LocalSend: AirDrop-Alternative lehnt Millionen-Exit ab, will lieber Open Source bleiben
Es ist quasi das AirDrop der Open-Source-Welt, um Dateien, Bilder und Texte direkt zwischen Geräten im selben WLAN auszutauschen – ohne Internet, Cloud oder Anmeldung und plattformübergreifend (Windows, macOS, Linux, Android, iOS). Die gute Nachricht nun: LocalSend bleibt Open Source.
Denn das File-Sharing-Projekt LocalSend hat ein Übernahmeangebot in Millionenhöhe ausgeschlagen. Der Grund war kein Streit um den Preis, sondern eine Grundsatzfrage, so die Gründer: Der potenzielle Käufer wollte die App künftig als geschlossenes, proprietäres Produkt weiterführen. Für die Gründer Tien Do Nam und Christopher Obereder war das keine Option, wie sie nun in einer Presseaussendung kundtun. Wer der Käufer gewesen wäre, wird nicht verraten.
Ein Angebot, das wirtschaftlich kaum abzulehnen war
Rund sechs Wochen dauerten die Verhandlungen zwischen LocalSend und einem nicht namentlich genannten Interessenten. Das Angebot umfasste einen hohen Cash-Anteil sowie eine Beteiligung in Form eines Revenue-Share-Modells. Auf dem Papier war es ein attraktiver Deal für ein Projekt, das bislang nicht klassisch monetarisiert wurde.
Die Zahlen, die hinter LocalSend stehen, machen das Interesse von außen nachvollziehbar. Die App verzeichnet mehr als 14 Millionen Downloads, davon rund 8 Millionen auf Android und 6 Millionen auf iOS. Täglich kommen etwa 30.000 neue Nutzerinnen und Nutzer hinzu, monatlich sind rund 2 Millionen Menschen aktiv. Auf GitHub zählt das Projekt mehr als 78.000 Sterne.
Warum das Team trotzdem Nein sagte
Die Verhandlungen führte Christopher Obereder, Mitgründer und Chief Marketing Officer von LocalSend. Für ihn war schnell klar, dass der wirtschaftliche Wert des Angebots nicht das einzige Kriterium sein konnte.
„Das war ein Angebot, das auf den ersten Blick sehr attraktiv war. Rein wirtschaftlich hätten viele wahrscheinlich sofort unterschrieben. Aber wir haben schnell gemerkt, dass es bei LocalSend nicht nur um einen Preis geht. Es geht um Vertrauen, um die Community und um das, was das Projekt im Kern ausmacht. Genau das wollten wir nicht aufgeben“, sagt Obereder.
Der entscheidende Knackpunkt war die Forderung des potenziellen Käufers, den Quellcode künftig nicht mehr offen zugänglich zu machen. Für das Team war das eine Bedingung, über die nicht verhandelt werden konnte.
Was der Entwickler dazu sagt
Tien Do Nam, der LocalSend ursprünglich entwickelt hat, sieht die Offenheit des Projekts nicht als optionales Feature, sondern als dessen Kern. Die App entstand aus dem Gedanken heraus, Menschen eine einfache, sichere und plattformunabhängige Möglichkeit zu geben, Dateien direkt zwischen Geräten auszutauschen, ohne Cloud-Abhängigkeit und ohne komplizierte Einrichtung.
„Ich habe LocalSend gebaut, damit Menschen ihre Daten einfach, sicher und direkt zwischen Geräten teilen können. Die Offenheit des Projekts ist kein Detail, sondern der Kern der Idee. Für mich war deshalb klar: Ein geschlossenes Produkt kommt nicht infrage“, so der Entwickler.
Was LocalSend von anderen File-Sharing-Lösungen unterscheidet
LocalSend funktioniert vollständig lokal und ohne zentrale Server. Dateien werden direkt zwischen Geräten übertragen, was das Tool zu einer datenschutzfreundlichen Alternative zu Cloud-basierten Lösungen macht. Die App läuft plattformübergreifend auf Android, iOS, Windows, macOS und Linux.
Das Wachstum des Projekts ist weitgehend organisch entstanden, getragen von Empfehlungen innerhalb von Entwickler-Communities, Diskussionen auf GitHub und einer wachsenden internationalen Nutzerbasis. Bezahlte Werbung spielte dabei kaum eine Rolle.
Ein Signal an die Open-Source-Welt
Obereder beschreibt die Entscheidung als bewusste Positionierung in einem Umfeld, in dem erfolgreiche Softwareprojekte häufig früh verkauft oder kommerzialisiert werden.
„Es gibt Projekte, die sich durch einen Verkauf schneller skalieren lassen würden. Und es gibt Projekte, bei denen man mit einem Verkauf genau das kaputtmachen würde, was die Menschen daran schätzen. LocalSend gehört für uns klar in die zweite Kategorie“, so die Gründer.
Das Team will LocalSend künftig weiterhin unabhängig und Community-getrieben entwickeln.


