Kriterium, das vor allem in den USA durch den Inflation Reduction Act regulatorisches Gewicht hat.
  • Laufzeit: SolidFlow ist auf zehn Stunden und mehr abrufbare Energie ausgelegt – also auf das, was die Branche als Long Duration Energy Storage (LDES) bezeichnet.

Produziert wird in einer automatisierten Gigafactory in Alzenau, weitere Standorte in den USA und Griechenland sind geplant.

Das KI-Strombedarfs-Problem

Der Zeitpunkt der Runde ist kein Zufall. Der explodierende Energiebedarf von KI-Rechenzentren hat sich binnen weniger Jahre von einem theoretischen zu einem akuten Engpass entwickelt. Hyperscaler wie Microsoft, Google, Amazon und Meta planen Campus-Projekte im Gigawatt-Bereich – Strommengen, die ganzen Großstädten entsprechen. Gleichzeitig hinkt der Netzausbau dem Tempo hinterher.

Die Krux: Solar- und Windstrom sind günstig, aber volatil. Rechenzentren laufen 24/7. Wer die Lücke zwischen Mittagssonne und nächtlichem Lastpeak überbrücken will, braucht mehrstündige, planbare Speicherkapazität – genau die Lücke, die Lithium-Ionen-Akkus aufgrund ihrer typischen 2- bis 4-Stunden-Auslegung und Sicherheitsanforderungen kaum wirtschaftlich schließen können.

Eine Beispielrechnung von CMBlu macht das greifbar: Ein 5-GWh-Speicher kann ein 1-GW-Rechenzentrum für fünf Stunden versorgen – oder ein 500-MW-Rechenzentrum komplett über die solarfreie Nacht bringen. Genau ein solches 5-GWh-Rahmenabkommen hat CMBlu bereits mit dem europäischen Energiekonzern Uniper unterzeichnet. Zur Kundenliste gehören laut Branchenberichten zudem Mercedes-Benz sowie das US-Versorgungsunternehmen Salt River Project in Arizona, wo das Großprojekt „Desert Blume“ entsteht.

Warum Samsung und STRABAG?

Die Investorenkonstellation ist aufschlussreich. Samsung Ventures investiert global in Hardware- und Energietechnologien – und Samsung selbst ist sowohl Großverbraucher (Halbleiter-Fabs gehören zu den energieintensivsten Industrieanlagen weltweit) als auch potenzieller Industriepartner. Der Einstieg signalisiert, dass asiatisches Kapital deutsche Energietechnologie als strategisches Asset bewertet – nicht nur als Finanzanlage.

STRABAG wiederum ist ungewöhnlicher Investor mit klarer Logik: Der börsennotierte österreichische Baukonzern braucht für seine Großbaustellen, Industrie- und Infrastrukturprojekte zunehmend Energiespeicher als integralen Baustein. Mit dem ursprünglichen 100-Mio.-Euro-Investment von 2023 und dem Nachzug in der Series C verschafft sich STRABAG faktisch privilegierten Zugang zu einer Schlüsseltechnologie für die eigene Wertschöpfungskette. Eis bringt es so auf den Punkt: „Speed to Power“, gepaart mit lokal verankerten Lieferketten, sei für Industriekunden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden.

Was die frische Finanzierung bringt

Das eingesammelte Kapital fließt in den Ausbau der Produktionskapazitäten und in frühe kommerzielle Markteinführungen in Europa und den USA. Ein vollständiger Closing der Series C steht laut Marktbeobachtern noch aus – die 50 Mio. Euro sind ein erstes Closing, weitere Tranchen werden erwartet.

Damit positioniert sich CMBlu in einem Marktsegment, das bislang vor allem von US-Anbietern wie Form Energy (Eisen-Luft-Batterien) oder ESS Inc. (Eisen-Flow) besetzt ist – allerdings mit einem entscheidenden geografischen Vorteil: Eine deutsche Gigafactory, eine europäische Investorenbasis und ein Großkunde wie Uniper machen CMBlu zum derzeit prominentesten europäischen Player im LDES-Rennen.

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