Gerichtsfall

Meta steht vor Mammut-Prozess: 29 US-Bundesstaaten klagen wegen Sucht-Design für Jugendliche

Meta-Logo © Dima Solomin on Unsplash
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Der Social-Media-Gigant Meta sieht sich laut Guardian in den USA mit einem massiven Gerichtsfall konfrontiert. Mehr als die Hälfte aller US-Bundesstaaten klagen derzeit gemeinsam gegen den Konzern hinter Instagram und Facebook. Der Vorwurf: Meta habe gezielt süchtig machende Produkte entwickelt, die junge Menschen schädigen.

Schwere Vorwürfe gegen Meta

Vor einem Bundesgericht in Oakland, Kalifornien, hat heute der Prozess begonnen. Die Jury wird in den kommenden sechs bis acht Wochen Aussagen von Meta-CEO Mark Zuckerberg, Instagram-Chef Adam Mosseri und Whistleblower Arturo Béjar hören. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta sagt zur Klage: „Meta hat ein gefährliches Produkt für junge Nutzer:innen entwickelt, wusste, dass es gefährlich ist, und hat dann Kinder, Familien und die Gemeinschaft darüber belogen, wie gefährlich es war.“

Die 233-seitige Klageschrift, erstmals im Oktober 2023 eingereicht, wirft Meta vor, regelmäßig Daten von Kindern unter 13 Jahren ohne elterliche Zustimmung zu sammeln und damit gegen Bundes- und Landesgesetze zu verstoßen. Die Generalstaatsanwält:innen behaupten, der Konzern weigere sich, „bekanntermaßen schädliche Funktionen aufzugeben“, und handle ausschließlich profitgetrieben, um „finanzielle Gewinne zu maximieren“.

Forderungen von bis zu 200 Milliarden Dollar

Konkret nennen die Anwält:innen psychologisch manipulative Features wie Endlos-Scrolling mit Empfehlungs-Algorithmus, permanente Benachrichtigungen, Likes und visuelle Filter. Interne Meta-Forschung aus 2019 mit 2.500 Teenagern bestätige das Problem. „Junge Menschen sind sich akut bewusst, dass Instagram schlecht für ihre psychische Gesundheit sein kann, fühlen sich aber gezwungen, Zeit auf der App zu verbringen, aus Angst, kulturelle und soziale Trends zu verpassen.“

Die möglichen Konsequenzen sind massiv. Die Generalstaatsanwälte fordern im Schadensfall bis zu 200 Milliarden Dollar. Diese Summe entspricht dem Jahresumsatz 2025 von Meta. Zusätzlich soll der Konzern gezwungen werden, seine Produkte sicherer für Kinder zu gestalten, was langfristig schwerer wiegen könnte als jede Geldstrafe. Erst vor zwei Wochen hat ein Richter Meta in einem ähnlichen Fall in New Mexico zu 567 Millionen Dollar Strafe verurteilt, womit die Gesamtsumme für den Bundesstaat auf 942 Millionen Dollar steigt. In Tennessee läuft derzeit ein weiterer Prozess.

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Social-Media-Konzern schießt scharf zurück

Meta weist alle Vorwürfe zurück und kontert scharf. „Anstatt sich an die Fakten oder das Gesetz zu halten, haben die Bundesstaaten stattdessen beschlossen, eine absurde Auszahlung zu verfolgen.“ Der Konzern argumentiert, die Ansprüche seien unbegründet und die finanziellen Forderungen „unverhältnismäßig“. Meta betont, die Generalstaatsanwälte lieferten „keinen Beweis, dass irgendjemand in ihren Bundesstaaten in die Irre geführt wurde.“

Die rechtliche Strategie orientiert sich bewusst am Vorgehen gegen Tabakkonzerne in den 1990er Jahren, das deren Wissen um Suchtgefahr und Gesundheitsschäden in den Fokus rückte. 1998 führte das zu einem 200-Milliarden-Dollar-Vergleich sowie Werbeeinschränkungen. Russell Coleman, Generalstaatsanwalt von Kentucky, erklärt: „Meta hat verschleiert, was es über den Schaden wusste, den seine Produkte jungen Menschen zufügen.“

Der aktuelle Prozess ist Teil einer Klagewelle. Tausende Familien, Schulbezirke und weitere Generalstaatsanwält:innen haben in den letzten Jahren Verfahren gegen Meta und andere Social-Media-Plattformen angestrengt. In Kalifornien laufen koordinierte Klagen gegen Meta, YouTube, TikTok und Snap. Im Februar verloren Meta und YouTube einen ersten Fall und mussten sechs Millionen Dollar zahlen, TikTok und Snap einigten sich außergerichtlich. Zwei weitere für diesen Sommer angesetzte Prozesse endeten ebenfalls mit Vergleichen.

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