Gehaltsreport

Gehaltsreport: Fachkräfte wollen weniger Geld als vor drei Jahren, bekommen aber gleich viel

Bewerbungsgespräch in einem Büro

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Erfahrene Fachkräfte in Deutschland gehen deutlich bescheidener in die Jobsuche als noch vor drei Jahren. Das zeigt der soeben veröffentlichte Gehaltsreport 2026 der Heidelberger Recruiting-Plattform Instaffo. Demnach liegen die Gehaltswünsche neu angemeldeter Senior-Talente über alle Berufsfelder hinweg rund 18 Prozent unter dem Niveau von 2023. Die tatsächlich vereinbarten Gehälter sind im selben Zeitraum allerdings weitgehend stabil geblieben. Bevor man daraus Schlüsse zieht, lohnt sich ein Blick darauf, wer die Zahlen erhebt und warum.

Gehaltswünsche sinken in allen Berufsfeldern

Der Rückgang zieht sich laut Instaffo durch alle elf untersuchten Berufsfelder. In Finance, Accounting und Controlling sank die Gehaltsvorstellung erfahrener Talente von 75.000 auf 62.000 Euro, ein Minus von 17 Prozent. Im Software-Engineering ging sie um 15 Prozent von 80.000 auf 68.000 Euro zurück. Am geringsten fällt das Minus im Online-Marketing aus, mit zwölf Prozent.

Dabei gilt durchgängig: Je erfahrener die Talente, desto stärker sinken die Erwartungen. Im Software-Engineering verlangen Junior-Kräfte heute zwei Prozent weniger als 2023, Mid-Level-Kräfte sechs Prozent und Senior-Kräfte 15 Prozent. Wichtig für die Einordnung: Die Daten zeigen keine individuellen Gehaltsverläufe. Vielmehr starten neu hinzukommende Jahrgänge mit niedrigeren Vorstellungen. Wer seine Gehaltsvorstellung in einem bestehenden Profil ändert, erhöht sie laut Instaffo sogar in rund 65 Prozent der Fälle, im Median um 7,1 Prozent.

Gezahlte Gehälter bleiben stabil

Die eigentliche Pointe des Reports steckt im Vergleich mit den Abschlüssen. Im Tech-Bereich sank die Gehaltsvorstellung erfahrener Talente von 80.000 Euro im Jahr 2023 auf 67.000 Euro. Die tatsächlich vereinbarten Gehälter liegen für diese Gruppe dagegen seit 2024 stabil zwischen rund 70.000 und 71.500 Euro. Auch auf Junior- und Mid-Level haben sich die gezahlten Gehälter kaum verändert.

Gleichzeitig nähern sich Talente und Unternehmen an. 2023 lag die Gehaltsvorstellung erfahrener Tech-Talente im Median 28 Prozent über der Mitte der ausgeschriebenen Gehaltsspannen, nämlich bei 80.000 gegenüber 62.500 Euro. 2026 liegen beide Werte mit rund 67.000 und 68.500 Euro nahezu gleichauf. Über alle Berufsfelder hinweg liegt der Median der Unternehmensangebote seit fünf Jahren konstant bei 60.000 Euro, die Gehaltswünsche sind im selben Zeitraum von 65.000 auf 60.000 Euro gesunken.

„Sinkende Gehaltswünsche bedeuten deshalb nicht automatisch sinkende Gehälter“, sagt Mika Leicht, Co-CEO von Instaffo. „Gerade im Tech-Bereich zeigt sich bei erfolgreichen Einstellungen über die vergangenen Jahre ein sehr stabiles Bild.“

94 Prozent des Wunschgehalts landen im Vertrag

Bei erfolgreichen Einstellungen erreichen Talente im Arbeitsvertrag im Median rund 94 Prozent ihrer im Profil hinterlegten Gehaltsvorstellung. Auf Junior-Level sind es 92 Prozent, auf Mid-Level 93,3 Prozent und auf Senior-Level 94,5 Prozent. 36,4 Prozent der Senior-Talente erreichen oder übertreffen ihren Wunschbetrag, bei Junior-Kräften sind es 28,6 Prozent.

