StreamTV: Steyrer Startup setzt nach geplatztem Investment auf TikTok
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„Wir leben noch und es geht wieder bergauf.“ So fasst Thomas Rafelsberger, Gründer und CEO des Steyrer Startups StreamTV, die vergangenen Jahre zusammen. Am Tag der Unterzeichnung einer Finanzierungsrunde sprang ein Investor ab, und aus 55 Mitarbeiter:innen wurden 20. Jetzt meldet sich StreamTV mit einem neuen Standbein zurück: Rafelsberger und Mitgründer Lukas Hoffmann haben das Streaming-Tool TikFinity übernommen, das auf TikTok LIVE bei vielen Creator:innen zur Grundausstattung gehört, und es im laufenden Betrieb komplett neu gebaut.
Der Tag, an dem der Investor absprang
StreamTV wurde 2018 von Rafelsberger, Hoffmann und Andreas Hanne als OWN3D Media gegründet und machte sich mit Designs, Overlays und Tools für Streamer:innen auf Twitch und YouTube einen Namen. Trending Topics berichtete 2021 über die Umbenennung in StreamTV und eine Finanzierung über 1 Million Euro. Die Pandemie verdreifachte den Umsatz, das Team wuchs auf 55 Personen.
2022 brach der Livestreaming-Markt wieder ein. Für eine notwendige Finanzierungsrunde sprang dann ein Investor am Tag der Unterzeichnung ab. Die Runde kam zwar trotzdem zustande, aber kleiner als geplant, und StreamTV musste auf rund 20 Mitarbeiter:innen schrumpfen. „Das war einer der härtesten Tage in meinem Leben als Gründer. Wir mussten Menschen gehen lassen, die viel für das Unternehmen gegeben haben“, sagt Rafelsberger. Nach einem harten Sparkurs schreibt das Unternehmen laut eigenen Angaben wieder schwarze Zahlen.
Der Pivot zu TikTok LIVE
Den nächsten Schritt machten die Gründer vor einem Jahr mit der Übernahme von TikFinity. Das Tool macht TikTok-Livestreams interaktiv: Geschenke, Likes und Kommentare lösen Overlays, Sounds, Punktesysteme und Aktionen in Spielen aus. Schickt jemand aus dem Publikum etwa ein bestimmtes Geschenk, drückt TikFinity im Spiel eine Taste, die sonst die Person vor der Kamera drücken würde, von GTA 5 über Minecraft bis Roblox. „Der Streamer gibt ein Stück Kontrolle ab, und genau das macht den Stream spannend“, sagt Rafelsberger. Weil Geschenke auf TikTok echtes Geld kosten und Creator:innen einen Anteil bekommen, zahlen Zuschauer:innen damit für Einfluss auf den Stream.
Laut Unternehmen haben sich 2,9 Millionen Creator:innen bei TikFinity registriert. Die größten Märkte liegen weit weg von Österreich: Indonesien mit 311.000, Thailand mit 264.000, Brasilien mit 182.000 und Mexiko mit 178.000 Nutzer:innen. Es gibt eine kostenlose Version und das kostenpflichtige TikFinity Pro.
„TikFinity ist für uns kein Nebenprojekt, sondern ein klares Bekenntnis zu TikTok LIVE“, sagt Rafelsberger. Die Plattform funktioniere anders als Twitch, YouTube und Kick, „schneller, mobiler, mit Interaktion und Geschenken im Mittelpunkt“. Der Markt ist groß: Den Daten von Streams Charts zufolge ist TikTok LIVE inzwischen die zweitmeistgesehene Livestreaming-Plattform der Welt, hinter YouTube und vor Twitch, mit 8,9 Milliarden Stunden Watchtime im zweiten Quartal.
Neubau im laufenden Betrieb
TikFinity wurde ursprünglich als Nebenprojekt eines einzelnen Entwicklers in Deutschland gestartet, der bis heute an Bord ist. Betrieben wird das Tool von der STV Live GmbH im saarländischen Schmelz, die Rafelsberger und Hoffmann als Geschäftsführer leiten. In den vergangenen neun Monaten hat ein Kernteam von rund 15 Personen die vier Jahre alte Plattform ersetzt, während sie weiterlief. Seit August wird TikFinity 2.0 schrittweise ausgerollt. „Mit KI arbeiten wir heute in allen Bereichen schneller und fokussierter“, sagt Hoffmann. Dass ein so kleines Team eine komplette Plattform neu baue, zeige, was dadurch möglich sei.
StreamTV und die STV Live GmbH beschäftigen heute gemeinsam mehr als 30 Menschen, die komplett remote arbeiten. Das nächste Produkt ist bereits im Test: Reecorder, ein Tool der Berliner Reecorder Labs GmbH mit Rafelsberger als Mitgründer, zeichnet TikTok-Livestreams mit Zustimmung der Creator:innen automatisch auf. Geplant sind unter anderem KI-Clips aus den besten Momenten und die Option, das Material an KI-Labore zu lizenzieren.
Die Konkurrenz
Ganz allein ist TikFinity nicht. TikTok selbst bietet mit TikTok LIVE Studio eine eigene Streaming-Software an, und etablierte Tools wie Streamlabs unterstützen ebenfalls TikTok-Livestreams. TikFinity betont, ein unabhängiges Tool zu sein, das in keiner Verbindung zu TikTok steht.

