Gastbeitrag

Inflation und Notstandsgesetze zeigen Notwendigkeit von Kryptowährungen

Krypto-Coins. © Pixabay
Krypto-Coins. © Pixabay

Eliézer Ndinga ist Research Lead bei der 21Shares AG, einem Krypto-Asset-Manager aus der Schweiz. In diesem Gastbeitrag befasst er sich mit den momentanen globalen Entwicklungen und damit, wie Kryptowährungen darin eine große Bedeutung haben können.

Der Kryptomarkt gab einen Teil der seit Anfang Februar erzielten Gewinne wieder ab, so dass Bitcoin und der Rest der Large Caps im Laufe der Woche etwa zehn Prozent verloren. Trotz dieses Markteinbruchs ist es wichtig zu betonen, dass sich die Volatilität von Bitcoin um die drei Prozent bewegt – der niedrigste Wert der letzten Monate. Mehrere globale makroökonomische Faktoren dienen daneben der Erklärung des Rückgangs:

Verbraucherpreisanstieg auf 45-Jahres Hoch

Zum einen erreichte der Verbraucherpreisindex mit einem Anstieg von 7,5 Prozent ein 45-Jahres-Hoch. Die schwächer als erwartet ausgefallenen Zahlen haben Befürchtungen geweckt, dass die US-Wirtschaft auf eine Rezession zusteuern könnte. Den Erwartungen zufolge wird die Fed ihre bislang lockere Geldpolitik aggressiv verschärfen. Die US-Notenbank befürwortet eine Zinsanhebung im März um 50 Basispunkte, wie James Bullard, Präsident der St. Louis Federal Reserve Bank, zuletzt angekündigt hat. Dies wiederum bringt risikofreudige Anlageklassen wie Kryptowährungen und Technologiewerte in eine schwierige Lage.

Geopolitische Spannungen zwischen Russland und Ukraine

Darüber hinaus verschärften sich die geopolitischen Spannungen zwischen der Ukraine und Russland, als das Weiße Haus und das Vereinigte Königreich ihren Bürger:innen rieten, die Ukraine sofort zu verlassen, da eine Invasion unmittelbar bevorstehe. Die Lage an der Grenze scheint sich nun abzukühlen, da Russland angekündigt hat, einen Teil seiner Truppen nach Abschluss von militärischen Übungen von der Grenze zurückzuziehen. Ein bemerkenswerter Aspekt der Situation in der Ukraine ist, dass Nichtregierungsorganisationen und antirussische Gruppen Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren, da das Kryptoasset gegen Zensur und Beschlagnahmung unempfindlich ist.

Kanada führt Notstandsgesetze ein

Eine weitere besorgniserregende Entwicklung, die es wert ist, erwähnt zu werden, sind die neu eingeführten Notstandsgesetze Kanadas. Diese ermächtigen Finanzinstitutionen, die finanzielle Unterstützung von Personen einzustellen, wenn sie an der Unterstützung der „illegalen“ Blockaden und Besetzungen der LKW-Konvois beteiligt sind. Dieser Vorgang unterstreicht einmal mehr die dringende Notwendigkeit einer zensurresistenten Währung. Es scheint, dass COVID Regierungen einen Blankoscheck für noch nie dagewesene Eingriffe ausgestellt haben, die diese wahrscheinlich dazu nutzen werden, um Aktivitäten, die ihnen nicht passen, auf unzulässige Weise zu kriminalisieren. Eine entkoppelte Währung wäre ein wirksames Instrument, um die volle Autonomie über die eigenen Finanzen wiederzuerlangen.

