Klarna-Aktie bricht nach trüber Prognose um 21% ein; Fintech verliert den CFO
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Der schwedische Fintech-Konzern Klarna hat Anleger:innen soeben mit einer Kombination aus gesenkter Jahresprognose und Umbau der Führungsspitze verschreckt. Die Aktie verlor im US-Handel rund 21 Prozent auf 15,41 Dollar. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf etwa 46 Prozent. Dabei konnte das Unternehmen im abgelaufenen Quartal operativ durchaus liefern: Nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum steht wieder ein, wenn auch schmaler, Gewinn in den Büchern.
Deutschland-Geschäft trübt die Prognose
Ausschlaggebend für den Kursrutsch war vor allem der zurückgenommene Ausblick beim Gross Merchandise Volume (GMV), also dem gesamten über die Klarna-Plattform abgewickelten Einkaufsvolumen. Statt der bisher angepeilten mindestens 155 Milliarden Dollar rechnet das Unternehmen für das laufende Jahr nur noch mit 149 bis 151 Milliarden Dollar. Von FactSet befragte Analyst:innen hatten zuvor mit rund 155,7 Milliarden Dollar kalkuliert.
Finanzchef Niclas Neglén begründete die Korrektur in einer Analystenkonferenz mit zwei Faktoren: Rund 600 Millionen Dollar entfallen demnach auf Währungseffekte, der Rest auf eine schwächer als erwartete Konsumlaune in Deutschland, dem nach Volumen größten Markt des Konzerns. Die Prognose unterstelle schlicht, dass die Schwäche im deutschen Handel anhält, statt auf eine Erholung zu setzen. Für die USA bleiben die Annahmen laut Neglén unverändert, das Land ist weiterhin die am schnellsten wachsende Region.
Auch der Ausblick für das laufende Quartal fiel zurückhaltend aus: Klarna stellt 940 bis 980 Millionen Dollar Umsatz in Aussicht, während an der Wall Street mit rund 1,11 Milliarden Dollar gerechnet worden war.
Zwei weitere Abgänge aus dem Management
Parallel dazu verlassen zwei langjährige Führungskräfte das Unternehmen. CFO Niclas Neglén, seit sechs Jahren an Bord und Architekt des Börsengangs im vergangenen September, wird seinen Posten Anfang kommenden Jahres räumen. Zeitgleich geht Marketingchef David Sandström, dem das US-Wachstum der Marke maßgeblich zugeschrieben wird. Beide bleiben bis zum Übergang in ihren Funktionen. Klarna sucht nun einen in New York ansässigen Nachfolger für die Finanzagenden.
CEO und Mitgründer Sebastian Siemiatkowski würdigte die beiden Manager als prägende Kräfte des Unternehmens. Klarna betont zugleich, dass hinter keinem der beiden Wechsel Meinungsverschiedenheiten über Geschäftstätigkeit, Richtlinien oder Praktiken des Unternehmens stünden.
Die Personalien reihen sich in einen längeren Umbau ein: Bereits im Frühjahr hatte COO Camilla Giesecke nach mehr als neun Jahren das Unternehmen verlassen. Zuvor musste Klarna auch eines seiner öffentlichkeitswirksamsten KI-Projekte korrigieren. Nachdem der Konzern verkündet hatte, sein KI-Assistent leiste die Arbeit von 700 Kundendienst-Mitarbeitenden, stellte Klarna wieder verstärkt menschliche Support-Kräfte ein, weil die Servicequalität gelitten hatte. Siemiatkowski hält es inzwischen für zentral, dass im Kundenkontakt immer auch ein Mensch erreichbar ist.
Gewinn, Wachstum und der Weg zu wiederkehrenden Erlösen
Operativ zeigt die Bilanz in eine andere Richtung als der Aktienkurs. Im zweiten Quartal erwirtschaftete Klarna einen Gewinn von 9 Millionen Dollar nach einem Verlust von 53 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Je Aktie stand ein Cent Gewinn zu Buche, erwartet worden war ein Verlust von fünf Cent. Der Umsatz kletterte um 27 Prozent auf 1,04 Milliarden Dollar und lag damit über den Erwartungen von 996,5 Millionen Dollar. Das GMV legte um 18 Prozent auf 36,65 Milliarden Dollar zu.
Die Zahl der aktiven Kund:innen wuchs um rund acht Prozent auf etwa 120 Millionen, das Händlernetz um 54 Prozent auf rund 1,21 Millionen Partner. Die Transaktionsmarge, also der Umsatz abzüglich der Transaktionskosten, stieg um 42 Prozent. Für das Gesamtjahr hob Klarna die Prognose hier leicht an, auf 1,62 bis 1,65 Milliarden Dollar nach zuvor mindestens 1,61 Milliarden Dollar.
Als Treiber nennt Siemiatkowski neben dem klassischen Buy-now-pay-later-Geschäft vor allem Produkte mit höherer Bindung, etwa längerfristige Ratenkredite und die Klarna Card. Genau in diese Richtung zielt auch die Abo-Strategie des Konzerns: Wie Trending Topics berichtete, rüstet Klarna seine Abo-Bündel auf, um Kreditkarten den Rang abzulaufen und einen größeren Anteil an wiederkehrenden Nutzerumsätzen (Recurring User Revenue) zu erzielen.

