Inflation

Irankrieg treibt Inflation in der Eurozone auf 3,8 Prozent

An der Tankstelle. © Erik Mclean on Unsplash
At the gas station. © Erik Mclean / Unsplash

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Der Krieg am Persischen Golf kommt jetzt an der Supermarktkasse und an der Zapfsäule an. Die Inflation im Euroraum ist im September auf 3,8 Prozent gestiegen, nach 3,2 Prozent im August. Das geht aus einer ersten Schätzung hervor, die das EU-Statistikamt Eurostat soeben veröffentlicht hat. Es ist der höchste Wert seit drei Jahren, zuletzt lag die Teuerung im Herbst 2023 so hoch. Ökonom:innen hatten im Schnitt mit einem etwas geringeren Anstieg gerechnet. Die Rate liegt damit fast doppelt so hoch wie der Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent.

Energie ist der Haupttreiber

Für knapp die Hälfte der Teuerung ist Energie verantwortlich. Sie kostete im September 18,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, im August waren es noch 14,3 Prozent. Der Grund ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran, der den Ölpreis seit Monaten nach oben treibt. Über die Straße von Hormus lief vor Kriegsbeginn rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung, seither ist der Schiffsverkehr dort stark eingeschränkt. Im September verteuerte sich die Nordseesorte Brent um mehr als 14 Prozent auf rund 103 Dollar (rund 88 Euro) pro Barrel. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump einen Vorschlag Teherans zur Wiederöffnung der Meerenge abgelehnt, was den Preis weiter steigen ließ.

„Es sind vor allem die massiven Preiserhöhungen bei Energie, die die Inflation auf den höchsten Stand seit Herbst 2023 steigen ließen“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, wie die Rhein-Zeitung berichtet. Auch Lebensmittel zogen an: Unverarbeitete Nahrungsmittel verteuerten sich um 4,0 Prozent, nach 2,7 Prozent im Vormonat. Dienstleistungen legten um 3,2 Prozent zu.

Zwischen den Euroländern gibt es große Unterschiede:

  • Litauen: 6,1 Prozent, der höchste Wert in der Eurozone
  • Spanien: 5,0 Prozent
  • Italien: 4,1 Prozent, nach 3,2 Prozent im August
  • Frankreich: 3,4 Prozent
  • Deutschland: 3,3 Prozent

In Österreich stieg die Inflation auf 3,6 Prozent, nach 3,2 Prozent im August, wie die Statistik Austria in ihrer Schnellschätzung mitteilt. Energie kostete hierzulande 14,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Anstieg um 0,4 Prozentpunkte gehe zur Gänze auf höhere Preise für Treibstoffe und Heizöl zurück, sagt Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk.

Die EZB steht unter Druck

Für die Geldpolitik ist die Lage heikel. Die EZB hat den Einlagenzins in diesem Jahr bereits zweimal angehoben, zuletzt im September um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Trending Topics hatte vor diesem Schritt über den Inflationssprung im August berichtet. Viele Ökonom:innen rechnen nun mit einer weiteren Erhöhung. „Eine Zinsanhebung der EZB im Dezember ist so gut wie in Stein gemeißelt“, sagt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Ein Schritt bereits im Oktober gilt als möglich, falls die Energiepreise weiter steigen.

Es gibt aber auch Argumente gegen eine schnelle Straffung. Die Kerninflation ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak stieg nur leicht von 2,4 auf 2,5 Prozent. Das spricht dafür, dass sich der Energieschock bisher kaum auf andere Preise überträgt. Auch bei den Löhnen sieht die EZB noch keine Zweitrundeneffekte: Die Löhne zeigten „derzeit keine wesentliche Reaktion auf den Energieschock“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach der Zinsentscheidung im September. Höhere Zinsen ändern zudem nichts am Ölangebot, bremsen aber eine Wirtschaft, die im ersten Quartal geschrumpft ist.

Was das für Haushalte und Unternehmen bedeutet

Für Konsument:innen bedeutet die hohe Teuerung vor allem, dass Tanken und Heizen deutlich teurer werden, gerade zu Beginn der Heizsaison. Mehrere Regierungen versuchen gegenzusteuern. Deutschland senkt die Energiesteuer auf Kraftstoffe von Oktober bis Jahresende um rund 17 Cent pro Liter. Insgesamt sind die staatlichen Hilfen in der Eurozone mit rund 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung aber bisher überschaubar.

Steigende Zinsen machen außerdem Kredite teurer. Das trifft Häuslbauer:innen mit variabler Verzinsung ebenso wie Unternehmen, die investieren wollen. Auch für Startups wird das Umfeld schwieriger, weil Investor:innen bei höheren Zinsen sichere Anlagen wieder attraktiver finden. Dazu kommt, dass die Finanzierungskosten von Staaten steigen: Die Renditen französischer Staatsanleihen liegen auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten.

Wie es weitergeht, hängt vor allem am Ölpreis und damit am Verlauf des Irankriegs. Eine Wiederöffnung der Straße von Hormus würde die Energiepreise rasch entlasten, eine weitere Eskalation die Inflation zusätzlich anheizen.

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