Vorsicht prägt die Stimmung der Anleger:innen

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Zeiten extremer Unsicherheit die Volatilität an den globalen Märkten verstärken und die Anleger:innen in der Regel dazu veranlassen, sich sichereren Anlageklassen zuzuwenden. Die Trendwende in der Risikobereitschaft lässt sich an der Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen ablesen, die zum ersten Mal seit Ende 2019 wieder über zwei Prozent liegt. Dennoch werden die Anleger:innen angesichts der derzeit steigenden Inflation letztlich immer noch mit negativen Zinsen auf ihre Anleiherenditen konfrontiert sein. Der Bitcoin-Futures-Markt wird außerdem mit einer Prämie von sechs Prozent auf Jahresbasis gehandelt, was die allgemeine vorsichtige Stimmung unterstreicht. So sichern Anleger:innen derzeit ihre Long-Positionen auf dem Kassamarkt ab. Dies deutet darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer impulsiven Aufwärtsbewegung in naher Zukunft eher gering ist.

 

 

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Großinvestor:innen stocken BTC-Bestände stark auf

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Marktabschwüngen im Mai und November des vergangenen Jahres haben Großinvestor:innen ihre BTC-Bestände tatsächlich aufgestockt, und zwar um fast 220.000 in den letzten sieben Wochen. Dieses Verhalten ist in einer Zeit des Abschwungs nicht nur untypisch, diese gegenwärtige Akkumulationsrate ist sogar die stärkste und schnellste seit September 2019. 2021 verzeichnete hingegen ein einigermaßen konsistentes Muster bei den Kapitalflüssen, die verängstigte Investor:innen auslösten, die angesichts der herrschenden Unsicherheit ihre Bestände verkauften.

Rückgang beim Stablecoin Tether, Börsenliquidität sinkt

Hinzu kommt der erhebliche Rückgang beim Stablecoin Tether (USDT). Beim USDT-Kurs handelt es sich um eine Kennzahl, die historisch gesehen mit der Umschichtung hin zum Kauf von BTC und dem „Long Tail“ (Nischenangebote) von Krypto-Assets korreliert. Die Hash-Rate von Bitcoin ist ebenfalls auf ein Allzeithoch explodiert. Dies unterstreicht, dass die Welt weiterhin in neue Ressourcen für das Mining des Vermögenswerts und die Stärkung seiner Sicherheit investiert – trotz der kurzfristigen Verwerfungen. Daneben ist das liquide Angebot der Börsen auf ein Dreijahrestief von 2,5 Millionen Münzen gefallen.

 

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Adoption der Kryptowährungen schreitet voran

Abgesehen von den externen makroökonomischen Faktoren, die sich auf die globalen Märkte auswirken, genießt der Kryptomarkt bei den etablierten Akteuren der traditionellen Finanzwelt nach wie vor eine historisch unvergleichliche Aufmerksamkeit. So kündigte beispielsweise Blackrock an, über seine Aladdin-Plattform einen Krypto-Handelsdienst für seine Anlegerkund:innen zu starten. In der Zwischenzeit hat die Wells Fargo in einer Erklärung endlich ihre Haltung geändert und zugegeben, dass Kryptowährungen eine brauchbare Anlageklasse sind, die kurz vor dem Eintritt in die Hyperadoptionsphase steht. Auch Singapurs größter Kreditgeber, SPB, gab Pläne bekannt, eine rund um die Uhr verfügbare Online-Börse für seine Privatkunden zu eröffnen. Selbst der CEO von Uber verkündete jüngst den Entschluss, dass das Unternehmen in nicht allzu ferner Zukunft wohl Kryptowährungen akzeptieren werde.

Mit NTFs und Metaverse erobern digitales Eigentum und virtuelle Welten den Mainstream

Trotz dieser bemerkenswerten Entwicklungen verblasst die Akzeptanz von Kryptowährungen im weiteren Umfeld im Vergleich zur Metaverse- und NFT-Industrie, die den breiten Verbrauchermarkt infiltriert. Erst in der vergangenen Woche erklärte YouTube seine Absicht, NFTs, also typischer Weise auf der Ethereum-Blockchain basierte, einzigartige und nicht austauschbare (Non-fungible) Werte (Token) zu integrieren, um die Monetarisierung von Inhalten zu verbessern und zudem Online-Betrug zu bekämpfen. Gleichzeitig hat das soziale Netzwerk OnlyFans eine NFT-Profilbildfunktion aktiviert, um die Nutzerverifizierung zu verbessern.
Auch McDonald’s plant Berichten zufolge, im Metaverse ein Restaurant mit Hauslieferdienst zu errichten. Gucci hingegen entschied sich für den Kauf von virtuellem Land im Videospiel „The Sandbox Game“. Und schließlich werden die Vereinten Nationen zur Feier des Weltfrauentags die berühmt-berüchtigte NFT-Kollektion der von Frauen geführten globalen Initiative „Boss-Beauties“, die mithilfe des Web3, NFT und Blockchain Chancen für Mädchen und junge Frauen schaffen möchte, in ein Event in New York implementieren. 