Am besten bezahlt werden laut Report technische Führungsrollen. Engineering Manager kommen auf einen Median von 79.000 Euro, Tech Leads auf 78.000 Euro und CPOs beziehungsweise Heads of Product auf 77.000 Euro. Dahinter folgen Software Architects mit 72.000 Euro sowie Data Engineers und DevOps Engineers mit jeweils 70.000 Euro.

Das Eigeninteresse von Instaffo

So interessant die Zahlen sind, Instaffo ist keine neutrale Instanz. Das Heidelberger Unternehmen betreibt eine Recruiting-Plattform, auf der Fachkräfte kostenlos ein Profil anlegen und Unternehmen dafür bezahlen, passende Kandidat:innen vorgeschlagen zu bekommen. Zu den Kund:innen zählen laut eigenen Angaben unter anderem RTL, Otto, Hornbach und E.ON, zuletzt holte Instaffo 10 Millionen Euro vom Düsseldorfer Investor Crosslantic Capital. Das Geld verdient Instaffo also auf der Arbeitgeberseite.

Daraus ergeben sich gleich mehrere Interessen. Erstens ist der Report Marketing für das eigene Produkt. Die Kernbotschaft, dass mehr Gehaltstransparenz zu schnelleren und passgenaueren Einstellungen führt, beschreibt ziemlich genau das Versprechen der Plattform. Leicht sagt das auch offen: Transparenz sei „ein wesentlicher Teil unseres Ansatzes bei Instaffo“, man versetze Unternehmen in die Lage, „die besten Köpfe für eine Position zu finden, ohne eine Vielzahl an Bewerbungen sichten zu müssen“.

Zweitens passt die Erzählung gut zu den zahlenden Kund:innen. Ein Report, der zeigt, dass Talente ihre Erwartungen nach unten korrigieren und am Ende 94 Prozent ihres Wunschgehalts akzeptieren, stärkt die Verhandlungsposition von Arbeitgeber:innen. Für Bewerber:innen lässt sich dieselbe Zahl freilich auch anders lesen: Wer zu niedrig einsteigt, verschenkt womöglich Geld, denn die Unternehmen zahlen laut den Daten weiterhin stabil.

Drittens bleibt offen, warum die Gehaltswünsche überhaupt sinken. Möglich ist eine Ernüchterung am Arbeitsmarkt, möglich ist aber auch, dass sich die Zusammensetzung der Nutzer:innen verändert hat, etwa weil Instaffo inzwischen andere Zielgruppen oder Regionen anspricht. Der Report liefert dazu keine Antwort.

Hinzu kommen methodische Grenzen, die Instaffo selbst benennt. Die Zahlen stammen ausschließlich aus der eigenen Plattform und sind laut Unternehmen „kein allgemeiner Gehaltsspiegel für Deutschland“. Ausgewertet wurden mehr als 134.000 Talentprofile, 8.138 ausgeschriebene Stellen aus den vergangenen zwölf Monaten und 3.040 dokumentierte Gehälter aus erfolgreichen Einstellungen seit 2023. Gerade die 94-Prozent-Quote beruht nur auf jenen Prozessen, die tatsächlich zu einem Vertrag geführt haben. Wer an zu unterschiedlichen Vorstellungen gescheitert ist, taucht in dieser Statistik nicht auf.

Der Vorteil gegenüber vielen anderen Gehaltsstudien liegt dennoch auf der Hand: Instaffo stützt sich auf echte Recruiting-Daten statt auf Befragungen oder Schätzungen und kann Wunsch, Angebot und Abschluss direkt gegenüberstellen. Als Orientierung für Gehaltsverhandlungen taugt der Report daher durchaus, solange man im Kopf behält, wer ihn geschrieben hat.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien
#glaubandich CHALLENGE: SVAN triumphiert in Klagenfurt

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen

Newsletter

Founders Dispatch

Zwei Mal pro Woche kostenlos in die Inbox: die wichtigsten Startups, Deals und Tech-Entwicklungen aus Europa, handgeschrieben von der Redaktion.

Jederzeit abbestellbar. Mehr über den Newsletter