Renditen der vergangenen Woche

Das sind die Renditen der fünf wichtigsten Kryptowährungen in der letzten Woche:

 

 BTC (-3,5 Prozent), ETH (-6,13 Prozent), BNB (-1,42 Prozent), XRP (-8,75 Prozent) und ADA (-10,84 Prozent).

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News aus der Kryptoindustrie

Intel stellt neuen Krypto-Chip für energieeffizienteres Mining vor

Intel kündigte an, noch in diesem Jahr einen „Blockchain-Beschleuniger“ auf den Markt zu bringen, der für das SHA-256-basierte Mining eine mehr als 1.000-mal bessere Leistung pro Watt als Mainstream-Grafikprozessoren (GPUs) verspricht. Dies markiert den Beginn einer neuen Ära sowohl für die Kryptoindustrie insgesamt als auch für Intel selbst, das eine eigene Roadmap für die Arbeit an Blockchain-Technologien angekündigt hat. Bislang haben drei Unternehmen die Technologie bereits vorbestellt, darunter das Bitcoin-Mining-Unternehmen GRIID Infrastructures, Argo Blockchain und Jack Dorseys BLOCK, früher bekannt als Square. Weitere Einzelheiten über das Produkt werden auf der International Solid State Circuit Conference Ende dieses Monats bekannt gegeben.

Warum ist das wichtig?

Der hohe Energieverbrauch beim Mining von Proof-of-Work-Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum ist weltweit ein großes Problem. Er hat zu Stromausfällen in Städten wie Almaty (Kasachstan) geführt, was wiederum die Einführung höherer Steuern für Miner und neuer Vorschriften zur Begrenzung ihres Verbrauchs zur Folge hatte. Diese technische Innovation könnte dazu beitragen, diese Probleme zu lindern und vielen Minern die Mühe zu ersparen, wegen einer besseren Stromversorgung das Aufenthaltsland ändern zu müssen.

Die Initiative von Intel wird unserer Überzeugung nach nicht nur das Vertrauen in Bitcoin stärken und Missverständnisse ausräumen, sondern auch den Sektor der Herstellung von Mining-Hardware besser diversifizieren. Bitmain, ein Hardware-Unternehmen mit Hauptsitz in China, hat einen Marktanteil von über 90 Prozent. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen mit der Entwicklung des ASIC-Chips zur führenden Kraft im Bitcoin-Mining entwickelt, wodurch seine Rechenleistung auf etwa 29 Prozent der gesamten weltweiten Hashing-Leistung anstieg.

Apropos China: Die globale Lieferkettenkrise beeinträchtigte das Geschäft einiger der größten Bitcoin-Mining-Unternehmen in Nordamerika, darunter Riot Blockchain und Bitfarms. Hier setzt der Blockchain-Beschleuniger von Intel an. Er ist auf einem winzigen Stück Silizium implementiert, um jedwede Lieferkettenproblematik zu vermeiden.

Rechtliche Hinweise:

Das in diesem Beitrag enthaltene Material dient ausschließlich Informationszwecken. Die 21Shares AG und ihre verbundenen Unternehmen empfehlen keine Maßnahmen auf der Grundlage dieser Informationen. Das Material ist weder als Angebot oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, noch als Anlageberatung auszulegen. Darüber hinaus stellen diese Informationen keine Zusicherung dar, dass die hier beschriebenen Anlagen für eine Person geeignet oder sinnvoll sind. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für künftige Kursentwicklungen.

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